Schwarzfahrer sind jung, gebildet und Schweizer
Von . Aktualisiert am 23.03.2009 37 Kommentare
Jung und gebildet: Diese Schweizer fahren am häufigsten schwarz. (Bild: Franziska Scheidegger)
azu. Rund 30'000 Schwarzfahrer erwischen die Kontrolltrupps von Bernmobil jährlich. Das Transportunternehmen erleidet durch das Schwarzfahren Einbussen von einer Million Franken. Doch nicht vorwiegend ärmere Leute oder gar Ausländer sinds, welche Bernmobil diesen Schaden bescheren.
Laut der «NZZ am Sonntag» kommt eine Studie des Instituts für Erziehungswissenschaften der Uni Bern zum einigermassen erstaunlichen Befund, dass Schwarzfahren ein Delikt der Oberschicht ist. Der typische Schwarzfahrer und die typische Schwarzfahrerin sind jung, haben eine höhere Berufsausbildung vom Meisterdiplom bis hin zu einem Hochschulabschluss – und einen Schweizer Pass.
Risikofreudige Schweizer
Die überraschende Erkenntnis erklären die Forschenden damit, dass im Beruf erfolgreiche Menschen risikofreudiger und von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt sind – wohl auch von jener, den Bernmobil-Kontrolleuren entwischen zu können. Die Studie basiert denn auch nicht auf der Auswertung von Daten überführter Schwarzfahrer, sondern auf einem Fragebogen, den 3000 zufällig ausgewählte erwachsene Stadtbernerinnen und Stadtberner erhalten haben. (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.03.2009, 14:00 Uhr
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37 Kommentare
Habe mich entschlossen ab Morgen auch öfters schwarz zu fahren, möchte schon lange zum Kreis der gebildeten Personen gehören, besonders wenn das Schwarzfahren eine der nötigen Anforderungen sein sollte. Die Chance einen Führungsposten bekleiden zu können, möchte ich mir auch nicht entgehen lassen. Danke für die vielen Hinweise. Antworten
Schlecht verdienende Ausländer sind gut, gut verdienende Schweizer sind schlecht. Die Studie bestätigt das Cliche, das sie wohl bestätigen sollte. Dass angehende Akademiker Passanten über ihr Schwarzfahrverhalten befragen ist bezeichnend für das Niveau gewisser "Studien", die mit Steuergeldern durchgeführt werden. Nächstes mal bitte die Statistik der BVB studieren oder die Kontrolleure befragen. Antworten
Dann muss man diesen"gebildeten" und vermutlich"geblendeten" Schwarzfahrern das dubiose "Vergnügen" vermiesen...Höhere Geldbussen können diese "Gebildeten" sicher verkraften,aber einen "netten"Eintrag im Strafregister dürfte schon weniger Freude machen? Antworten
Ich würde dringend raten die Struktur der Personen, die geantwortet haben mit der Struktur der Sünderdatenbank zu vergleichen (Quartier?). Das Resultat sieht wie ein ein klassischer Methodenfehler aus: Personen, welche gut deutsch sprechen und besser gebildet sind, füllen eher einen Fragebogen aus. Entsprechend erscheint diese Gruppe übervertreten bei den Delinquenten. Antworten
Schwarzfahren ist kein Phänomen der Oberschicht. Das Sich-Erwischen-Lassen beim Schwarzfahren ist ein Phänomen der Oberschicht. Die Anderen fliehen nämlich erfolgreich, das erlebe ich jeden Tag im Tram und S-Bahn. In Zürich ist der Anteil Ausländer bzw. Schweizern mit Migrationshintergrund auch grösser als im beschaulichen Beamten-Bern. Antworten
Herr Meienhofer, wenn Sie beim ZVV dreimal innert 2 Jahren schwarz fahren, dann haben Sie ihren Strafregistereintrag. Ein solches Vorgehen bei einmaligem Schwarzfahren wäre völlig unverhältnismässig, zumal man manchmal auch zum Schwarzfahren gezwungen wird (defekte Automaten, kein passendes Kleingeld, etc.). Antworten
Als Seltenfahrerin auf dem Verkehrsnetz der ZVV werde sozusagen auf jeder Fahrt kontrolliert. Fast jedes Mal wird im selben Wagon jemand beim Schwarzfahren erwischt. Bis jetzt sahen die aber seltenst nach Hochschulabschluss aus und klangen selten nach CH-Pass. Ich war schon Zeuge, wie eine CH-Rentnerin log. Sie behauptete, dass sie auf den Zug hätte rennen müssen, dabei hat sie mit mir gewartet... Antworten
Interessant wäre auch zu erfahren, wieviel Prozent der Schwarzfahrer normalerweise das Auto benutzen. Die sporadische Benutzung des öV ohne Halbtax-Abo oder ähnliche Vergünstigungen ist oftmals teurer, als das Auto inkl. Parkhaus. Wenn die Tarife halbiert und Halbtaxabos gestrichen würden, gäbe es weniger Schwarzfahrer und auch weniger Autos in der Innenstadt... Antworten
Solche Interpretationen von Fragenbogen-Umfragen mit Selbstdeklaration sind mit allerhöchster Vorsicht zu geniessen. Eine andere Interpretation könnte ja sein, dass Personen mit einer höheren Berufausbildung, mit einem Hochschulabschluss oder/und einem Schweizer Pass einfach ehrlicher sind. Und wie hoch die Rücklaufquote? Vielleicht haben diese Gruppen fleissiger geantwortet... Antworten
Reich, arm, jung, alt, gebildete, Abhängige, Randständige, notorische Verbrecher etc. Wieso? Menschen wie M.M. verlangen Strafregister und mind. 5 T. Gefängnis. Aus Klein- mach Grosskriminelle. Grossbetrüger eröffnen Stiftungen? Kleinkarrierte Steuerzahler? Das Preis-/Leistungsprinzip stimmt nicht. Das Lohngefälle, Preisschere etc. Es gibt nur gute Anwälte für gut zahlende Kunden. Politik dito!! Antworten
Das könnte daran liegen, dass die gebildeten Menschen realisieren, was für eine unverschämte Abzockerei die öffentlichen Verkehrsmittel betreiben. Ich nenne da nur mal das Beispiel Flirt Züge: kürzer, weniger Platz, am Morgen voll gestopft mit Pendler und dann werden aber (fast) jährlich die Billetpreise erhöht. Vielleicht wäre es an der Zeit wieder mehr Anreize zu schaffen. Antworten
Diese Studie ist doch Quatsch! Zufällig ausgewählte Personen die möglicherweise nie oder selten den ÖV benutzen zu befragen und die Aussagen derart auszuwerten macht keinen Sinn! Ich benutze den ÖV jeden Tag und könnte mir schwarzfahren schlicht nicht leisten! Pro Woche erlebe ich im Durchschnitt 2, 3 Kontrollen, nur Gelegenheitsfahrer schaffen es 'nur' 5 mal im Jahr erwischt zu werden! Antworten
Solche Interpretationen von Fragenbogen-Umfragen mit Selbstdeklaration sind mit allerhöchster Vorsicht zu geniessen. Eine andere Interpretation könnte ja sein, dass Personen mit einer höheren Berufausbildung, mit einem Hochschulabschluss oder/und einem Schweizer Pass einfach ehrlicher sind. Und wie hoch die Rücklaufquote? Vielleicht haben diese Gruppen fleissiger geantwortet... Antworten
Keine voreiligen Schlüsse! Es ist bekannt, dass junge, gut gebildete Schweizer bei heiklen Fragen in Studien eher bereit sind, die Wahrheit zu sagen, da sie dem Versprechen nach Anonymität eher trauen. Es gibt Befragungsmethoden, die hierzu besser geeignet sind und mehr Anonymität versprechen. (Z.B. Randomized Response Technik) Antworten
Diese Studie belegt bloss das junge gebildete Schweizer eher bereit waren für 10 Franken eine Umfrage zu beantworten. Eine wirklich repräsantive Darstellung der Situation würde sich erst ergeben wenn man alle erwischent Schwarzfahrer nach ihrer Nationalität, Bildungschicht und Einkommen befragen würde. Antworten
Die Studie könnte schon stimmen. Wer nur selten ÖV fährt, findet es vielleicht beschämend ein Billett am Automaten zu lösen. Wem 8 Franken für eine Tageskarte zu teuer sind, der sollte auch nicht in's Kino. Das ist eine faule Ausrede. Aber eben, vielleicht gibt es zuwenig Steinbrücks auf dieser Welt... Antworten
Unser Strafrechtssystem hat noch bedeutende Lücken. Würde das Gesetz vorsehen, dass notorischen Schwarzfahrer einen Eintrag im Strafregister bekommen und dazu noch jedesmal mind. 5 Tage absitzen müssen, würde die Lust am Sparen im Flug vorbei sein. Am Ende des Jahres würden weder Geld noch übriggebliebene Ferien aureichen, mit den ersparten Fahrkosten Ferien im Süden zu machen. Antworten
Es ist ja auch die Mittel- und Oberschicht, welche Steuern hinterziehen. Schwarzfahren entspringt derselben moralischen Grundhaltung. In beiden Fällen sind die Ehrlichen die Dummen. Interessanterweise sind sich alle einig, dass Schwarzfahren unfair ist. Steuerhinterzieher werden hingegen von einer breiten Öffentlichkeit toleriert. Sonst wurde man das Bankgeheimnis auch in der Schweiz lockern. Antworten
Sehr zu hinterfragen, diese Studie. Wer NZZ a.S. gelesen hat weiss, dass man 3000 angeblich zufällig ausgewählte BernerInnen mit 10 Fr. als Beilage und Belohnung angeschrieben hat. Fraglich, wie man z.B. Randständige und Bewohner der Reitschule erfasst hat. Falls überhaupt angeschrieben, haben die doch das Nötli kassiert und nicht geantwortet. Das ist unredliche Forschung. Wer hat es bezahlt? Antworten
Dieser Studie kann ich nur zustimmen. Auch ich gehöre dazu. Bin zwar Automobilist doch wenn ich ab und zu die ÖV benütze ist mir eine Tageskarte für Fr. 7.- oder ist sie schon Fr. 8.- einfach zu teuer. Und wenn ich nur zu einem Kinobesuch will brauche ich eine Tageskarte, da ich mit der 2 stündigen nicht wieder zurück komme. Runter mit dem Preis und ich bezahle! Antworten
Es ist ja auch die Mittel- und Oberschicht, welche Steuern hinterziehen. Schwarzfahren entspringt derselben moralischen Grundhaltung. In beiden Fällen sind die Ehrlichen die Dummen. Interessanterweise sind sich alle einig, dass Schwarzfahren unfair ist. Steuerhinterzieher werden hingegen von einer breiten Öffentlichkeit toleriert. Sonst wurde man das Bankgeheimnis auch in der Schweiz lockern. Antworten
Markus Baumann@ Das ist kaum eine Frage höherer Risikobereitschaft. Dieses Verhalten ist nur eines der vielen traurigen Beispielen, die den heutigen Zeitgeist, gegenüber demokratisch aufgebauten staatlichen Einrichtungen aufzeigen. Meisterleistung ist das leider keine. Antworten
Ich weiss nicht, woher die evtl. "Schwarzfahrer" hier in ZH herumfahren. Ich bin Tagespendler und werde bestimmt 2-3x die Woche kontrolliert. Von wegen 5x pro Jahr erwischt werden. Aussserdem erhöht sich das Strafgeld jedes Mal wieder. Am Schluss kann sogar ein "Hausverbot" ausgesprochen werden - und dann gibt es eine strafrechtliche Verfolgung inkl. Eintrag wenn man dann wieder erwischt wird! Antworten
Warum basiert die Studie denn nicht auf der Auswertung von Daten überführter Schwarzfahrer, das wären doch vielsagendere Informationen als die Aussagen von 3000 zufällig ausgewählten BernerInnen? Das Resultat lässt sich darum auch schwer glauben. Meine Meinung ist immer noch, dass aus finanziellen Gründen schwarzgefahren wird, alles andere wäre ein Skandal und weitere Untersuchungen wert! Antworten
Leider muss ich Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Studie äussern: Da sie nicht auf einer Auswertung der überführten Schwarzfahrer basiert sondern auf Angaben von 3000 zufällig ausgewählte Stattbernerinnen und Stattberner, kann man davon ausgehen, dass ein Teil davon die ÖV gar nie benutzt. Die Aufteilung nach Herkunft wurde im Verhältnis zur Wohnbevölkerung demnach auch vernachlässigt. Antworten
Markus Baumann bringts auf den Punkt! Und 5 mal jährlich erwischt zu werden ist wahrscheinlich auch noch ein oberes Limit. Vielleicht sollten sich die Betriebe ein Barrierensystem im Tram à la Amsterdam überlegen. Einlass nur durch automatisches Entwerten von Abos oder Kartenverkauf im Tram - das sollte ein "Weissfahren" von nahe 100% zur Folge haben... Antworten
Es ist eine Frage der sozialen Verantwortung: Schlussendlich betrügt man die anderen Fahrgäste, weil diese ja auch die Billette der "Schwarzfahrer" zahlen müssen. Das Gleiche gilt für Steuerhinterzieher. Schlussendlich ist es also ein EGO-Verhalten - na dann viel Spass wenn die nächste Generation von Managern sich in dieser Form schon mal in asozialer Verantwortung übt. Nix gelernt... Antworten
Das ist kaum eine Frage höherer Risikobereitschaft. Wenn ich z.B. in Zürich über CHF 700 für eine Jahreskarte Zahle, dann lass ich mich lieber 5 mal Jährlich erwischen und bezahle jeweils CHF 70. Für die gesparten CHF 350 mach ich locker ein Weekend in Mallorca - inklusive Flug. Dort bin ich dann wirklich risikofreudiger... aber das ist eine andere Geschichte. Antworten
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Thomas Meyer
Herr Baumann, Sie kommen sich wohl schlau vor, aber Sie sind ein Betrüger. Sie beziehen eine Leistung und bezahlen nicht dafür. Was, wenn Ihr Arbeitgeber das machen würde? Hou, da würden Sie aber sofort losschreien! Antworten