Spitzenbeamter des Bundes will Arbeiter aus Afrika rekrutieren
Aktualisiert am 24.06.2010 97 Kommentare
Thomas Greminger könnte sich vorstellen, dass die Schweiz nicht bloss Asylbewerber in ihre Herkunftsländer zurückschickt, sondern auch Arbeitskräfte aus der Dritten Welt rekrutiert. Eine solche Arbeitsmarktpolitik dient den Interessen der Schweiz, wie der Botschafter im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA ausführt: So könnten beispielsweise Krankenpfleger aus der Dritten Welt den Notstand im Schweizer Gesundheitssystem beheben.
«In fünf bis zehn Jahren werden in der Schweiz 100'000 Arbeitskräfte im Gesundheitswesen fehlen», sagt der Diplomat des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Chance, dass die Lücken mit Leuten aus der EU geschlossen werden können, sei klein.
Gesellschaft in Europa wird alt
Denn die Alterung der Gesellschaft betreffe ganz Europa, hält der Leiter der Politischen Abteilung IV «Menschliche Sicherheit», fest. Damit sich die Schweiz in dem Wettbewerb um Arbeitskräfte behaupten könne, müsse sie künftig eine viel aktivere Arbeitsmarktpolitik betreiben.
Demnach heisst das Zauberwort gesamtheitliche Migrationspolitik: «Wir sollten wegkommen von einer Migrationspolitik, die stark auf Rückübernahmeabkommen mit Drittweltstaaten ausgerichtet ist», fordert Greminger.
Es gehe darum, die Migrationspolitik partnerschaftlicher auszugestalten und die Interessen aller beteiligten Staaten zu berücksichtigen, erklärt er.
Partnerschaften mit Balkanstaaten
«Die Schweiz schliesst deshalb Migrationspartnerschaften mit Ländern ab, die von besonderer migrationspolitischer Bedeutung für unser Land sind.» Bereits unter Dach sind Abkommen mit Bosnien, Kosovo oder Serbien. Geplant ist etwa auch eine Partnerschaft mit Nigeria.
Die Staaten sollen für ihre Kooperation bei der Rücknahme von Asylbewerbern einen Gegenwert erhalten. Die Schweiz hilft zum Beispiel, das nationale Migrationswesen aufzubauen, im Kampf gegen den Menschenhandel, beim Grenzschutz oder eben im Bereich Arbeitsmarkt.
«Wir können Ausbildungsplätze oder Stages in der Schweiz anbieten», erklärt der Botschafter. Möglich sei folgendes Szenario: «Beispielsweise finden wir ein Schweizer Unternehmen, das in Nigeria tätig ist und sich bereit erklärt, ein Dutzend Nigerianer in die Schweiz zu holen und diese auszubilden – danach gehen sie wieder zurück.»
Für den EDA-Spitzenbeamten ist das Projekt ein erster Schritt in die Richtung einer Arbeitsmarktpolitik, die im grösseren Stil Arbeitskräfte aus der Dritten Welt zulassen soll.
Überzeugungsarbeit nötig
Greminger ist sich der politischen Sprengkraft des Themas bewusst, wie er sagt: «Ich gebe gerne zu, dass es da noch sehr viel Überzeugungsarbeit braucht in unserem Land.»
Das EDA sei auf die Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), dem Bundesamt für Migration (BFM), den Kantonen und auch der Wirtschaft angewiesen. Gespräche hinter den Kulissen seien im Gange. Die Entwicklung der Migrationspolitik sei nötig, ist der Botschafter überzeugt: «Solche Überlegungen müssen wir uns machen, das ist nichts als konsequente Interessenpolitik.»
Kritikern führt Thomas Greminger positive Beispiele vor Augen: «Im Westbalkan sieht man, dass Migrationspartnerschaften möglich sind», sagt er. Der Botschafter verweist auch auf ein Beispiel aus Asien: Die Philippinen betrieben bereits Arbeitsmigration im grossen Stil. Dort gebe es professionelle staatliche Agenturen, welche die Leute auf ihren Arbeitseinsatz im Ausland vorbereiteten. ((Anja Burri, SDA))
Erstellt: 24.06.2010, 16:49 Uhr
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97 Kommentare
In der Schweiz leben mit 8 Mio. Menschen jetzt schon 35 % zuviel. Die ethnische Durchmischung ist bereits derart stark, dass es wie in anderen Ländern bald zu ethnischen Konflikten kommen wird. Betr. Gesundheitswesen: Wenn der Arbeitsmarkt funktionieren würde, würden die Löhne steigen wenn zuwenig Personal vorhanden ist => Der Arbeitsmarkt funktioniert nicht. Antworten
Dieses Modell hatten wir doch schon, es nannte sich damals Saisonnierstatut. Wie damals wird es auch heute nicht funktionieren. Die eingeflogenen Leute werden bleiben wollen, also heiraten sie hier und haben dann EMRK sei dank einen sakrosankten Anspruch auf Familiennachzug, Stück für Stück, bis ihr ganzes Dorf hier lebt. Antworten
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