Schweiz

«Stossend hohe Medikamenten-Marge»: Preisüberwacher greift Ärzte frontal an

Aktualisiert am 13.05.2009

Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert die Medikamenten-Marge der Ärzte. Es sei stossend, dass die Ärzte die gleich hohe Marge erhielten wie Apotheker.

«Stossend»: Preisüberwacher Christian Meierhans.

«Stossend»: Preisüberwacher Christian Meierhans. (Bild: Keystone)

Wenn ein Arzt Medikamente verschreibe und diese gleichzeitig verkaufen könne, habe er einen falschen Anreiz, sagt Meierhans in einem Interview im jüngsten Magazin des Krankenversicherers CSS. Deshalb sei es Ärzten in fast ganz Europa untersagt, selbst Medikamente zu verkaufen. Vor allem in der Ost- und Zentralschweiz sei diese Praxis aber verbreitet.

Dass dabei den Ärzten die gleich hohe Marge gewährt wird wie den Apothekern, hält der Preisüberwacher für stossend. «Ärzte bieten ja nur ein kleines Handsortiment an und haben kaum Geschäftsauslagen.»

Medikamentenpreise senken

Die Margen der Ärzte sollten deshalb den Kosten angepasst und damit gesenkt werden, fordert Meierhans. Er stösst damit ins gleiche Horn wie Gesundheitsminister Pascal Couchepin, der entsprechende Massnahmen in der Schublade bereithält.

Die vergleichsweise hohen Medikamentenpreise in der Schweiz werden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) aufgrund eines Vergleichs mit anderen Ländern festgelegt. Für diesen Länderkorb wähle das BAG vor allem Hochpreisländer aus, kritisiert Meierhans. «Als Preisüberwacher empfehle ich, auch Tiefpreisländer zu berücksichtigen.»

Dass der Anteil der Spitalkosten an den Gesundheitsausgaben in der Schweiz höher ist als im internationalen Vergleich, führt Meierhans auf ein Überangebot an Spitalbetten zurück. Das grosse Angebot beeinflusse die Zahl und Dauer der Spitalaufenthalte stärker als der Gesundheitszustand der Menschen.

«Richtiger Anreiz für die Spitäler»

Im Zusammenhang mit den neuen Fallpauschalen für Spitalbehandlungen würde es der Preisüberwacher begrüssen, wenn damit für ein bis drei Monate auch alle Nachbehandlungen abgedeckt wären.

«Das wäre bestimmt ein richtiger Anreiz für die Spitäler, damit sie die Qualität ihrer Eingriffe bis zur Gesundung verfolgen», so Meierhans. Dies würde auch verhindern, dass Spitäler Patienten zu früh entlassen. (sam/sda)

Erstellt: 13.05.2009, 11:14 Uhr

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