Sexuelle Belästigung: Abt von Disentis schaltet Polizei ein
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Das Kloster Disentis hat nach dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Schülers durch einen Mönch die Polizei eingeschaltet. Von dem in der jüngsten Ausgabe der Zeitung «Südostschweiz am Sonntag» geschilderten Fall hätten die Vorgesetzten des Klosters bisher keine Kenntnis gehabt, schreibt Abt Daniel Schönbächler in einer auf der Internetseite der Klosterschule Disentis veröffentlichten Stellungnahme.
Die Vorgesetzten des Klosters hätten unverzüglich polizeiliche Meldung erstattet. Es liege der Klostergemeinschaft Disentis sehr daran, Fälle von Missbrauch aufzuklären und den Opfern Hilfe zu bieten, heisst es in der Stellungnahme weiter. Wenn Übergriffe geschehen seien, bedauere man dies zutiefst. Betroffene werden aufgefordert und ermutigt, einschlägige Fälle an eine Anlaufstelle zu melden.
Das Kloster habe die Polizei über den Vorwurf orientiert, aber keine eigentliche Anzeige erstattet, sagte Thomas Hobi, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden, am Montag auf Anfrage zu einer Stellungnahme auf der Hompage des Klosters Disentis. Um aktiv werden zu können und ein Verfahren einzuleiten, brauche es eine offizielle Anzeige entweder durch das Kloster oder den betroffenen ehemaligen Schüler.
Psychologin spricht mit Schülern
Der Abt erinnerte weiter daran, dass sich das Kloster an die 2002 erlassenen Richtlinien der Schweizer Diözesen betreffend Übergriffe in der Seelsorge halte. Im Sinne der Prävention würden seit 2004 im Kloster Disentis und in der Kongregation mit externen Fachleuten Weiterbildungen gemacht.
Eine von Kloster und Schulleitung unabhängige Psychologin steht Schülerinnen und Schülern in regelmässigen Sprechstunden zur Verfügung. Das Gymnasium nimmt seit 1972 auch Mädchen auf. Seit 2005 hat eine Frau die Gesamtleitung des Internats.
«Nicht mehr Fälle, aber mehr Anzeigen»
Je mehr in den Medien von pädophilen Priestern gesprochen werde, desto mehr Anzeigen von Opfern gebe es. Dies stellt Adrian von Kaenel, Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe» der katholischen Kirche in der Schweiz, fest.
Er habe aber nicht den Eindruck, dass die Zahl der Missbrauchsfälle steige, sagte von Kaenel in einem Interview mit der Zeitung «Le Matin» vom Montag. Insgesamt neun Fälle seien seinem Gremium unterbreitet worden. Dieses besteht seit 2002 und wird seither vom kirchenunabhängigen Juristen von Kaenel präsidiert.
«Grosse Probleme» bei den Beweisen
«Unser Gremium hat keine Kompetenzen», sagte von Kaenel weiter. «Wenn wir aber Beweise haben, wird der betreffende Priester seinen Posten verlassen müssen.» Allerdings gebe es bei den Beweisen «grosse Probleme» - etwa wenn das Opfer anonym bleiben wolle und der angeschuldigte Priester alles abstreite.
Die Erfahrung zeige, dass viele Opfer anonym bleiben wollten und deshalb auch keine Anzeige erstatten würden, sagte von Kaenel. «Systematisches Anzeigen durch die Kirche wäre zwar besser für deren Ruf, aber schlechter für die Opfer.» Bei der Schweizer Bischofskonferenz seien in den vergangenen 15 Jahren insgesamt 60 Meldungen von Missbrauchsfällen eingegangen. (vin/ddp/sda)
Erstellt: 22.03.2010, 17:07 Uhr
































