Stolze Aargauer feiern ihre «höchste Schweizerin»

Die mit 32 Jahren jüngste Nationalratspräsidentin, Pascale Bruderer, hielt am Festakt in Aarau von den Rednerinnen und Rednern viel Anerkennung und Lob.

1/10 An einem Festakt ist die neue Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer am Mittwoch in ihrem Heimatkanton Aargau gefeiert worden.
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Roter Teppich für Forster

Ein roter Teppich sowie zahlreiche National- und Ständeräte und lokale Behördenvertreter erwarteten Ständeratspräsidentin Erika Forster in ihrer Heimatstadt St. Gallen. Mit einem Sonderzug aus Bern traf die FDP-Politikerin nach 16 Uhr im St. Galler Hauptbahnhof ein. Mit Musik, Cheerleaders, Fahnen und Laternen gings zum Klosterplatz. Hunderte säumten die Strassen vom Bahnhof zum Klosterplatz. Dort standen Ansprachen und ein Apéro für die Bevölkerung auf dem Programm. Bundesrätin Doris Leuthard gratulierte der St. Galler Politikerin im Namen der Landesregierung. Leuthard würdigte Erika Forster als «treue Mitstreiterin in volkswirtschaftlichen Fragen» im Ständerat.

Forster habe ihren politischen Job «von der Pike auf gelernt», sagte Leuthard. Mit dem Ständeratspräsidium gelinge ihr ein seltener politischer Hattrick, nachdem sie in ihrer Karriere bereits das St. Galler Stadtparlament und den Kantonsrat präsidiert habe. Nach dem Apéro auf dem Klosterplatz mit der obligaten St. Galler Bratwurst für alle folgte ein Empfang für die geladenen Gäste in der Tonhalle.

«Argovia ist weiblich», sagte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am Festakt im Kultur- und Kongresshaus. Sie erhalte voraussichtlich mit Bundespräsidentin Doris Leuthard selbst eine Aargauerin als neue Chefin. Das freue sie, hielt Widmer-Schlumpf fest: «Die Aargauerinnen und Aargauer tun uns gut in Bern.»

Das Amt der Nationalratspräsidentin sei ganz anders als ihr eigenes. Dies mache sie «etwas neidisch». Bruderer kenne etwa das Rücktrittsdatum als Präsidentin und könne sich damit Journalistenfragen ersparen, sagte die Bundesrätin: «Mir gelingt das nicht immer.»

Farbiges Leben, bunte Politik

Widmer-Schlumpf erinnerte daran, dass Polemik und Polarisierung nicht Teil der schweizerischen Kultur und Politik seien. Politische Unerpressbarkeit, Respekt und Anstand bildeten die Grundlage.

Für den Aargauer Landammann Roland Brogli repräsentiert Bruderer mit den Merkmalen «jung, schlau und dynamisch» den Kanton auf ideale Art und Weise. Sie sei eine «femme politique» mit einer Turbokarriere.

SP-Nationalratspräsidentin Bruderer sagte, die farbige Welt verlange nach einer bunten Politik. Daher könne manchmal ein bisschen Pragmatismus nützlich sein, um sich gemeinsam auf einen für alle akzeptablen Farbton zu einigen.

Sie wolle in ihrem Präsidialjahr einen Beitrag zur Integration und Chancengleichheit leisten. Wenn es gelinge, den Austauch zwischen den Sichtweisen zu stärken, so entstehe eine Win-Win- Situation.

Vorbild für Junge

Man könne Bruderer aufgrund ihres frühen Einstiegs in die Politik nichts vormachen, sagte Chiara Simoneschi-Cortesi (CVP/TI), die abtretende Nationalratspräsidentin. Sie hoffe, dass viele Junge die Aargauerin zum Vorbild nehmen und mit dem gleichen Selbstverständnis Politik betreiben würden.

SP-Parteipräsident und Nationalrat Christian Levrat erklärte, Bruderer könne sehr gut Brücken schlagen. Sie schaffe dies auch immer wieder im Parteipräsidium und trage nicht selten zum Konsens bei.

Mit einem Extrazug aus Bern war Bruderer kurz nach 14 Uhr in Aarau eingetroffen. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur begleiteten sie. Die Festgesellschaft spazierte in einem kleinen Umzug zum nahegelegenen Kultur- und Kongresshaus.

Viele Passanten winkten der höchsten Schweizerin zu. Bekannte begrüssten und umarmten sie. Die Feier in ihrem Heimatkanton endete am Abend mit einem Nachtessen in Baden und einer öffentlichen Party. Die gesamte Feier kostet rund 170'000 Franken. Das Geld stammt aus dem Swisslos-Fonds. (cpm/sda)

Erstellt: 25.11.2009, 18:54 Uhr

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