Schweinegrippe-Todesfall in Basel: Baby war vorbelastet

Das erste H1N1-Todesopfer in der Schweiz ist ein viereinhalb Monate alter Knabe. In Liestal erläuterten die Behörden die Hintergründe des Falles im Kanton Baselland.

Pressekonferenz in Liestal: Der baselländische Krisenstab Schweinegrippe informierte über den ersten Todesfall in der Schweiz.

Pressekonferenz in Liestal: Der baselländische Krisenstab Schweinegrippe informierte über den ersten Todesfall in der Schweiz.

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Schweinegrippe im Bundesrat kein Diskussionsthema

Der Bundesrat hat am Mittwoch nicht über die Schweinegrippe und deren Auswirkungen diskutiert. Die Landesregierung sei einzig von Gesundheitsminister Didier Burkhalter darüber informiert worden, dass die Impfung der gesamten Bevölkerung ab kommenden Montag beginnen könne, sagte Bundesratssprecher Andre Simonazzi. Zudem habe er das Kollegium über das erste Todesopfer in der Schweiz informiert. Es sei mit Betroffenheit darauf reagiert worden.

Maskenpflicht in Teilen des Basler Unispitals
Das Universitätsspital Basel (USB) führt zur Vorbeugung gegen die Schweinegrippe am (morgigen) Donnerstag an besonders exponierten Standorten eine Pflicht zum Maskentragen für das Personal mit Patientenkontakt ein. Diese Pflicht gilt an der Notfallstation am Petersgraben und beim Notfall der Frauenklinik-Poliklinik an der Spitalstrasse, wie das Spital am Mittwoch mitteilte. Die Massnahme wurde damit begründet, dass sich die Zahl der Patienten mit diagnostizierter Schweinegrippe-Infizierung im November signifikant erhöht habe. Die Maskenpflicht für einen Teil des Personals wurde vom USB-Stab für die Führung bei ausserordentlichen Ereignissen verfügt.

Der verstorbene Säugling hat an einer Gaumenmissbildung gelitten und war dadurch zusätzlich geschwächt. Der viereinhalb Monate alte Knabe sei in der Folge an einer Lungenentzündung erstickt, erklärte Professor Jürg Hammer vom Unispital beider Basel am Mittwoch in Liestal.

Wie Hammer darlegte, war das Kleinkind in der vergangenen Woche erkrankt und vom Hausarzt mit Antibiotika gegen eine Infektion behandelt worden. Am Wochenende habe sich dessen Zustand verschlechtert. Das Kind habe in der Folge zu Hause in den Armen des Vaters zu Atmen aufgehört. Bei der Einlieferung ins Spital am vergangenen Sonntag sei der Säugling bereits tot gewesen. Als unmittelbare Todesursache habe sich in der Autopsie nun eine Lungenentzündung herausgestellt. «Das Kind hatte akut zu viel Schleim und ist darum erstickt, ohne dass man etwas hätte machen können», sagte Hammer.

Missbildung beeinträchtigt Gesundheitszustand

Hammer verwies auf die Missbildung des Säuglings, welche den Gesundheitszustand zusätzlich stark beeinträchtigte. So habe die angeborene Lippen-Kiefer-Gaumenspalte das Atmen wie auch das Schlucken erschwert. Dazu sei ein kleiner Defekt am Herzen gekommen. Zugleich sei aufgrund immer wiederkehrender Infekte auch von einer Immunschwäche auszugehen.

Eine bakterielle Ko-Infektion sei entsprechend nicht auszuschliessen. Wie Hammer betonte, hätte das Kleinkind auch an einer anderen viralen Infektion sterben können. Auch die Verabreichung von Tamiflu sei wegen des Alters keine Option gewesen. Bei solchen Fällen könne man nur unterstützend tätig sein.

Impfung erst ab sechs Monaten

Eine Impfung gegen Schweinegrippe wäre bei einem viereinhalb Monate alten Kind ohnehin nicht zugelassen gewesen. Frühester Termin sind sechs Monate, wie Hammer erinnerte. Alle anderen Verläufe im Kinderspital seien bisher harmlos verlaufen. Dass das Baby am H1N1-Virus gestorben war, erfuhr der kantonale Krisenstab am Dienstag, als die Untersuchungsergebnissse vorlagen.

Der Leiter Pandemievorsorge, Patrick Mathys, drückte der Familie im Namen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) das Beileid aus. «Es ist ein schwerer Verlust und ein individuelles Schicksal», sagte Mathys und betonte, dass die Pandemie nicht mehr zu verhindern sei. Es gelte nun, die Auswirkungen und weiteres Leid so gering wie möglich zu halten. Dazu müssten die einfachen Hygieneregeln im Alltag konsequent befolgt werden. Mit einer Impfung könne jeder sich selbst und auch die Schwächsten schützen. Weitere Todesfälle seien aber nicht auszuschliessen.

Keine weiteren schweren Fälle

Weitere schwere Verläufe von Schweinegrippe bei Kleinkindern waren laut Mathys vorerst nicht bekannt. Es gebe aber in der Schweiz eine ganze Reihe von erwachsenen Intensivpatienten. Das BAG sprach bei der letzten Information vom vergangenen Donnerstag von zwölf Betroffenen.

Im Kanton Basel-Landschaft war bereits im vergangenen August eine junge Mutter schwer an der Schweinegrippe erkrankt. Sie wurde wegen einer Lungenentzündung in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Ihr Kind hatte sich nach den damaligen Informationen nicht infiziert.

Es handelt sich um den ersten Fall einer tödlich verlaufenen Erkrankung an Schweinegrippe in der Schweiz. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte letzte Woche von einer rasanten Ausbreitung der Schweinegrippe berichtet. Die Zahl der laborbestätigten Fälle war in der vorangegangenen Woche auf 773 Fälle gestiegen, was einer Verdoppelung im Vergleich zur Vorwoche entsprach. Das BAG sprach von einer exponentiellen Wachstumsphase. Zwölf Patienten wurden letzte Woche auf der Intensivstation behandelt. Ob sich das jetzt verstorbene Kleinkind darunter befand, ist noch unklar.

Weltweit 6250 Todesfälle

Todesfälle waren in der Schweiz bisher keine gemeldet worden, doch gingen die Behörden davon aus, dass es auch in der Schweiz zu tödlich verlaufenden Erkrankungen kommen wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte in einer letzten Bilanz vom vergangenen Freitag von über 206 Ländern und Territorien mit laborbestätigten Schweinegrippefällen berichtet, darunter mehr als 6250 Todesfälle. (cpm/ap/sda)

Erstellt: 19.11.2009, 11:30 Uhr

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