So häufig gehen Schweizer abstimmen

Eine neue Studie der Universität Genf hat das Abstimmungsverhalten der Eidgenossen untersucht – und Erstaunliches herausgefunden.

Über fünf Jahre stimmen neun von zehn Schweizern mindestens einmal ab: Urne in Obersaxen GR. (Archivbild)

Über fünf Jahre stimmen neun von zehn Schweizern mindestens einmal ab: Urne in Obersaxen GR. (Archivbild) Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Neun von zehn Schweizer Stimmbürgern und Stimmbürgerinnen gehen zumindest ab und zu an die Urne. Der Anteil an Politikverdrossenen ist damit relativ gering, wie eine neue Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es nur wenige «Musterdemokraten», die immer abstimmen gehen.

«Die Schweizer und Schweizerinnen gehen relativ regelmässig an die Urne», sagte Studienautor Simon Lanz in der Sendung «Heute Morgen» von Radio SRF 1. Das Bild von der Schweiz als Land mit tiefer Stimmbeteiligung müsse revidiert werden.

Zwar lag die Stimmbeteiligung bei den eidgenössischen Abstimmungen vergangenes Jahr gemäss Bundesamt für Statistik nur bei knapp 43 Prozent. «Wenn wir zwanzig Abstimmungen betrachten, gehen aber über 90 Prozent mindestens einmal an die Urne», sagte Lanz. Über fünf Jahre gesehen, gebe es also nur 10 Prozent, die kein einziges Mal abstimmten.

«Sie sind mobilisierbar»

Die Politologen legen die Latte allerdings tief – einmal in fünf Jahren an die Urne zu gehen, ist sehr wenig. Doch es zeige, dass diese Stimmbürger nicht komplett politikverdrossen seien, sagte Lanz. «Sie sind mobilisierbar und gehen von Zeit zu Zeit – auch wenn das nur ganz selten ist – an die Urne.»

Gleichzeitig gibt es laut der Studie nur wenige Schweizer, die immer abstimmen gehen. Die Mehrheit hingegen nimmt an gewissen Abstimmungen teil und an anderen nicht. Diese Gruppe umfasse Junge und Alte sowie Frauen und Männer gleichermassen, schreiben die Politologen von der Universität Genf in einer Kurzfassung ihrer Studie auf dem Onlineportal «De Facto».

Tendenziell haben diese sogenannt «selektiv Teilnehmenden» ein geringeres Interesse an Politik, keine Parteipräferenz und eher wenig politisches Wissen. Ihr politisches Profil ähnelt damit den Abstinenten, wie die Politologen schreiben.

Wenig komplett Verdrossene, wenig Musterdemokraten

Laut Lanz wird diese Gruppe stark durch einzelne Kampagnen beeinflusst. «Wenn eine Kampagne intensiv und die Themen sehr eingängig sind, dann sind die selektiv Teilnehmenden sehr stark mobilisiert und gehen überdurchschnittlich an die Urne», sagte Lanz. Als Beispiel nannte er die Asylpolitik.

Dass es in der Schweiz relativ wenig komplett Politikverdrossene und gleichzeitig auch nur wenige Musterdemokraten gebe, seien nicht zwingend schlechte Neuigkeiten, schreiben die Politologen. Interesse an Politik und politisches Wissen könnten etwa im Schulunterricht gefördert werden. Und das, so zeige die Analyse, könnte sich positiv auf die Stimmbeteiligung auswirken.

Die Politologen Pascal Sciarini, Fabio Cappelletti, Andreas C. Goldberg und Lanz stützten sich für die Studie auf Daten des Kantons Genf und auf die Schweizer Wahlstudie «Selects» aus dem Jahr 2011. Ihre Studie wird im «Swiss Political Science Review» erscheinen. (ofi/sda)

(Erstellt: 16.02.2016, 11:27 Uhr)

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