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Schneekanonen sollen Moore schützen

Der Leiter der Unesco-Biosphäre Entlebuch ist überzeugt davon, dass Schneekanonen einen positiven Einfluss auf Moorlandschaften haben. Fachleute widersprechen ihm.

Schnee als Schutz für die Umwelt: Ein Unseco-Mitarbeiter möchte die Kanonen auch in Moorlandschaften einsetzen.

Schnee als Schutz für die Umwelt: Ein Unseco-Mitarbeiter möchte die Kanonen auch in Moorlandschaften einsetzen.
Bild: Keystone

Der Zwischenbericht einer Studie über die Moorlandschaft in der Biosphäre Entlebuch kommt zu einem überraschenden Befund: «Die künstliche Beschneiung hat keine prinzipiellen negativen Einflüsse auf das Moor», sagt Biosphäre-Direktor Theo Schnider, «sie fördert sogar den Moorcharakter der Landschaft.» Durch das zusätzliche Wasser in Form von Schnee sei das Moor feuchter und saurer geworden.

Kritischer beurteilt Schnider den Einsatz von Pistenfahrzeugen in der Moorlandschaft. Sie verletzen den Boden und verändern das Relief. In der Biosphäre habe dies zu einem Rückgang der Schmetterlinge und Heuschrecken geführt. «Die künstliche Beschneiung hat diesen negativen Einfluss allerdings gemildert», sagt Schnider, der auch im Verwaltungsrat der Sörenberger Bergbahnen sitzt. Die grössere Schneedicke habe dazu beigetragen, die Vegetation darunter besser vor den Pistenfahrzeugen zu schützen.

Wassermenge zu gering

«Sehr überrascht» über diese Aussagen ist der Forscher Meinrad Küchler, der einen Teil der Untersuchungen vor Ort geleitet hat. «Einen generell positiven Einfluss von Schneekanonen auf eine Moorlandschaft können wir sicher nicht feststellen», stellt der Gruppenleiter von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) klar. Eine Förderung des Moorcharakters habe er in seiner Forschung nicht festgestellt. Der Boden sei deshalb feuchter geworden, weil er durch die intensive Benutzung durch Skifahrer und Pistenfahrzeuge dichter geworden sei und das Wasser nun weniger schnell versickern könne. In einem Moor fliesse das Wasser jedoch aus anderen Gründen nicht ab.

Sehr skeptisch reagiert auch der WSL-Forschungsleiter Otto Wildi. «Die Wassermengen, die bei der künstlichen Beschneiung anfallen, sind viel zu gering, um einen positiven Einfluss auf ein Moor zu haben», sagt er. Zwar würde die Menge der Niederschläge den Zustand eines Moors stark beeinflussen. Die Moore würden jedoch – mit oder ohne Schneekanonen – von Natur aus sehr stark variieren. Überdies mahnt Wildi, dass die Beschaffenheit des Wassers einen grossen Einfluss auf die Natur habe: «Hochmoore benötigen Regenwasser. Das oft für die Kanonen verwendete Trinkwasser ist für Hochmoore nicht geeignet.» Trinkwasser sei oft zu nährstoffreich und würde zu einer Veränderung der Vegetation in einem Hochmoor führen.

Sehr hoher Energieverbrauch

Laut Pro Natura führen Schneekanonen vielerorts in der Schweiz zu Schäden in der Pflanzenwelt: «Sowohl der Bau der Anlagen als auch das verwendete Wasser mit chemischen Zusätzen führen zu Veränderungen in den Mooren», sagt Urs Tester, Leiter der Abteilung für Biotope und Arten. Das Bundesamt für Umwelt empfehle, in Moorbiotopen ganz auf Beschneiungsanlagen zu verzichten. Schlecht für die Umweltbilanz sei zudem der enorme Energieverbrauch der Schneekanonen. Alle Schweizer Anlagen würden zusammen etwa so viel Strom verbrauchen wie die ganze Stadt Zug in einem Jahr.

Zu einem breiten Einsatz von Schneekanonen kommt es im Entlebuch – trotz des Biosphären-Labels – seit rund zehn Jahren. Damals haben die Bergbahnen Sörenberg damit begonnen, ihre Pisten künstlich zu beschneien. Eine Biosphäre im Sinne der Unesco ist eine Region mit Modellcharakter für eine nachhaltige Entwicklung. Spezifische Umweltvorlagen schreibt die Unesco laut Pro Natura nicht vor. Es gelten die Schweizer Vorschriften für den Moorschutz. Den Einfluss der Schneekanonen auf die Pflanzen- und Tierwelt lässt das Biosphären-Management seit rund acht Jahren untersuchen. Für einen Teil der Forschungen zeichnet die Forschungsanstalt WSL verantwortlich. Sie untersucht im Rahmen des sogenannten Moormonitorings für den Bund den Zustand von rund 100 Schweizer Mooren – darunter ein Moor in Sörenberg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2009, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Werner Holliger

19.10.2009, 09:16 Uhr
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So, so, der Moorexperte Schnider sitzt auch im Verwaltungsrat der Sörenberger Bergbahnen. Aha! Und welche Qualifkationen bringt er als Moorexperte mit? Antworten



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