Schweizer spenden (noch) viel

Trotz Wirtschaftskrise zeigen sich die Schweizer vor Weihnachten solidarisch: Viele Private spenden gerade in schwierigen Zeiten, wie eine AP-Umfrage bei Hilfswerken zeigte.

Wirtschaftlich schwierige Zeiten schlagen sich nicht eins zu eins auf das Spenden durch.

Wirtschaftlich schwierige Zeiten schlagen sich nicht eins zu eins auf das Spenden durch.
Bild: Keystone

Bei den Zuwendungen von Grossgönnern und Stiftungen könnte es aber im kommenden Jahr zu einem Rückgang kommen.

Die Spendenkampagnen der Hilfswerke laufen um die Festtage auf Hochtouren. Gerade vor Weihnachten denken viele Menschen intensiver an jene, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, wie Odilo Noti, Leiter Kommunikation beim Hilfswerk Caritas und Präsident des Verbandes Swissfundraising berichtet. Die Solidarität sei für eine Mehrheit der Spender eine entscheidende Motivation. «Spenden ist eine Art Werthaltung, die fährt man in Zeiten der Rezession nicht einfach zurück wie den Konsum», sagte Noti.

Wirtschaftlich schwierige Zeiten würden sich nicht eins zu eins aufs Spenden durchschlagen, stellte auch Martina Ziegerer fest, Geschäftsleiterin der Stiftung Zewo, der Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen. Im Gegenteil: «Die Leute sind vielfach zugänglicher fürs Spenden.» Anders dürfte es dagegen bei den institutionellen Spendern aussehen: «Ich kann mir vorstellen, dass beispielsweise Firmen zurückhaltender werden», sagt Ziegerer. Die Bedeutung der Gross- und Firmenspenden und der Legate ist in den letzten Jahren gegenüber den Spenden von privaten Haushalten gewachsen, wie der neusten Statistik der Zewo zu entnehmen ist.

Trotz Krise noch kein Spendenrückgang

Weil viele Unternehmen die Budgets für das laufende Jahr bereits gemacht haben, rechnet Christoph Degen, Geschäftsführer von proFonds, dem Dachverband gemeinnütziger Stiftungen in der Schweiz, noch nicht mit einem Rückgang der Spenden. Im kommenden Jahr könne sich die Krise aber durchschlagen. Auch bei Förderbeiträgen von Stiftungen könnte es laut Degen zu einem Rückgang kommen. «Wenn die Stiftungen keine Zinsen und Kursgewinne mehr erzielen, kürzen einige ihre Budgets», erklärte Degen. Er plädiert für ein antizyklisches Verhalten: «In schwierigen Zeiten müssten Stiftungen doch erst recht Vergabungen machen und ihr Kapital in guten Zeiten wieder anheben.» Schätzungen gehen laut Degen davon aus, dass Stiftungen in der Schweiz jährlich zwischen einer und 1,5 Milliarden Franken ausschütten.

Auch bei der Umweltorganisation WWF rechnet man im Mitgliederbereich und bei den Spenden der Privatpersonen nicht mit einem Rückgang. Nur bei den Grossgönnern und den Stiftungen orte man gewisse Risiken, sagte WWF-Sprecher Fredi Lüthin. Mitglieder und Spender machen rund 60, Grossgönner und Stiftungen rund 15 Prozent der Einnahmen des WWF aus. Zur Zeit sehe es allerdings sehr gut aus. Der WWF blicke auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück, sagt Lüthin. So erhöhten sich die Spendeneinnahmen gegenüber Vorjahr um 2,7 Millionen auf 36,1 Millionen Franken. Die grosse Mitgliedererneuerungswelle finde aber jeweils im Februar statt.

Solidaritätsgedanke in der Schweiz ist stark

Trotz Finanzkrise hat das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) bis Mitte November dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr die Spendenerträge um einen Achtel steigern können. Auch bei den Spenden von Unternehmen habe man ein Plus von 20 Prozent verzeichnet, erklärt SRK-Sprecher Beat Wagner. Bei der Heilsarmee, die auch in diesem Jahr an rund 40 Orten in der Deutsch- und der Westschweiz mit den Sammeltöpfen präsent ist, spürt man bisher keine Auswirkungen der Finanzkrise. Der Solidaritätsgedanke in der Schweiz sei sehr stark, sagt Heilsarmee-Sprecher Pierre Reift. Das sei im Ausland, beispielsweise in den USA anders, wo sich die schlechte Wirtschaftslage direkt auf die Spendeneinnahmen auswirke.

«Entweder die Leute sagen 'Jetzt erst recht' oder sie sind zurückhaltend», erklärte Regina Hunziker, Zentralsekretärin der Winterhilfe Schweiz. Natürlich sei es schwierig, vor diesem Hintergrund zu planen. Allerdings habe man gewisse Reserven, auf die man allenfalls zurückgreifen könnte, sagte Hunziker. (mbr/ap)

Erstellt: 21.12.2008, 11:51 Uhr

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