Schweissnähte im AKW Mühleberg angerissen

Am Kernmantel des AKW Mühleberg sind neue Anrisse entlang einer Schweissnaht entdeckt worden. Der längste ist zehn Zentimeter lang.

Ob die Risse künftig ein Problem darstellen könnten, konnte das ENSI nicht sagen: AKW Mühleberg.

Ob die Risse künftig ein Problem darstellen könnten, konnte das ENSI nicht sagen: AKW Mühleberg. Bild: Keystone

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Trotz den neuen Anrissen hat das Kraftwerk den Betrieb wieder aufgenommen: Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) gab grünes Licht. «Für den kommenden Betriebszyklus stellen die Risse sicherheitstechnisch kein Risiko dar», sagte ENSI-Sprecher Anton Treier am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Bereits am vergangenen Donnerstag habe die Behörde dem bernischen Energiekonzern BKW genehmigt, das AKW nach der Jahresrevision wieder anzufahren.

Solche Risse seien auch schon in US-amerikanischen Kernanlagen festgestellt worden. Dass diese nun auch in Mühleberg entdeckt wurden, sei erwartbar gewesen, sagte Treier. Die externen Experten des Schweizerischen Vereins für technische Inspektionen (SVTI) hätten die überwachungspflichtigen Komponenten im Mühleberger AKW überprüft. Bei den Inspektionen und den abschliessenden Kontrollgängen hätten sich keine Befunde ergeben, die das Wiederanfahren und einen sicheren Leistungsbetrieb in Frage stellten.

Ob die Risse künftig ein Problem darstellen könnten, konnte Treier nicht sagen. Das ENSI erteile die Genehmigungen nur für einen Betriebszyklus. Dieser dauere im Allgemeinen rund ein Jahr. Das AKW Mühleberg soll 2019 vom Netz genommen werden.

Seit längerem Risse

Bereits 1990 waren an einzelnen Schweissnähten des Kernmantels Anrisse entdeckt worden. Seither werden die Schweissnähte regelmässig visuell und mit Ultraschall untersucht. Während der Jahresrevision 2014 wurden neu vertikale Anrisse entlang einer horizontalen Schweissnaht entdeckt.

Diese acht Anrisse sind gemäss BKW-Angaben zwischen 0,4 und 10 Zentimeter lang - sieben davon befinden sich an der Aussenseite des Kernmantels. Da sie auf der Innenseite nicht nachweisbar sind, sei nicht von wanddurchdringenden Rissen auszugehen.

Die Anrisse entstehen durch so genannte Spannungsrisskorrosion - ein Zusammenspiel von Eigenspannungen, Werkstoff und Wasserchemie. Weltweit gibt es knapp 50 weitere Kernkraftwerke, deren Kernmäntel Spannungsrisskorrosionen aufweisen.

1996 hatte das AKW vorsorglich vier Zuganker eingebaut, welche die Belastung auf die Schweissnähte reduzieren. Zusätzlich stabilisieren sie den Kernmantel und stützen ihn an der Druckbehälterwand ab. Seit 2000 wird zudem durch Beimischung von Edelmetallen und Wasserstoff die Chemie des Reaktorwassers geändert, um die Korrosion zu reduzieren.

Erfolgreiche Revision

Am 10. August war das Kernkraftwerk für die jährlichen Revisionsarbeiten abgestellt worden. Gemäss BKW-Communiqué vom Montag verliefen die Arbeiten erfolgreich. Sämtliche Schutzziele seien erreicht worden. Das Personal habe 36 der 240 Brennelemente ausgewechselt und umfangreiche Instandhaltungsarbeiten sowie Anlageerneuerungen durchgeführt.

Die bei der Prüfung des Kernmantels entdeckten kurzen, vertikalen Anrisse entlang einer horizontalen Schweissnaht seien dem ENSI gemeldet worden. Das bestehende Prüfprogramm für den Kernmantel werde in der Jahresrevision 2015 mit einer Ultraschalluntersuchung weitergeführt. (sda)

(Erstellt: 08.09.2014, 12:50 Uhr)

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