Schweizer Spitäler bauen für 15 Milliarden Franken

Viele Gebäude sind baufällig oder genügen heutigen Ansprüchen nicht mehr. Auch der Wettbewerb um Patienten befeuert die Bautätigkeit.

Klotzen statt Kleckern: Visualisierung geplanter Neubauten des Universitätsspitals Zürich. Foto: Keystone

Klotzen statt Kleckern: Visualisierung geplanter Neubauten des Universitätsspitals Zürich. Foto: Keystone

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Auf 2,8 Milliarden Franken ist der Bau einer zweiten Röhre für den Gotthard-Strassentunnel inklusive Sanierung der alten veranschlagt. 18,2 Milliarden Franken wird die Neat gekostet haben, wenn sie 2019 mit dem Ceneri-Basistunnel fertiggestellt ist.

Deutlich über dem Preis der zweiten Röhre, aber noch unter jenem der Neat bewegen sich die Kosten, die durch die Erneuerung der Schweizer Spitalinfrastruktur in den nächsten Jahren verursacht werden: 13,9 Milliarden Franken sind nach einer Erhebung des Branchenportals Medinside derzeit für Spitalbauten verplant. Zusammen mit noch nicht budgetierten Kosten ergeben sind nach der Schätzung von Medinside Baukosten von rund 15 Milliarden Franken für die nächsten 15 Jahre.

Vornehmlich Neubauten

Ein grosser Teil der Baukosten entfällt auf die beiden bevölkerungsreichsten Kantone, die gleichzeitig auch Standorte von Universitätsspitälern sind. Alleine das Universitätsspital Zürich will für 2,1 Milliarden Franken bauen; rund 4 Milliarden sind für den ganzen Kanton veranschlagt. In Bern sind es 1,2 Milliarden, wovon 750 Millionen auf das Inselspital entfallen. Es sind aber auch viele kleine Spitäler, die bauen. Im Kanton St. Gallen planen die Spitäler Altstätten, Wattwil und Grabs sowie das Linth-Spital für je rund 100 Millionen Franken einen Neubau. In Bern bauen Aarberg, Biel, Burgdorf, Interlaken, Frutigen, Langenthal und Zweisimmen.

Der Bauschub kommt nicht von ungefähr. Viele Spitäler wurden in den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren erstellt. Entsprechend baufällig sind viele Gebäude. ­Zudem sind die Ansprüche heute höher: «In einen Operationssaal von 1960 passen die heutigen Instrumente nicht mehr hinein», sagt Martin Bienlein vom Spitalverband H+.

Beim grössten Teil der Bauvorhaben handelt es sich um Neubauten. Zuweilen ergänzen diese die bestehenden Gebäude, oft ersetzen sie diese aber auch ganz. Das Spital Limmattal in Schlieren etwa hat sich für einen kompletten Neubau entschieden. Das alte Gebäude bleibt in Betrieb, bis das neue fertig­gestellt ist und wird dann abgerissen.

Angefeuert wird die Bautätigkeit der Spitäler vom steigenden Kosten- und Konkurrenzdruck. Obwohl oft in öffentlicher Hand, müssen die Spitäler eigenständig wirtschaften und ihre Kosten sowie ihre Investitionen zu einem grossen Teil durch die Einnahmen aus den vorgegebenen Fallpauschalen decken. Das gelingt nicht allen Spitälern gleich gut.

«Die Margen der Mehrheit der Spitäler sind zurzeit nicht hoch genug, um nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich zu sein», sagt Philip Sommer von der PWC Schweiz. Laut einer gestern veröffentlichten Studie der Unternehmensbe­ratungsfirma betrug die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 2014 der Schweizer Spitäler im Median 6,4 Prozent. Als nötig erachtet die PWC rund 10 Prozent. Von 28 untersuchten Spitälern wiesen zudem acht einen Verlust aus.

Um finanziell besser dazustehen, wählen viele Spitäler nun die Flucht nach vorne. Neue Angebote, eine ­bessere Infrastruktur und optimierte Betriebsabläufe sollen das Ergebnis verbessern. «Um im intensiver werdenden Wettbewerb mithalten zu können, werden heute hohe Summen investiert», erklärt Sommer. Erleichtert wird den Spitälern der Entscheid zu den Investition durch die historisch tiefen Zinsen.

Alte Gebäude, Konkurrenzdruck und die tiefen Zinsen treiben die Spitäler also zu Neubauten an – obwohl die meisten Kantone derzeit sparen wollen. Dies erklärt sich dadurch, dass die Spitäler seit 2012 für ihre Investitionen selber verantwortlich sind. Wenn alles gut läuft, holen Sie die Zinskosten auch ­wieder herein.

Auslastung als Fragezeichen

Möglich ist aber auch, dass sich der eine oder andere Bau als Fehlinvestition erweist. Er erwarte weitere Spitalzusammenschlüsse und einen Umbau gewisser weniger zentral gelegener Spitäler zu ambulanten Einrichtungen, sagt Sommer. Die Zahl der Spitäler muss dadurch nicht unbedingt abnehmen, doch stellt sich auch die Frage, wie gut die heutigen Neubauten ausgelastet sein werden und wie gut sie für spätere Umnutzungen ­geeignet sind. «Es wird sich zeigen, ob sich alle diese Investitionen rechnen werden», sagt Sommer.

Gebaut wird derzeit auch in Burgdorf. Ein Neubau soll den bestehenden und renovierten Spitalbau ergänzen. Angst, ein Überangebot zu schaffen, hat man beim Spital Emmental mit Standorten in Burgdorf und Langnau nicht. Heute stösst das Spital bei den Patientenzahlen an seine Grenzen. «Verglichen mit ur­banen Gebieten ist das Emmental mit Spitalbetten eher unterversorgt», sagt Francesca Heiniger vom Spital Emmental. Deshalb rechne man auch nicht damit, ein Überangebot zu schaffen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.02.2016, 22:14 Uhr)

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