Missbrauchsvorwurf: Thurgauer Pfarrer verhaftet
Schwierige Zeiten: Die katholische Kirche der Gemeinde Aadorf.
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Die Affäre um sexuelle Übergriffe durch Kirchenvertreter hat auch zum Wochenbeginn weitere Kreise gezogen. Es wurden neue Fälle in Aadorf TG und Disentis GR bekannt. Das Kloster Einsiedeln reagiert mit der Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission.
Diese soll Vorfälle von sexuellen Übergriffen aufarbeiten und untersuchen, wer bei welchen Verstössen involviert war, ob und von wem Anzeigen gemacht wurden und wie die Verfahren verliefen. Die Klostergemeinschaft betrachte dieses Aufarbeitung als dringliche Aufgabe und Herausforderung, teilte das Kloster Einsiedeln am Montag mit.
Man wolle Verantwortung übernehmen und für Geschehenes gerade stehen, hiess es weiter. In seiner Predigt vom Sonntag hatte Abt Martin Werlen die Opfer von Übergriffen ermutigt, Anzeige zu erstatten. Und er forderte alle Mitbrüder auf, allenfalls begangene Übergriffe zu melden.
Keine Anzeige erstattet
Derweil wurden weitere Fälle bekannt. Einer betrifft das Kloster Disentis GR, wo sich ein Mönch an einem Klosterschüler vergangen haben soll. Das Kloster orientierte wohl die Polizei darüber, erstattete aber keine Anzeige, wie es am Montag bei der Kantonspolizei Graubünden hiess. Damit wurde auch kein Verfahren eingeleitet.
Wie Abt Daniel Schönbächler in der Stellungnahme schrieb, hatte die Klosterleitung von dem am Wochenende durch die Zeitung «Die Südostschweiz am Sonntag» publizierten Fall angeblicher sexueller Annäherungsversuche Anfang der achtziger Jahre bisher keine Kenntnis.
Hingegen läuft gegen den katholischen Pfarrer von Aadorf TG eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts auf Handlungen gegen die sexuelle Integrität. Das Thurgauer Untersuchungsrichteramt liess den Pfarrer am Freitag polizeilich vorführen und beantragte Untersuchungshaft, wie die Kantonspolizei am Montag mitteilte.
Erste Ermittlungen hätten zumindest den Verdacht auf ein Verhalten im Grenzbereich von möglichen strafbaren Handlungen des Mannes ergeben, so die Polizei. Bischof Kurt Koch hat den betroffenen Pfarrer inzwischen von allen Verpflichtungen und Verantwortungen freigestellt, wie das Bistum Basel am Montagabend mitteilte.
Mehr Publizität gleich mehr Anzeigen
Die Häufung der zuletzt aufgedeckten Verdachtsfälle ist nicht zufällig. Je mehr in den Medien von pädophilen Priestern gesprochen werde, desto mehr Anzeigen von Opfern gebe es, stellt Adrian von Kaenel, Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe» der katholischen Kirche in der Schweiz, fest.
Er habe aber nicht den Eindruck, dass die Zahl der Missbrauchsfälle steige, sagte von Kaenel in einem Interview mit der Zeitung «Le Matin» vom Montag. Insgesamt neun Fälle seien seinem Gremium unterbreitet worden. Dieses besteht seit 2002. Bei der Schweizer Bischofskonferenz seien in den vergangenen 15 Jahren insgesamt 60 Meldungen von Missbrauchsfällen eingegangen. (jak/bru/sda/ddp)
Erstellt: 22.03.2010, 17:36 Uhr
































