Schweizer spenden knapp 21 Millionen Franken
Einzahlen für Haiti: Bei der Glückskette läuft das Telefon heiss.
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So wird gespendet
Am nationalen Sammeltag können Sie auf verschiedene Arten der Glückskette Spenden für die Erdbebenopfer in Haiti zukommen lassen.
Gratis-Spendetelefon
von 6 bis 24 Uhr
0800 87 07 07
Online
www.glueckskette.ch
Direkt an jedem Postschalter
PK 10-15000-6 Vermerk «Haiti»
Handy-Spende
Für registrierte Postkonto-Inhaber mit Vermerk «Haiti» und Betrag an die Kurznummer 363. Beispiel: Haiti 50 an 363
20,828 Millionen Franken an Spendenzusagen für die Menschen in Haiti sind am nationalen Sammeltag bis Mitternacht bei der Glückskette eingegangen. Mit den 4,4 Millionen, die schon vorher bei der Glückskette eingegangen waren, stehen nun 25,2 Millionen Franken für Hilfe bereit. Glücksketten-Sprecher Roland Jeanneret zeigte sich sehr zufrieden über den Verlauf des Spendetags.
Die 120 Telefonleitungen waren praktisch immer besetzt. Am Nachmittag nahmen auch Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer und Bundesrätin Micheline Calmy-Rey im Radiostudio DRS in Bern während einer halben Stunde Spendeanrufe entgegen. Die Aussenministerin habe mehr als 2000 Franken eingenommen, sagte Jeanneret.
Persönliche Betroffenheit
Im Vergleich mit anderen nationalen Sammeltagen drückten die Spenderinnen und Spender am Telefon vermehrt ihre persönliche Betroffenheit die Lage in Haiti aus aus. Auch Spendenzusagen per Fax seien häufig mit einer persönlichen Zeichnung versehen.
Dabei komme eine gewisse Dankbarkeit über die Lebensqualität in der Schweiz zum Ausdruck: «Ich mache das, weil es uns hier so gut geht», begründeten laut Jeanneret viele Anrufer ihre Spende.
Grösster Teil für Wiederaufbau
10 bis 15 Prozent der Spenden werde für Soforthilfe eingesetzt, 70 bis 80 Prozent für den Wiederaufbau. Hinzu kommen 10 bis 15 Prozent für spätere, nachhaltige Hilfe. Dies seien der letzten 10 Jahren, sagte Jeanneret.
Der Spendeaufruf für Haiti erfolgte in Zusammenarbeit mit 16 Partnerhilfswerken. Dazu gehören unter anderem das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) sowie Ärzte ohne Grenzen (MSF).
Im Januar 2005 waren am nationalen Sammeltag der Glückskette zum Tsunami in Asien insgesamt 62 Millionen Franken an Spendenzusagen gemacht worden.
Uno ist zufrieden
Auch die Uno zeigte sich in Genf erfreut über die Spendensituation. Etwa 500 Millionen Franken seien bereits bezahlt worden und rund eine Milliarde Franken sei versprochen.
Dazu trug auch die Schweiz bei: Sie stellte der Uno und mehreren Hilfsorganisationen bisher 7,5 Millionen Franken sowie einen Transporthelikopter zur Verfügung, wie das Aussendepartement mitteilte. Am Sonntag soll zudem ein drittes Flugzeug mit Hilfsgütern starten. Rund 50 Schweizer sind mittlerweile im Katastrophengebiet im Einsatz.
Anfangsprobleme überwunden
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich neun Tage nach der Katastrophe mehr und mehr zuversichtlich. Die Anfangsprobleme seien überwunden. «Mittlerweile haben wir ein sehr effektives System aufgebaut», sagte er in New York nach einem Gottesdienst für die zehntausenden Toten in Haiti.
«Wir haben an Land fünf Transport-Routen aufgebaut und die Flughafenkapazität erhöht.» Mittlerweile stehe den Helfern auch der Seeweg offen.
Die Nothilfe beginne die Opfer nun zu erreichen, erklärte auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). Zudem scheine in Port-au-Prince «trotz all des Schmerzes, all der Not und all des Chaos wieder so etwas wie Normalität einzukehren», wird der IKRK- Sprecher in Haiti in einer Mitteilung zitiert.
Allerdings sei die humanitäre Lage weiterhin äusserst schwierig. Die Hunderttausenden, die in den Strassen von Port-au-Prince lebten, hätte immer noch keine Aussicht auf Unterkunft und Hilfe.
Auch die medizinische Versorgung ist immer noch prekär. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte mit, es gebe so viele Patienten, dass zahlreiche erst in zehn bis zwölf Tagen behandelt werden könnten. Einige seien bereits an Blutvergiftungen gestorben, weil ihre Wunden nicht desinfiziert worden seien.
Noch Überlebende gefunden
Immer noch fanden Retter Lebende unter den Trümmern. In Port-au- Prince zogen Nachbarn ein elfjähriges Mädchen aus einem zerstörten Haus. In einem anderen Stadtteil wurde ein Fünfjähriger aus den Trümmern gerettet. Erst am Dienstag hatten Retter zwei Frauen und ein Baby lebend gefunden.
Nach Uno-Angaben wurden seit dem Beben mehr als 120 Überlebende gerettet. Mehr als 1800 Retter waren mit über 160 Suchhunden weiter im Einsatz. Erste Suchmannschaften stellten ihre Arbeit jedoch ein, weil kaum noch Hoffnung besteht.
Keine Fremdherrschaft
Derweil verstärken die USA ihre Präsenz in Haiti. Laut CNN will das Land weitere 4000 Soldaten entsenden. Dies würde die Zahl der Amerikaner auf mehr als 15'000 erhöhen.
Dass Haiti damit unter Fremdherrschaft stehe, dementierten Ministerpräsident Jean-Max Bellerive und Staatschef René Préval heftig. Die US-Truppen seien «auf unsere Bitte» im Land und «nur, um uns in humanitären Dingen und Sicherheitsangelegenheiten zu helfen», sagte Bellerive dem Radiosender RTL. Kritik war zuvor aus Venezuela und Bolivien gekommen. (bru/cpm/sda)
Erstellt: 22.01.2010, 06:10 Uhr
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