«Schock» und «Skandal»: Brustkrebs-Patientinnen erhalten oft falsche Behandlung

Eine neue Studie, an welcher der führende Brustkrebs-Experte Beat Thürlimann mitgearbeitet hat, zeigt eine für Schweizerinnen beunruhigende und oft auch fatale Tatsache auf.

Erfordert Erfahrung: Behandlung von Brustkrebs.

Erfordert Erfahrung: Behandlung von Brustkrebs. (Bild: Keystone)

Die Erkenntnis der neuen Studie ist, dass rund 30 Prozent der Schweizer Brustkrebs-Patientinnen nicht die nötige Behandlung erfahren würden. Dies berichtete heute das Nachrichtenmagazin «10 vor 10». Und zitiert den Arzt und Mitautor Beat Thürlimann vom St. Galler Brustzentrum: «Das ist für ein solch hoch entwickeltes Land wie die Schweiz ein Skandal.»

Die Studie zeigt laut Türlimann auf, dass die Frauen gerade in ländlicheren Gegenden mit vielen kleinen Spitälern falsch behandelt werden. Oft fehlten den Medizinern dort die nötige Erfahrung. Und diese sei bei der Behandlung von Brustkrebs zentral, so Thürlimann. Rund die Hälfte der Schweizer Spitäler erfüllen seiner Meinung nach die nötigen Qualitätskriterien nicht.

Die Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation (SPO), Margrit Kessler, sagte in dem TV-Beitrag, sie sei vom Resultat dieser Studie «schockiert». «Es macht mir sehr zu denken, dass in der Schweiz so etwas möglich ist.» Der nationale Spitalverband H+ liess verlauten, man sei machtlos. Den zentralen Einfluss auf die Spitäler hätten die Kantone. (sam)

Erstellt: 17.08.2009, 22:32 Uhr

10 KOMMENTARE

Lydia Knuchel

09.10.2009, 11:32 Uhr

Als selber Betroffene von Brustkrebs (vor 8 Jahren) : Ich habe ein spezialisiertes Brustkrebszentrum zur Abklärung und Operation aufgesucht, wurde sehr gut informiert und tip top behandelt. Die Chemo und Bestrahlung habe ich ebenfalls bei Spezialisten gemacht und bin hervorragend behandelt worden (auch menschlich). Würde das jeder betroffenen Frau empfehlen: Spezialzentrum und Vertrauensarzt.


Markus Berger

19.08.2009, 08:53 Uhr

Patienten mit diesen Erkrankungen gehören in grossen Zentren behandelt. Die grossen Spitäler in der Schweiz ziehen die Spezialisten aus dem Ausland, insbesondere Deutschland, an. Dementsprechend hoch ist hier die Qualität. Man kann kaum erwarten, dass das überall so ist.


Gabrielle Andreoli

18.08.2009, 14:23 Uhr

Die Ärzte sollten, wenn sie nicht sicher sind oder eine Diagnose/Krankheit sie überfordert, einen Kollegen hinzuziehen oder den Patienten zu einem Spezialisten schicken. Man kann ja nicht alles wissen, aber den Patienten Sicherheit vorspielen um das Gesicht zu wahren grenzt an Missbrauch (und Körperverletzung).


Annemarie Richard

18.08.2009, 13:13 Uhr

Das ist nicht meine Meinung. Würde mit einem Brustkrebs das kleine Spital sogar aufsuchen. Nicht auf das Spital mit seiner Technik sondern auf das Wissen, das Können und die Bescheidenheit des Arztes kommt es an. Siehe Prozess in Österreich (wo wegen einem nichtaufbieten zur Kontrolle, durch die Krankenschwester) die Patienten alle überlebten. Die Behandelten leben nicht mehr. Tot auf Abruf!


Mari Wunderli

18.08.2009, 12:20 Uhr

Hr. Kunz-Torres, sie haben Recht- vor allem Koordination, und das klappt am besten in einem verstaatlichten Gesundheitswesen, siehe Kanada, Spanien etc..(eigene Erfahrung), Patienten Info ist über einen Zentralkumputer erreichbar- evtl weniger Privatsphäre, dafür aber hat der Arzt alles vor sich, inklusive Medikamente, Blutanalysen etc.. Lieber weniger Geheimnisstuerei- dafür am Leben...


Franziska Bolliger

18.08.2009, 12:03 Uhr

@Urs Küng: Das ist wahr was Sie sagen, doch liegt der Entscheid nicht beim Patienten ob ein CT oder besser ein MRI gemacht werden soll. Hier entscheidet der Arzt was auch richtig ist. Nur, steht der auf der Lohnliste der Versicherer, die den Ärzten bezüglich Kosten immer mehr Druck machen. Bis ein MRI gemacht wird, ist es oft zu spät!


Urs küng

18.08.2009, 10:58 Uhr

@Franziska Bolliger. Richtig, aber bei Brustkrebs würde Frau doch auch eine längere Anreise in Kauf nehmen? Schliesslich geht es um Leben oder Tod. Technik ist heutzutage enorm kurzlebig und muss schnell amortisiert und ersetzt werden, das geht nur, wenn sie zentral unter Volllast genutzt wird.


Franziska Bolliger

18.08.2009, 09:54 Uhr

@Urs Küng: Richtig! Aber das Übel ist doch wo anders: Durch die Zentralisierung der Spitäler, die durch dem enormen Kosten- & Konkurrenzdruck ausgelöst wurde, sind Bewohner der ländlichen Gebiete dementsprechend benachteiligt. Der Kostendruck wurde von den Versicherer immer wieder erhöht, die so wiederum grössere Kosten generieren. Die Tech. ist da, um sie zu nutzen!


urs küng

18.08.2009, 07:49 Uhr

Das was uns alle am meisten interessiert, dürfen wir wieder mal nicht erfahren. Wenigstens wäe es interessant zu wissen, wo denn eine adequate Behandlung gewährleistet ist, so würden sich die Missstände nämlich von selber lösen, frei nach Angebot und Nachfrage.


Otto Kunz-Torres

17.08.2009, 22:57 Uhr

Die Schweiz hat nach den USA das teuerste Gesundheitssystem. Leider garantieren die hohen Kosten noch lange nicht überall entsprechende Qualität bei den Leistungen. Gerade diese Studie zeigt die verheerende Wirkung der Devise . Wir brauchen eine bessere Planung, Kontrolle und Koordination im Gesundheitswesen.



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