Schlag gegen georgische Mafia: Elf Festnahmen in der Schweiz

Aktualisiert am 16.03.2010

Bei einer grossangelegten Polizeiaktion gegen die georgische Mafia sind in Westeuropa mindestens 69 Personen festgenommen worden. Rund 120 Polizisten waren in der Schweiz im Einsatz.

Riesiges Chaos: Nach der Verhaftung einer georgischen Einbrecherbande in Lausanne.

SF/ Reporter

In der Schweiz wurden am Montag in verschiedenen Kantonen elf mutmassliche Kriminelle verhaftet. Die Verdächtigen seien vorwiegend georgischer und russischer Herkunft, schrieb die Bundesanwaltschaft (BA) in einer Mitteilung. Es seien auch zahlreiche Objekte durchsucht worden. Rund 120 Polizisten von Bund und Kantonen waren im Einsatz.

In Spanien, wo sich nach Angaben der Ermittler die Köpfe der kriminellen Organisation befanden, wurden mindestens 24 Verdächtige verhaftet, wie die Ermittlungsbehörden in Madrid erklärten. Ihnen werde unter anderem Drogenschmuggel, Geldwäscherei, Erpressung, Bestechung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Bei der Bundesanwaltschaft hiess es, die Organisation habe sich hauptsächlich auf Diebstahl, Einbruch und Hehlerei spezialisiert. Sie seien in zahlreichen Ländern Europas aktiv gewesen und «namentlich in der Schweiz».

Ein Landeschef und vier Regionalverantwortliche

Die Organisation sei «perfekt strukturiert» und «äusserst hierarchisch». In der Schweiz habe es einen Landeschef und vier Regionalverantwortliche - je einer für die Romandie, die Ostschweiz, die Westschweiz und das Tessin - gegeben.

Die vier Regionalbosse hatten demnach die Aufgabe, die Aktivitäten der Mitglieder der Bande zu überwachen und die «Beiträge für die Regionalkasse einzusammeln».

Mafia-Kasse

Diese lieferten ihr Geld dem Landesboss ab, der sich den Chefs in Spanien gegenüber verantworten musste, von wo er die Befehle erhielt. Die Spanier hätten die Gelder zugunsten einer als «OBSCHAK» bezeichneten Kasse eingetrieben.

Daraus wiederum wurden Chefs, die Mitglieder der Band und die nächsten Coups finanziert. An der Polizeiaktion beteiligt waren auch Deutschland, Frankreich und Italien. Auch in diesen Ländern kam es zu Festnahmen.

«Die Verhaftung der führenden Köpfe der kriminellen Organisation versetzt dem georgischen organisierten Verbrechen im europäischen Raum einen herben Schlag», hiess es bei der BA.

Pate gefasst

In Spanien schlug die Polizei vor allem an der Mittelmeerküste zu. In Barcelona sei einer der Paten der georgischen Mafia gefasst worden. Dort und in Valencia seien auch mehrere Wohnungen durchsucht worden. Festnahmen gab es aber auch in Madrid und Bilbao.

In der Schweiz ermittelte die Bundesanwalt nach eigenen Angaben seit April 2009 gegen die Bande. An den Ermittlungen beteiligt waren neben der Bundeskriminalpolizei und verschiedenen Kantonspolizeien auch das Grenzwachkorps und kommunale Polizeien, hiess es.

In Spanien war diese Polizeiaktion der dritte grosse Schlag gegen die Mafia aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion seit dem Jahr 2000. Insgesamt sind seither rund 100 Verdächtige festgenommen worden. In den 90er Jahren hatten sich mehrere mutmassliche Bosse in luxuriösen Anwesen an der spanischen Küste niedergelassen. (jak/sda)

Erstellt: 16.03.2010, 06:50 Uhr

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