Schneider-Ammanns Informationschef war abwesend

Die Rede des Bundespräsidenten zum Tag der Kranken wurde vor der Ausstrahlung kaum geprüft. Auch Schneider-Ammann selbst hat den Film offenbar nicht visiert.

Schlecht beraten: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann im Ständeratssaal am 10. März 2016.

Schlecht beraten: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann im Ständeratssaal am 10. März 2016. Bild: KEYSTONE/Lukas Lehmann/Keystone

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Die ganze Welt lacht über das Video von Johann Schneider-Ammann. Der Informationschef des Bundespräsidenten bekam die Aufzeichnung gar nicht zu Gesicht, bevor sie ausgestrahlt wurde, berichtet der «Sonntagsblick». «Ist man bei einer solchen Aufzeichnung dabei, muss man sofort reingrätschen – und sie stoppen», wird ein ehemaliger Bundesrats-Sprecher zitiert.

Doch Noé Blancpain (35), Informationschef von Schneider-Ammann, war beim einstündigen Dreh in Bern gar nicht dabei. Auch sah er sich die Rede nicht an, bevor sie ausgestrahlt wurde. Personelle Folgen seien in Schneider-Ammanns Team dennoch nicht vorgesehen.

Idee für Rede stammt von Clowns

Dass der spröde auftretende Schneider-Ammann über Humor hat reden müssen, verdankt er Oberwalliser Komikern. Ein dort ansässiger Verein von Clowns, die in Kliniken Patienten unterhalten, meldete sich mit der Idee beim Verein «Tag der Kranken», wie Sprecherin Nicole Fivaz in der «Sonntagszeitung» sagt. Darauf hat die Organisation das Departement mit Hintergrund-Informationen versorgt.

Aus diesem Material bastelte ein Stabsmitarbeiter des FDP-Magistraten die Rede. Im Medienzentrum des Bundes wurden während zwei Stunden je drei Radio- und TV-Ansprachen produziert. Ob mehrere Aufnahmen gemacht wurden, ist nicht klar. Schneider-Ammann habe diese nicht visiert, sondern sei sofort zum nächsten Termin geeilt, heisst es. Ein deutschsprachiger Kommunikationsberater oder -Beraterin war zugegen, hat aber kein Problem geortet – was intern inzwischen als «suboptimal» bezeichnet wird.

Nicole Fivaz vom «Tag der Kranken» findet den Inhalt der Rede «sehr passend zum diesjährigen Motto». Sie bedauert jedoch, dass die gut 1000 Freiwilligen, die sich für dieses Datum engagieren, nicht gewürdigt werden. Umso mehr freut sie die Publicity, die Schneider-Ammann dem karitativen Anlass beschert: «So viel Aufmerksamkeit hatten wir noch nie». Jetzt hofft sie, dass sich dies auch in den Spenden niederschlägt.

Der französische Sender Canal+ machte sich über Bundespräsident Johann Schneider-Ammann lustig. (chi)

(Erstellt: 13.03.2016, 03:53 Uhr)

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