Schweiz
«Schweizer Intellektueller mit einem Draht zu Europa»
Von Jean-Martin Büttner, Bern. Aktualisiert am 10.12.2009 38 Kommentare
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- «Tamimi hat mit seinen Beschimpfungen alle Vorurteile bestätigt»
- Gesprächspartner beschimpft Freysinger als «neuen Hitler»
- «Die Islamisierung ist ein Faktum»
- Oskar Freysinger spricht auf Al-Jazeera zum Minarettverbot
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So schnell wird man zum Fachmann, der vor 60 Millionen Arabisch sprechenden Zuschauern auftritt. Oskar Freysinger, Walliser Nationalrat der SVP, hat sich als internationaler Kritiker des Islam profiliert. Er wird vom französischen «Figaro» porträtiert, streitet sich mit Journalisten des britischen «Guardian» und trat am Dienstagabend bei al-Jazeera, dem arabischen Nachrichtensender, zu einem Streitgespräch an, dem zweiten bereits.
Das Gespräch über das Schweizer Minarettverbot eskalierte von Beginn weg, was allerdings nicht an Oskar Freysinger lag, sondern an seinem Kontrahenten Azzam al-Tamimi. Der britisch-palästinensische Politaktivist ist ein regelmässiger Gast bei al-Jazeera und schreibt Meinungsbeiträge für den «Guardian». Im Gespräch verglich er Freysinger mehrmals mit Hitler. Freysinger: «Er sprach von einer zionistischen Verschwörung und behauptete, die Juden hätten Hitlers Aufstieg ermöglicht.» Der SVP-Mann blieb während der Debatte ruhig, was ihm auch von Journalisten aus Marokko, Tunesien, Kolumbien oder Russland attestiert wurde, die ihn anderntags kontaktierten. «Die einhellige Meinung war», sagt Freysinger zufrieden: «Hier wurde mir der rote Teppich ausgelegt.»
Auf den Eclat angesprochen, distanziert sich Tamer Aboalenin, der Schweizer Korrespondent von al-Jazeera, klar von Tamimis Äusserungen. Er bezeichnet diese als inakzeptabel: «Ich bin sehr enttäuscht.»
Der Kloakendichter aus dem Bundeshaus
So wirkt dann, im Vergleich zum Fanatiker, selbst ein so scharfer Politiker wie Oskar Freysinger besonnen. Weder seine neue Rolle noch die internationale Beachtung hätte sich der Mann mit dem Rossschwanz vor der Minarett-Initiative erhoffen können. In früheren Jahren war er wiederholt als Kloakendichter aufgefallen, der die Delegierten seiner SVP mit Versen beglückte, die seiner Faszination für anale Vorgänge plastisch Ausdruck verliehen. Als Dichter und Romanautor hatte der Gymnasiallehrer kurioserweise in Serbien Erfolg, zu Hause aber nicht.
Umso erfolgreicher hat sich der 49-jährige Familienvater in der Schweiz als Meinungsverbreiter der nationalistischen Rechten etabliert. Vor allem in den welschen Medien, die den mehrsprachigen Politiker immer wieder einluden, um die Haltung der SVP zu vertreten. Kein Deutschschweizer SVP-Politiker kommt im welschen Fernsehen und Radio mehr zu Wort als er, kein Wunder: Kaum einer spricht so gut Französisch.
Dabei geht Oskar Freysinger keiner Konfrontation aus dem Weg und verbreitet gut gelaunt scharfe Ansichten. Wer mit ihm redet, bekommt das Parteiprogramm in handlich zitierbaren Portionen verabreicht. Er spricht verständlich, polemisch, witzig und klar - der sprechende Parteiapparat mit dem Auftritt eines Dandys, ein idealer Gast für öffentliche Auftritte.
Einen «Schweizer Intellektuellen mit einem Draht zu Europa»
Da er zu den wenigen in seiner Partei gehört, die auch auf Englisch mit einem beachtlichen Vokabular operieren, konnte er sich in letzter Zeit international profilieren. Selbst der Schweizer Al-Jazeera-Korrespondent nennt ihn einen «Schweizer Intellektuellen mit einem Draht zu Europa». Bereits vor der Abstimmung zur Minarett-Initiative hatte Tamer Aboalenin ihn einmal befragt. Zwei Tage nach dem Urnengang führte Freysinger das erste Streitgespräch bei al-Jazeera und am Dienstagabend das zweite. Dabei wurde er, ein demokratisch gewählter Parlamentarier, von einem Extremisten öffentlich als Massenmörder beschimpft. Und blieb ruhig.
«In der‹Arena›», sagt Freysinger, «hätte ich Tamimi auseinandergenommen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.12.2009, 14:49 Uhr
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38 Kommentare
Ich hoffe schwer, dass 'Intellektueller', weil zynisch gemeint, in Gänsefüsschen steht. Sonst empfehle ich jedem die 'Inside Story' auf Al-Jazeera anzuschaun! Eine schwierige Zeit, sich stolz 'Schweizer' zu nennen! Zum Glück haben wir noch unsere multi-kulti WM-Fussball-Asse... Antworten
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