Schweizer Arbeitslose sind finanziell weich gebettet

In Schweden, Dänemark, Holland und in der Schweiz sind Arbeitslose finanziell gut abgesichert. In in den USA und vor allem Grossbritannien trifft es sie viel härter.

Leistungen für Arbeitslose im Ländervergleich

Die Prognosen werden immer trüber. Inzwischen geht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich davon aus, dass die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr auf 5,8 Prozent steigen wird, was im Schnitt rund 240'000 Arbeitslosen entspricht. Damit erlebt die Schweiz schon bald die seit Jahrzehnten höchste Arbeitslosigkeit.

Dass der Ständerat in dieser Situation beschliesst, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung zu kürzen, lässt deshalb viele leer schlucken. Zwar sollen die beschlossenen Abstriche erst ab 2011 gelten, wenn die Wirtschaft Experten zufolge wieder anzieht. Zudem betreffen sie fast ausschliesslich Jüngere. Trotzdem fragen sich immer mehr Menschen, was es für sie finanziell bedeuten würde, den Job zu verlieren.

Schweiz in der Spitzengruppe

In anderern Ländern sind die Sorgen nicht kleiner, sondern in der Regel grösser. In der EU betrug die Arbeitslosenquote im April durchschnittlich 8,6 Prozent, während sie in der Schweiz bei 3,5 Prozent lag. Aber nicht nur das Risiko, arbeitslos zu werden, ist von Land zu Land unterschiedlich. Es ist auch nicht überall gleich einschneidend, die Stelle zu verlieren, zumindest finanziell.

Die Arbeitslosen in der Schweiz stehen im Vergleich sehr gut da. Die meisten Arbeitnehmer, die ihren Job verlieren, erhalten während anderthalb Jahren (400 Taggelder) 70 Prozent ihres Bruttolohns bzw. 80 Prozent, wenn sie für ein Kind sorgen. Finanziell ähnlich gut oder sogar noch besser abgesichert sind Arbeitslose in Dänemark, Holland und Schweden. Zusammen mit diesen Ländern schneidet die Schweiz auch bei den Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung gut ab.

Leistungen sind Teil der Arbeitsmarktpolitik

Die relativ grosszügigen Leistungen für Arbeitslose in der Schweiz, Dänemark und Holland sind Teil einer Arbeitsmarktpolitik, die ganz bewusst wenig reguliert und zum Beispiel nur einen schwachen Kündigungsschutz kennt, aber im Gegenzug bei Arbeitslosigkeit substanziell hilft – im Fachjargon heisst dieses Konzept «Flexicurity».

Wer in Deutschland seine Stelle verliert, erhält mindestens 12 Monate lang 60 Prozent des Nettolohns (mit Kindern 67 Prozent). Damit sind auch hier die Arbeitslosen finanziell relativ weich gebettet. Hart landen sie in Grossbritannien. Die Leistungen sind auf ein Dreivierteljahr begrenzt und mit 60 bis 90 Pfund pro Woche mickrig.

In den USA erhalten Arbeitslose zwar länger Unterstützung, aber die durchschnittlich 293 Dollar pro Woche reichen ebenfalls nicht zum Leben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2009, 06:57 Uhr

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24 Kommentare

Franz Herbert

19.06.2009, 11:27 Uhr
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@Sibylle Weiss: Die Schweiz ist nicht die kleine heile Welt, die durch das Öffnen von Grenzen kaputt gemacht wird. Die Welt verändert sich, schneller als früher und globaler als früher. Ob wir wollen oder nicht, wir sind ein Teil davon und wenn es uns damit gut geht, ist es uns allen sehr recht. Antworten


Hansueli Meili

11.06.2009, 09:03 Uhr
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Ich wurde im Ausland arbeitslos. Antwort vom RAV; wir exportieren keine Arbeitslosen Gelder. Obwohl ich waehrend 36 Jahren (und das nich zu wenig) einbezahlt hatte. Ich habe mich damit abgefunden, aber es ist eine Schweinerei, auch mir haette diese Unterstuetzung gut getan fuer mein Leben. Das ist Schweizerisches Gesetz, fuer alle Auslaender bezahlen wir, nur fuer die eigenen Buerger nicht. Antworten


Stefan Pilet

11.06.2009, 05:21 Uhr
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Die schweizerische Arbeitslosenquote scheint auf den ersten Blick niedriger als die durchschnittliche Quote der EU zu sein. Doch wo bleiben all die Ausgesteuerten - bis heute habe ich noch nie eine entsprechende Statistik darueber gesehen. Eine richtige Berechnung der Arbeitslosenquote muesste wohl alle Ausgesteuerten mitberuecksichtigen - alles nur Schoenfaerberei! Antworten


Martin Rieder

10.06.2009, 22:26 Uhr
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@alfredo geiros Sie sind mir ja ein lustiger. Wollen Sie uns hier echt weiss machen, 10'500.- CHF reichen nicht zum leben?? Was soll denn ein Büetzter sagen, der gerademal 80% von seinen 4'500 - 5'500 von der ALV bekommt und damit auch noch eine Familie versorgen muss?? Gehe recht in der Annahme, dass Sie noch nie wirklich kämpfen mussten auf dem Arbeitsmarkt? Antworten


Paul Güntert

10.06.2009, 21:20 Uhr
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Bei einem Vergleich mit Deutschland, dort immer 15% für die Krankenkasse, Plegeversicherung und Unfallversicherung hinzurechnen. Die ganze Familie ist in D gratis mitversichert. Gilt auch beim einem Rentenvergleich. Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes in Deutschland 12 - 24 Monate. Es kommt auf das Lebensalter an. Diese Fakten werden immer gerne übersehen. Antworten


Rene Wetter

10.06.2009, 17:21 Uhr
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@Stefan Jost: Innerhalb der Schweiz war schon immer PFZ, trotzdem haben gewisse Regionen 6% Arbeitslose gewisse aber nur 2%. In Deutschland gibt es Gebiete mit 6% aber auch solche mit 20%! Es gibt auch immer Leute, die glauben, wenn man die Leute gehörig unter Druck setzt, gibts viel weniger Arbeitslose, wenn keine Jobs da sind oder die Selektion bis 1/2 Jahr geht, gibts unweigerlich Arbeitslose! Antworten


Sibylle Weiss

10.06.2009, 15:57 Uhr
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Ob man es wahr haben will oder nicht. Das Grundübel liegt in der Weiterführung der PFZ sowie in der nicht wieder eingeführten Ventilklausel. Durch die Nichtwiedereinführung der Ventilklausel haben die Politiker schon für den Aufschwung vorgesorgt,sodass es völlig irrelevant ist,ob es wieder aufwärts geht oder nicht. Antworten


Michael Chaud

10.06.2009, 11:20 Uhr
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Die CH passt sich dem EU-Arbeitsmarkt an; die Sozialleistungen werden sich über kurz oder lang ebenfalls anpassen. So hört die mutwillige grenzüberschreitende Verschiebung auf, alle haben somit gleich viel zu erwarten. Dieses Ziel wird doch angestrebt - oder etwa doch nicht? Mir fällt auf, in der CH glaubt jeder (Nichtsparer) fest daran, dass bei uns die Moneten über Nacht vom Himmel fallen. Antworten


Laurel Aubert

10.06.2009, 10:58 Uhr
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Arbeitslos und weich fallen, das können nur Leute sagen, die noch nie arbeitslos waren. 70% des ursprünglichen Lohnes und das noch mit einer Obergrenze von ich glaube max achttausend Franken. Dabei Existenzängste und eine riesige Bürokratie und tausend Schikanen und schliesslich die absolut unfähigen Leute des RAV, die mehr verwalten als helfen. Eine wahre Katastrophe für jeden Einzelnen! Antworten


alfredo geiros

10.06.2009, 10:31 Uhr
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Es ist nicht korrekt, dass man 70 bzw. 80% vom Bruttolohn bekommt! Richtig ist, dass man 70 bzw. 80% vom max. ALV Beitrag bekommt. Und dieser liegt zur Zeit bei 10'500 CHF! Verdient man mehr als 10'500 CHF pro Monat, so wird gekürzt! Bitte auch nicht vergessen, dass alle Sozialbeiträge inklusive Steuern weiterhin anfallen! Auch muss man sich sehr kostspielig für NBU und Krankentagegelt versichern. Antworten


Ronnie König

10.06.2009, 10:03 Uhr
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ALV ist gut! Denn, wenn ich unverschuldet die Arbeit verliere, bin ich schon gestraft genug(unschuldig!). Warum kürzen? Nur kurz einbezahlen können? Mein Fehler? Da sag ich, es geht auch um Solidarität! Die fehlt heute sehr oft. Denn die Verschulder der Arbeitslosigkeit werden in der Regel nicht zur Kasse gebeten. Dafür haben sie fast steuerfrei ihren Bonus! Seht doch die Zusammenhänge! Antworten


Karl Klingler

10.06.2009, 09:59 Uhr
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Die ALV ist eine VERSICHERUNG, für die man PRÄMIEN bezahlt. Mit Sicherheit sind die Prämien in der Schweiz höher als in GB oder USA. Antworten


andi matata

10.06.2009, 09:56 Uhr
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Firmen werden ausgeblutet,der Gewinn wird abgezogen,das ist der Trend eines Grossteils der Betriebe. Kindern will man bei bringen; "spare in der Zeit,dann hast du in der Not ", im Geschäftsleben wird am (kleinen) Arbeitnehmer -zu erst- gespart. Es sind gewissenlose "Manager" und Betriebsinhaber die das Risiko an den Staat übergeben! Siehe Kurzarbeit, ist zu 90% die Vorstufe für Entlassungen. Antworten


Niklaus Steck

10.06.2009, 09:43 Uhr
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@ Furrer & Forler: Richtig! Statistiken werden wenn es um die Arbeitslosigkeit geht generell geschönt. Beispiel Deutschland: Wie was das mit den 1-Euro-Jobbern? Richtig, sind nicht in der Statistik aufgeführt. Unsere ausgesteuerten in der Schweiz lebenden Bürger auch nicht. Trotzdem: Uns Schweizern gehts - wenns um Bezug von Sozialleistungen geht - massiv besser als im grossen Rest der Welt. Antworten


Jenny Fink

10.06.2009, 09:19 Uhr
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Die Arbeitslosenversicherung ist eine gute Sache. Fragwürdig ist einzig, dass Erwerbstätige, die praktisch noch nichts eingezahlt haben, ein Mehrfaches erhalten. Weshalb wird bei der ALV nicht gleich gerechnet, wie bei der AHV? Würde diese Massnahme die Einstellung zur Arbeit und zum Arbeitsplatz evtl. sogar verändern? Antworten


René Bodenmann

10.06.2009, 09:07 Uhr
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Die Regierung soll es nicht wagen, diesen Zustand zu ändern. Schliesslich haben nicht die Arbeitenden Massen die Wirtschaft an den Rand des Ruins gebracht. Es wäre auch asozial die Banken zu stopfen und die Arbeiter dafür zu bestrafen. In dieses unwürdige Denken passen auch Sonderzonen für Reiche und die Pauschalsteuer. Bitte so nicht! Antworten


peter ess

10.06.2009, 09:01 Uhr
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Mein alter CH Arbeitgeber hat in den USA 42, in UK 10 und in der CH 0 Vakanzen per gestern auf 'meinem' Job. Fuer mich hatte es nach 30 Jahren keinen Platz mehr. Vorschreiber Jost und Furrer haben Recht. Zudem ist in UK und USA die Moeglichkeit von Gelegenheitsarbeiten viel eher als hier in die CH und auch fuer 45+ Jaehrige. Antworten


Richard Reto

10.06.2009, 09:00 Uhr
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Ich war vor 5 Jahren einige Monate arbeitslos und habe mich nicht gerade gut gebettet gefühlt. Wenn ende Monat 30% weniger auf dem Konto ist macht man keine grossen Sprünge mehr. Man kann davon leben - aber gut gebettet würd ich das nicht nennen. Antworten


Nadine Binsberger

10.06.2009, 08:50 Uhr
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Wenn die Nachfragen sinken, gibt es weniger zu tun. Das ist keine Katastrophe, sondern völlig logisch. Nur unser Umgang mit dieser Situation ist widersinnig: anstatt die daraus entstandene Freizeit und die Restarbeit gerecht zu verteilen, dürfen die einen gar nicht mehr arbeiten, während die anderen weiterhin sich die Seele aus dem Leib rackern. Einfach idiotisch für beide Seiten. Antworten


Tom Forler

10.06.2009, 08:38 Uhr
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Die Arbeitslosenquoten Schweiz - EU lassen keine seriösen Vergleiche zu: In der Schweizer Arbeitslosenstatistik tauchen Ausgesteuerte und Arbeitslose in Kursen/Programmen nicht auf, sonst läge sie auf EU-Niveau. Ausserdem wird die Arbeitslosenversicherung in der Schweiz ab 2012 verschärft. Antworten


Franz Aschwanden

10.06.2009, 08:25 Uhr
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Mir wird während meinem Erwerbsleben 40J. von der Politik und Wirtschaft vorgegauckelt wenn ich Arbeitslosengeld bezahle, mache ich das, dass ich in einem Krisenfall in etwa gleich weiterleben kann, Dann kommen die gleichen Politiker, Spekulanten usw., machen mich Arbeitslos, streiten das Recht ab mir die Vertraglich abgemachten Zahlungen zu leisten, soll ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben. Antworten


Ruedi Tschudi

10.06.2009, 08:14 Uhr
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Die CH hat nun einen gemeinsamen Arbeitsmarkt mit der EU. Die Arbeitslosenquote wird sich also an die der EU angleichen. Dann wird sich die CH sich diese komfortable ALV nicht mehr leisten können. (Schweden hat in Wirklichkeit eine Arbeitslosenquote von ca. 25 %. z. Bsp. IV-Quote: 13 % für Schweden im Erwerbsalter, mit einer der höchsten Lebesnerwartungen. Natürlich sind wir auch auf diesem Weg.) Antworten


Stefan Jost

10.06.2009, 07:41 Uhr
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Es ist eine zwangsläufige Folge der Personenfreizügigkeit, dass sich die Arbeitlosenquote in der Schweiz gegen das Niveau unserer Nachbarländer bewegt. Antworten


Abdul R. Furrer

10.06.2009, 06:53 Uhr
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Und wieder eine Statistik ohne jede Aussagekraft. Seriöse Vergleiche liessen sich nur anstellen, wenn Löhne und/oder Arbeitslosengelder in Relation zu den Lebenshaltungskosten der jeweiligen Länder gestellt würden. Antworten



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