Schweiz

«Sexualität ist primär eine Gewissensfrage jedes Einzelnen»

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 25.11.2010 11 Kommentare

Der neue Bischof von Basel betont, dass es innerhalb der Kirche viele Freiheiten gebe. Und er begrüsst die Lockerung des Kondomverbots durch den Papst.

«Die Kirche ist ein Global Player»: Der jüngste Bischof der Schweiz, Felix Gmür, drückt sich modern aus.

«Die Kirche ist ein Global Player»: Der jüngste Bischof der Schweiz, Felix Gmür, drückt sich modern aus.
Bild: Keystone

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Das Bistum Basel ist mit zehn Kantonen und 1,1 Millionen Katholiken die grösste der sechs Diözesen der Schweiz. Während der Reformation musste der Bischofssitz in Basel aufgehoben und nach Pruntrut verlegt werden. 1828 schloss der Heilige Stuhl mit den Bistumskantonen ein Konkordat. Aufgrund dieses völkerrechtlichen Vertrags wurde der Bischofssitz nach Solothurn verlegt. Von hier wird auch der neue Bischof Felix Gmür sein Bistum leiten. Ihm zur Seite stehen die beiden Weihbischöfe Denis Theurillat und Martin Gächter.(mm.)

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Sie sind 44-jährig, das Rücktrittsaltereines Bischofs liegt bei 75 Jahren. Ihnen stehen 31 Amtsjahre bevor.
Wenn ich daran dächte, 31 Jahre im Amt zu bleiben, hätte ich es kaum angenommen. Ich nehme das Leben, wie es kommt.

Sie müssen nun im Bistum Basel die Linie Roms durchsetzen. Wie wollen Sie das schaffen?
Es geht nicht um die Linie Roms, sondern um die Linie der Bibel. Wir haben eine Message zu verkünden, und das ist die Message von Jesus Christus. Wir verkünden sie in kirchlichen Strukturen. Im Bistum Basel gibt es innerhalb dieser Strukturen viele Freiheiten.

Was für Freiheiten?
Laientheologen sollen zum Beispiel weiterhin predigen können, wenn kein geeigneter Priester da ist. Es ist wichtiger, dass das Wort Gottes verkündet wird, als dass es verkündet wird von jemandem, der nicht da ist.

Das ist gemäss römischer Lehre nicht erlaubt.
Der Papst hat den Schweizer Bischöfen zugesagt, für die besondere Situation in der Schweiz brauche es besondere Lösungen. Deshalb halten wir an den Laientheologen fest.

Werden Sie sich als Bischof eines fortschrittlichen Bistums für Reformen in der Weltkirche einsetzen?
Ich werde die Bedürfnisse unseres Bistums einbringen, möchte aber keine falschen Hoffnungen wecken. Wir müssen in der Schweiz auch wieder lernen, solidarischer mit der Weltkirche zu sein. Wir sind nicht der Nabel der Welt.

Immer mehr Leute wenden sich von der Kirche ab. Wollen Sie diese zurückgewinnen, oder bevorzugen Sie eine kleinere Zahl, die sich dafür streng an die Lehre hält?
Jeder Kirchenaustritt ist ein schmerzlicher Verlust. Es sollen möglichst viele Menschen in der Kirche aktiv sein. Die Botschaft Jesu ist eine Botschaft für alle Menschen.

Was wollen Sie gegen den dramatischen Priestermangel tun?
Wenn ich ein Patentrezept hätte, wäre ich nicht hier – sondern in Rom, und ich würde Konzepte in alle Welt versenden. Ich habe aber keine Lösung. Die Hauptsache ist sicher, dass die Priester gute Vorbilder sind.

Nicht alle Priester sind Vorbilder. Die Kirche wurde weltweit durch sexuelle Missbräuche erschüttert.
Jeder Missbrauch ist unerträglich und ein Skandal. Es muss alles unternommen werden, damit dies nicht geschehen kann. Absolute Transparenz und Nulltoleranz sind gefordert.

Ist nicht der Zölibat der Hauptgrund für den Priestermangel?
Heute ist die Berufung zum Zölibat mit der Berufung zum Priestertum gekoppelt. Die Kirche muss sich überlegen, ob dies notwendigerweise so sein muss. Ich bin nicht dieser Ansicht – obwohl das Zölibat die richtige Lebensform für mich ist. So bin ich frei für meine Aufgabe.

Der Papst hat eben den Gebrauch des Kondoms in gewissen Fällen erlaubt. Was sagen Sie dazu?
Sexualität ist primär eine Gewissensfrage jedes einzelnen Menschen. Ich begrüsse die Äusserung des Papstes. Sie ist sehr lebenspraktisch.

Die umstrittenen Churer Bischöfe Vitus Huonder und Marian Eleganti stossen auf Ablehnung. Was sagen Sie zur Situation im Bistum Chur?
Als Generalsekretär der Bischofskonferenz habe ich alle Bischöfe kennen gelernt. Ich habe festgestellt, dass praktisch alle dieselben Sorgen haben. Aber nicht alle haben dieselbe Herangehensweise an die Probleme. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.11.2010, 21:47 Uhr

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11 Kommentare

James Kairos

25.11.2010, 08:52 Uhr
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" Sexualität ist primär eine Gewissensfrage jedes einzelnen Menschen ", sagt Herr Gmür. Allein dieser Ausspruch illustriert, warum die katholische Kirche so weltfremd ist. Nein, Herr Gmür, Sexualität basiert auf Liebe und Gefühl, Gewissen dagegen hat mit Ethik und Moral zu tun. Warum soll Sexualität unmoralisch/ nicht ethisch sein? Antworten


René Meier

25.11.2010, 10:02 Uhr
Melden

Der Tessiner Regierungsrat Herr Pedrazzini möchte ja neuerdings Sexualität einer Bewilligungspflicht unterstellen, oder ? Antworten



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