«Stehplätze sind nicht Alltag»
Von Anatol Heib. Aktualisiert am 31.07.2009
Links
Artikel zum Thema
- «SBB ist keine Modelleisenbahn»
- SBB-Kunden verlangen den Platz, den sie bezahlt haben
- Was die Rhätische Bahn besser macht als die SBB
Auslastung online prüfen
Im Online-Fahrplan auf sbb.ch können sich Reisende über die Auslastung einer Strecke informieren. Nachdem sie Strecke und Abfahrtszeit bestimmt haben, erscheint in der Abfrage ganz rechts auch der Punkt «Auslastung». In Form von kleinen Männchen (1-3) wird angezeigt, wie stark die Strecke zur geplanten Reisezeit ausgelastet ist. Pendlern wird das freilich wenig helfen, das sie meist den gleichen Zug nehmen müssen.
Für über 4500 Teilnehmer der Online-Umfrage auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet sind überfüllte Abteile das grösste Übel beim Zugfahren. Erst mit grossem Abstand (siehe Link) folgen beispielsweise «Zu kühl oder warm im Abteil» (fast 11 Prozent) oder «Zu wenig Platz für Velo, Kinderwagen oder Gepäck» (9 Prozent).
In den Stosszeiten könne der Platz knapp werden, aber «Stehplätze sind nicht Alltag», sagt SBB-Mediensprecher Reto Kormann. Man transportiere heute in 25 Prozent der Betriebszeit rund 50 Prozent der Fahrgäste. Zu den Hauptverkehrszeiten betrage die Auslastung auf einzelnen Zügen heute über 100 Prozent.
In den Nebenverkehrszeiten dagegen habe man noch zahlreiche freie Plätze anzubieten. Mit Spezialangeboten wolle man die Nachfrage besser über den Tag verteilen. Wer zu Pendlerzeiten reise, soll an Zugspitze oder Zugsende einsteigen, dort habe es oft noch freie Sitzplätze.
SBB stösst an Grenzen
Offenbar hat man auch nicht mit so hohen Passagierzahlen gerechnet. Diese seien auf dem SBB-Netz seit 2003 doppelt so stark gestiegen wie geplant. «Das Netz kann nicht beliebig viele weitere Züge verkraften. Auf verschiedenen Strecken operieren wir schon heute an der Kapazitätsgrenze.»
Weil die Infrastruktur auf bestimmte Zugslängen abgestimmt sei, könne man auch nicht einfach an die Züge beliebig zusätzliche Wagen anhängen. «Führt ein Zug beispielsweise drei zusätzliche Wagen, kann es sein, dass die Reisenden in diesen Wagen bei einem Haltebahnhof womöglich im Schotter aussteigen müssten. Ausserdem verändert sich das Beschleunigungs- und Bremsverhalten eines schwereren Zuges.»
«Mehr rausgeholt»
Grosse Würfe seien kurzfristig aufgrund der fehlenden Infrastrukturkapazitäten nicht möglich, wohl aber punktuelle Verbesserungen. «Wir haben aus dem bereits stark ausgelasteten Netz mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 nochmals 5,5 Prozent mehr Angebot rausgeholt - unter anderem auf den stark frequentierten Verbindungen Zürich-Basel, Zürich-Bern und Lausanne-Genf.»
Für den Ausbau des Bahnnetzes seien auf Bundesebene zwei Projekte angestossen worden. Insgesamt investieren die SBB in den nächsten 20 Jahren rund 20 Milliarden Franken in neues Rollmaterial. «Damit erhöhen wir die Sitzplatzzahl bis 2030 um 38 Prozent.»
«Viererabteil blockiert»
Auch die BLS hat mit den vielen Zugreisenden zu kämpfen: «Wir haben in der Agglomeration Bern vereinzelt Strecken, wo die Leute zu Spitzenzeiten stehen müssen», sagt Mediensprecher Hans Martin Schaer. Das sei aber die Ausnahme, und die modernen S-Bahnen seien so ausgelegt, das man gut stehen könne. Mit der geplanten Anschaffung von Doppelstockzügen auf stark frequentierten Linien kann die BLS laut Schaer das Problem lindern - aber nur mittelfristig, denn die Zahl der S-Bahn-Nutzer steige stetig an.
Die Fahrgäste hätten teilweise auch hohe Ansprüche: «Ich erlebe als Pendler regelmässig, dass zwei Personen in einem Viererabteil die freien Plätze mit Taschen blockieren. In der Wahrnehmung der Vorbeigehendenn sind dann die Abteile voll.» Zahlreiche Fahrgäste würden am liebsten alleine im Viererabteil sitzen, so Schaer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.07.2009, 10:10 Uhr
Schweiz
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





