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Schlechte Aussichten für Jugend am Arbeitsmarkt

Aktualisiert am 07.01.2009

Die Finanzkrise treibt die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe – vor allem die Jugendlichen werden bald darunter leiden, glauben Wirtschaftsexperten. Die Frage ist nur, wann.

Jugend in der Krise: Die Rezession könnte die Lehrstellensuche für Jugendliche schon bald erschweren.

Jugend in der Krise: Die Rezession könnte die Lehrstellensuche für Jugendliche schon bald erschweren. (Bild: Keystone)

Mehr Sozialfälle

Auch die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger wird 2009 ansteigen, ist Walter Schmid, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, überzeugt. «Wir rechnen für 2009 und die folgenden Jahre im Sozialhilfebereich eher mit einer Hochkonjunktur», sagte Schmid in einem Interview. «Wir gehen von über einem Drittel mehr Fällen in den nächsten drei bis vier Jahren aus. Das wären statt heute 250'000 Sozialfälle über 300'000.»

Seit letztem Herbst steigt in der Schweiz die Zahl der Arbeitslosen. Waren Ende September rund 95’000 Menschen ohne Job, zählte man Ende November bereits 107’000 Arbeitslose. Und auch die Aussichten sind düster: Der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB rechnet bis 2010 gar mit einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit.

Vor allem junge Arbeitnehmer dürfte es dabei hart treffen. Das befürchten die Gewerkschaften und die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe. Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes glaubt, dass 2009 zum Problem-Jahr werden könnte: «Die Jugendarbeitslosigkeit wird steigen, und das leider auf einem hohen Niveau».

«Es könnte dramatisch werden»

«Wir machen uns Sorgen. Jugendliche werden zuletzt eingestellt und zuerst entlassen», sagt auch Jean Christophe Schwaab, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, gegenüber «20 Minuten». Bereits heute fehle es an Lehrstellen und an Einstiegsjobs für Jugendliche. Und: «In den kommenden Monaten könnte es dramatisch werden.» Staat und Wirtschaft sollen deshalb mehr Lehrstellen und Plätze in Lehrwerkstätten und Berufsschulen schaffen. «Wenn wir nicht aufpassen, werden heute die Armen von morgen geschaffen», so Schwaab.

Serge Gaillard, Chef Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), ist zwar ebenfalls besorgt, sieht aber für 2009 noch nicht schwarz: «Wir erwarten nicht, dass die Zahl der Lehrstellen schon in diesem Sommer deutlich zurückgeht», so Gaillard auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, «sollte die Krise aber länger dauern, könnte es im 2010 schwieriger werden.» Das Seco rechnet bis 2010 mit 60'000 zusätzlichen Stellensuchenden.

Praktikum als Übergang

Auch sei die Schweiz gut gewappnet und der Arbeitsmarkt im Vergleich zum Ausland stabil. Die Behörden und Kantone hätten nicht nachgelassen, Lehrstellenmarketing zu betreiben. Ändere sich die Situation dramatisch, gebe es zudem Übergangslösungen – beispielsweise könnten Praktikastellen geschaffen werden.

Kommt also bald eine neue «Generation Praktikum» wie in Deutschland, wo Junge monatelang gratis schuften? Nein, glaubt Gaillard. «Der Arbeitsmarkt hat die Jugendlichen in den letzten Jahren sehr gut aufgenommen. Von einer ‹Generation Praktikum› kann nicht gesprochen werden.» (reh)

Erstellt: 07.01.2009, 12:20 Uhr

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