Schweiz

So wenig Verkehrsunfälle wie in den 50er-Jahren

Aktualisiert am 19.07.2011

Im Jahr 2010 haben sich auf Schweizer Strassen erstmals seit Langem weniger als 20'000 Unfälle mit Verletzten oder Toten ereignet. Besonders die Zahl der Toten ging zurück – aber nicht in allen Kategorien.

Verkehrstote nach Jahr

Verkehrstote nach Jahr


Achsenbeschriftung

Quelle: Bundesamt für Statistik


Je schwerer die Unfälle, desto stärker sind die Zahlen gesunken. (Grafik: BfS)

Gefahr insbesondere für Zweiräder: Die meisten Unfälle ereignen sich im Sommer. (Grafik: BfS)

Mögliche Gefahrensituationen im Ferienverkehr: Ein Jeep kollidiert mit einem Roller beim Crashtest in Wildhaus SG. (30. Juni 2011) (Bild: Keystone )

Velofahrer tödlich verunfallt

Ein 75-jähriger Velofahrer ist heute Nachmittag in Brügg bei Biel von einem Lieferwagen erfasst worden. Er wurde beim Zusammenstoss so schwer verletzt, dass er im Spital seinen Verletzungen erlag. Laut einer Mitteilung der Berner Kantonspolizei steuerte der Velofahrer just in dem Moment in Richtung Fahrbahnmitte, als der Lieferwagenfahrer ihn und eine weitere Velofahrerin überholen wollte. Trotz eines Ausweichmanövers konnte der Lieferwagenfahrer die Kollision nicht mehr vermeiden. Der 75-jährige Radfahrer trug keinen Helm. (sda)

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Die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Personen ging gegenüber 2009 um vier Prozent zurück. Die Zahl der Verkehrstoten sank von 349 auf 327, wie aus den neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervorgeht. Das ist die tiefste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zahl der Unfälle insgesamt liegt wieder auf dem Niveau der 1950er-Jahre.

Seit vier Jahrzehnten sind die Zahlen der Unfälle mit Personenschaden und der Verkehrstoten rückläufig: 1971 waren bei fast 30'000 Verkehrsunfällen 1773 Menschen ums Leben gekommen. Dabei war damals der Motorisierungsgrad (Motorwagen pro 1000 Einwohner) weniger als halb so gross wie heute. Nur in den Jahren 1943 bis 1945 waren weniger Verkehrstote registriert worden als 2010.

Allein seit 1992 ging die Zahl der Getöteten (damals 834) um 61 Prozent zurück. Bei den Schwerverletzten wurde ein Rückgang um 43 Prozent (7844 auf 4458) registriert. Die Zahl der Leichtverletzten schwankt in den letzten 20 Jahren um 20'000 - Tendenz fallend.

Mehr Fussgänger verunfallt

Rund ein Drittel der Schwerverunfallten (Getöteten und Schwerverletzten) in der Schweiz sass in einem Personenwagen. Während Auto-, Töff- und Velounfälle 2010 weniger Opfer forderten als 2009, stieg die Zahl der getöteten und schwer verletzten Fussgänger an.

Allein die Zahl der getöteten Fussgänger stieg 2009 auf 2010 von 60 auf 75 an. Wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu schon zu Jahresbeginn festgestellt hatte, war dieser Anstieg vollumfänglich auf Unfälle ausserhalb des Fussgängerstreifens zurückzuführen.

Zweiradfahrer sind besonders in den Sommermonaten unterwegs, entsprechend gibt es dann die meisten Unfallopfer. In den Wintermonaten dagegen besteht ein erhöhtes Unfallrisiko für Fussgänger - Stichworte: Dunkelheit, Glätte.

Grösste Abnahme bei unter 30-Jährigen

2010 verunfallten laut der BFS-Statistik im Strassenverkehr 61 auf 100'000 Einwohner schwer, 1992 waren es doppelt so viele (126). Klar über diesem Mittel liegen die Altersklassen der Teenager und Twens (74 respektive 82 schwer Verunfallte pro 100'000).

Im Vergleich zu den anderen Altersklassen hat die Zahl der schwer verunfallten unter 30-Jährigen pro 100'000 Personen seit 1992 aber überdurchschnittlich stark abgenommen. Bei den Teenagern lag sie damals über doppelt, bei den Twens fast dreimal so hoch.

Wenige Verkehrsopfer im Vergleich

Unaufmerksamkeit ist der häufigste Grund für Unfälle. In drei Vierteln der Unfälle war momentane Unaufmerksamkeit die Ursache. Seit 1992 nahmen vor allem Unfälle wegen «Ablenkung durch Bedienung des Telefons» zu. Missachtung der Vortrittsrechte und nicht angepasste Geschwindigkeit waren weitere wichtige Unfallursachen.

Im europäischen Vergleich hat die Schweiz relativ wenige Verkehrstote zu beklagen. Sowohl auf eine Million Einwohner wie auch auf eine Million Personenwagen gerechnet lag die Schweiz 2008 mit 47 respektive 90 Toten weit unter dem EU-Schnitt (78 respektive 168 Verkehrstote) und klar unter den Zahlen ihrer Nachbarländer.

Neun von zehn schnallen sich an

Neun von zehn Autofahrern (89 Prozent) schnallen sich an, so wie es das Gesetz vorschreibt. Auf dem Beifahrersitz tragen 88 Prozent die Sicherheitsgurte und auf dem Rücksitz trotz Anschnallpflicht lediglich 79 Prozent.

Das hat eine Zählung der Beratungsstelle fur Unfallverhütung (bfu) ergeben. Die Gurtentragquote bei Mitfahrern auf dem Rücksitz sei zwar in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, aber immer noch unbefriedigend tief, teilte die bfu mit. Seit 1994 ist das Gurtentragen auch auf dem Rücksitz obligatorisch.

Schweizer nehmen es genau

Die Deutschschweizer nehmen es mit der Gurtentragpflicht am genauesten. 91 Prozent der Lenker in der Deutschschweiz und 90 Prozent der Beifahrer waren angeschnallt. In der Westschweiz trugen 83 Prozent der Fahrer und 86 Prozent der Mitfahrer den Sicherheitsgurt, und im Tessin 79 Prozent der Lenker und 81 Prozent der Beifahrer.

Innerorts trugen insgesamt 82 Prozent der Autolenker in der Schweiz den Sicherheitsgurt. Die Schweizer schnitten damit deutlich schlechter ab als die deutschen Autofahrer mit einer Tragquote von 97 Prozent und den Autolenkern in Frankreich mit 95 Prozent.

Wichtigsten Lebensretter

Sicherheitsgurte gehören laut bfu zu den «wichtigsten Lebensrettern im Strassenverkehr». Würde sich alle im Auto konsequent anschnallen, könnten in der Schweiz bei Verkehrsunfällen jedes Jahr 30 Todesfälle und 60 schwere Verletzungen verhindert werden.

Für die Gurtentragstatistik erfasste die bfu im April und im Mai auf Schweizer Strassen insgesamt 45'000 Autos mit Schweizer Kennzeichen. Dazu beobachtete geschultes Personal an 73 Zählstellen die Fahrzeuge. (rub/bru/sda)

Erstellt: 19.07.2011, 10:20 Uhr

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