Schweiz
Schweizer Fahrende fürchten sich vor ausgewiesenen Roma
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Roma haben in der Schweiz einen schlechten Ruf
Für Schlagzeilen sorgen Roma vor allem, wenn sie als Bettler und Einbruchtouristen auffallen. Die Volksgruppe leidet aber daran, dass Probleme verallgemeinert werden.
Im Tessin wurden in den vergangenen Wochen mehrere Roma festgenommen, die Einbrüche verübten oder Diebesgut bei sich hatten. Die Roma - unter ihnen mehrere minderjährige Mädchen - stammten aus einem Lager in der Nähe von Mailand. Ähnliche Vorfälle sind in der Region Basel seit mehreren Jahren mit Roma aus dem Elsass aktenkundig.
Für Aufsehen sorgte in den vergangenen Wochen auch der Anteil Roma unter den osteuropäischen Prostituierten und Zuhältern in Zürich. Genf hatte in den letzten Jahren versucht, bettelnde Roma mit Bussen, Lagerräumungen und Rückführungen aus der Stadt zu vertreiben - weitgehend erfolglos.
Aus solchen Beispielen dürfe man «nicht schliessen, dass die ganze Romabevölkerung bettelt oder kriminell ist», sagte Stéphane Laederich von der «Rroma Foundation» mit Sitz in Zug in einem Interview mit der «Basler Zeitung».
«In Wirklichkeit führen die allermeisten Roma ein ganz normales Leben: Sie arbeiten, schicken ihre Kinder zur Schule», sagte er. Roma - er geht von 50'000 bis 80'000 in der Schweiz aus - seien in allen Schichten vertreten. Viele bezeichneten sich aber nicht als Roma, weil sie Diskriminierungen befürchteten.
Auf die Frage, warum in der Schweiz keine Roma-Camps entstanden sind wie in Frankreich und Italien, sagte Laederich: «Es kamen viel weniger in die Schweiz: Rumänen bevorzugen Länder des lateinischen Sprachraums.» Auch nicht alle Bewohner solcher Lager seien Roma. Grundsätzlich handle es sich um ein «Problem der Armut und fehlender Arbeitsplätze» in der Heimat im Osten.
Das negative Bild der Roma in der Schweiz hatten unter anderem rechte Kreise im Vorfeld der Abstimmung über die Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien angeheizt. So warnte die SVP vor der Abstimmung Anfang 2009 von einer Masseneinwanderung der Roma.
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Weil Roma in die Schweiz ausweichen dürften, werden die heute schon knappen Plätze für Fahrende noch knapper. Die Schweizer Fahrenden fordern eine rasche Reaktion der Behörden.
Das Problem könnte im Frühling akut werden, sagte Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Interessenvertretung der Schweizer Fahrenden. «Wenn die Roma im Frühjahr ihre Winter-Standplätze in Frankreich verlassen, könnten mehrere Tausend von ihnen auch in die Schweiz reisen.»
Knapp 5000 Fahrende im Sommer
Zum Vergleich: In der Schweiz ziehen in den Sommermonaten 3000 bis 5000 Fahrende umher. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Jenische, die aus dem deutschen Sprachraum stammen. Die Radgenossenschaft schätzt die Zahl der Jenischen in der Schweiz auf rund 35'000 – die meisten unter ihnen sind sesshaft.
Im Gegensatz zu den Jenischen handelt es sich bei den Fahrenden aus Frankreich hauptsächlich um Roma. Sie sprechen die Sprache Romani oder Romanes und stammen ursprünglich aus Indien. Heute reisen sie vor allem aus Rumänien nach Westeuropa.
Huber räumt ein, dass es sich bei der Zahl möglicher Roma aus Frankreich um eine Schätzung handelt. Genaue Zahlen, wie viele Roma sich heute in der Schweiz befinden, liegen nicht vor. Schätzungen reichen von 30'000 bis 80'000. Die Volksgruppe werde so nicht erfasst, heisst es beim Bundesamt für Migration auf Anfrage. Hinweise auf Auffälligkeiten gebe es derzeit aber keine.
Chaos droht
Kommen zusätzliche Fahrende, verschärft sich das Platzproblem in der Schweiz. Schon heute gibt es zu wenige Durchgangsplätze: «Es wird zu einer Konkurrenz unter den Fahrenden kommen, wenn Roma tatsächlich in grosser Zahl in die Schweiz reisen», sagt Huber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.
Die Konkurrenz könne beispielsweise dazu führen, dass Schweizer Fahrende ihre Standplätze früher verlassen würden und damit ihre Kinder schon Ende Februar oder im März aus der Schule nähmen, sagt Huber. Deshalb fordert er die Behörden auf, das bereits lange bestehende Problem fehlender Durchgangsplätze anzugehen.
Es werde ein «Chaos» geben, wenn für die zu erwartenden Roma keine Sanitäranlagen und Abfallcontainer bereitstünden. «Die Behörden sollten alte Militäranlagen oder Chilbi-Plätze zur Verfügung stellen.» Dabei könne es sich auch um provisorische Einrichtungen handeln. Die Schweiz dürfe die Minderheit aber nicht ignorieren.
10 neue Plätze
Die Forderung nach neuen Plätzen ist nicht neu, sie erhält jedoch Aufwind, wenn sich die Roma-Problematik verschärft. In der Schweiz fehlen laut einem Bericht des Bundes aus dem Jahr 2006 fast 40 Durchgangsplätze. Zudem bräuchte es 10 grosse Plätze für ausländische Fahrende, die – wie die Roma – meist in grösseren Gruppen von bis zu 50 Gespannen unterwegs sind.
Allerdings haben es Vorhaben für neue Plätze schwer, im politischen Prozess zu bestehen. Grund dafür sind Vorurteile, aber auch schlechte Erfahrungen: Betreiber von Durchgangsplätzen berichten von Problemen mit ausländischen Fahrenden, wie der Bund in einem Bericht festhält. Vielerorts sind nur Schweizer und keine ausländischen Fahrenden zugelassen. (mrs/sda)
Erstellt: 21.09.2010, 06:22 Uhr
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