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Streit um Sonderbehandlung für Vettel

Dank «Sonderbauzone» will Sebastian Vettel seine Villa im Thurgau mit Tennisplatz und Schwimmbad erweitern. Und stösst auf Widerstand von namhaften Organisationen.

Wohnt bereits in einem stattlichen Anwesen im Thurgau: Der Formel-1-Pilot Sebastian Vettel.

Wohnt bereits in einem stattlichen Anwesen im Thurgau: Der Formel-1-Pilot Sebastian Vettel.

Vor acht Jahren traf es Michael Schumacher. Der deutsche Formel-1-Weltmeister wollte im appenzellischen Wolfhalden mitten im Grünen eine Villa mit allem Drum und Dran bauen. Doch nach einem langen und erbitterten Streit mit Umweltverbänden musste der Rennfahrer die Notbremse ziehen – und das Projekt begraben. Schumacher wohnt jetzt in Gland am Genfersee.

Kompensationsmodell gutgeheissen

Nun trifft es einen Landsmann und jungen Rivalen. Allerdings geht es bei Sebastian Vettel nicht um alles oder nichts. Der 23-jährige Formel-1-Star wohnt nämlich bereits in seinem stattlichen Anwesen, das er vor einem Jahr im thurgauischen Ellighausen (Gemeinde Kemmental) gekauft hatte. Nun will Vettel aber den feudalen Wohnsitz mit einem 20-Meter-Swimmingpool und einem Tennisplatz arrondieren. Das Problem: Der grösste Teil des Grundstücks liegt in der Landschaftsschutzzone.

Bis vor kurzem schien es trotzdem eine patente Lösung zu geben. Die Gemeindeexekutive beschloss, für ihren prominentesten Einwohner eine 900 Quadratmeter umfassende «Sonderbauzone für Freizeitanlagen» zu schaffen – und im Gegenzug an einem anderen Ort auf Gemeindegebiet beinahe das Doppelte an Bauland auszuzonen. Das kantonale Amt für Raumplanung hat dieses Kompensationsmodell in einer Vorprüfung bereits gutgeheissen. Es fehlt also noch das Plazet der Gemeindeversammlung.

Bester Steuerzahler

Kemmental zählt bloss 2250 Einwohner, hat viel Landwirtschaft und muss sich mit einem jährlichen Steueraufkommen von lediglich rund 2 Millionen Franken begnügen. Da liegt der Verdacht schon nahe, dass man für den wohl besten Steuerzahler gerne eine Sonderlösung findet.

Gemeindepräsident Walter Marty (SVP) verneint diese Vermutung jedoch entschieden: «Mit der Flächenkompensation wollen wir ja gerade verhindern, dass bei uns gute Steuerzahler privilegiert werden.» Ein ähnliches Vorgehen wende man auch an, wenn etwa ein Schreiner in der Schutzzone seinen Betrieb vergrössern wolle. Im Übrigen habe es aus der Bevölkerung keine einzige Einsprache gegeben.

Diese gibt es dafür vom WWF Thurgau und von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). «Insbesondere der Tennisplatz käme auf ein überaus reizvolles, naturparkähnliches Gebiet zu stehen», sagt SL-Geschäftsführer Raimund Rodewald. Es handle sich um eine «geschlossene Geländekammer, die sich nicht einfach kompensieren lässt».

Zudem könne die Gemeinde die neu auszuzonende Parzelle jederzeit wieder einzonen. Die Umweltverbände wollen ein Präjudiz verhindern. Im Thurgau gebe es – «insbesondere von deutscher Seite» – immer mehr Gesuche von Leuten, die in Schutzzonen Reithallen bauen oder Scheunen und Ställe umnutzen wollten, sagt Rodewald. Es gelte zu verhindern, dass die Behörden zu nachgiebig würden.

Genug andere Tennisplätze

In einem Punkt zielen die Einsprecher dann doch noch auf den Mann: «Aus unserer Sicht ist das Bedürfnis nach einer privaten Tennisanlage nicht ausgewiesen», heisst es im Schreiben von SL und WWF. In der Umgebung von Ellighausen gebe es nämlich bereits Klubs mit «zahlreichen Tennisplätzen, die sich über Mitglieder freuen würden».

Man mache in diesem Fall aber «nicht auf Totalopposition», betont Rodewald. So lasse sich für das geplante Schwimmbad eine einvernehmliche Lösung finden, wenn es etwas näher am bestehenden Gebäudekomplex gebaut werde.

Erst recht «nicht um einen grossen Fall» handelt es sich aus Sicht des kantonalen Amts für Raumplanung. «Flächenkompensationen sind im Thurgau Alltag», sagt Amtsleiter Ueli Hofer. In Kemmental geht man denn auch davon aus, dass die Gemeindeversammlung das Geschäft absegnen wird. Die nächste Rekursinstanz wäre dann das Departement für Bau und Umwelt, dem Hofers Amt unterstellt ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2010, 07:55 Uhr

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20 Kommentare

Karl-Heinz Bollmann

15.11.2010, 21:33 Uhr
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Selbst wenn Vettel einen Versager von deutschen Steuerberater hätte und in seiner Heimat 5 von 10 Milionen EUR an das Finanzamt zahlen müsste - mal ehrlich: 5 Milionen EURO Netto.... Dafür seine Heimat verraten :-( Antworten


Peter Pfrunder

08.09.2010, 11:49 Uhr
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Die CH hat es doch wirtschaftlich gar nicht mehr nötig, jedem Reichen zu "höbeln" und Steuer- und andere privilegen zu gewähren. Wir sind eine Demokratie - auch wenn sie nicht perfekt ist. Aber wir sollten alle Menschen gleich behandeln, wo immer auch möglich - wir könnten es uns leisten! Allerdings ist mir auch klar, dass es hierzulande viele geldgierige Leute gibt. Antworten


Andreas Stofer

08.09.2010, 11:49 Uhr
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Wie gemein von WWF dass die tatsächlich nicht wollen dass man in einer Landschaftsschutzzone einen Swimming-Pool und Tennisplatz baut! Wenn Herr Vettel unbedingt bauen will wieso hat er sich dann nicht einfach ein entsprechendes Grundstück besorgt, wie der Kollege in Baar? Weil es in der Bauzone nicht mehr so schön grün ist? Antworten


Andreas Bertschinger

08.09.2010, 11:39 Uhr
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Und schon wieder wird geltendes Recht für einen Ausländer zurechtgebogen. Was soll denn das? Immer diese Sonderfälle, und dies nur weil einer Geld hat, Ottonormalbürger würde da schön in die Röhre schauen. Soll Hr. Vettel doch zurück nach Deutschland, und dort seine Steuern bezahlen wie alle anderen auch. Jede Wette, in der Schweiz sind die Steuern nicht so hoch wie in Deutschland.... Antworten


Tabea Baumgartner

08.09.2010, 11:34 Uhr
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Für Geld macht man auf beiden Seiten alles, oder? Leute wie Schumacher, Vettel und Co. wohnen in einem Land wo sie weder Land und Leute geschweige denn die Geschichte kennen. Gerade so gut könnten sie woanders leben. Hauptsache die Kasse stimmt. Ein Armutszeugnis ist das. Sind wir so mausarm, dass wir solche Leute brauchen? Antworten


Judith Egger

08.09.2010, 11:30 Uhr
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@Schmid/Ess/Buehler: Es geht weder um Neid noch um das Verhindern einer doch so praktischen Lösung. Es geht um die Rechtsgleichheit, um die Gleichbehandlung. Rechte sind in der Schweiz weder käuflich noch (kuh)verhandelbar. Seltsam, wie gerne Stammtischler und Exponenten der SVP vor den modernen Fürsten auf die Knie fallen, ihnen den roten Teppich ausrollen und Sonderrechte einräumen. Antworten


Peter Gut

08.09.2010, 11:25 Uhr
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@ Bühler, Ess, Schmid: Einige ganz Wenige können sich alles erkaufen und schaden damit Anderen. Treiben die Bodenpreise hoch und die schönsten Landstriche in diesem Land werden mit Spezialgesetz privatisiert. Für deren Sicherheit zahlen wir Unmengen Steuern! Das ist alles gut so und wer dagegen ist, ist ein Neider! Irgendwann wird das hier ein Elitestaat und wir werden zu Zudienern oder vertrieben Antworten


Clara S. Prudel

08.09.2010, 11:09 Uhr
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@Zumthor und Forster: Es wäre so einfach - die Kantone müssten lediglich die Pauschalbesteuerung reicher Ausländer abschaffen und viele Promis dieser Welt (nicht nur Deutsche!) würden wieder von dannen zügeln. Aber das will man ja hierzulande auch wieder nicht, denn das Geld der Promis nimmt man nur allzu gern. Antworten


Andreas D. Meier

08.09.2010, 11:03 Uhr
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Im Thurgau hat man ja Erfahrung im servilen Verhalten gegenüber Reichen und Prominenten. Erinnert sei da nur an den peinlichen Fall mit dem Hochstapler V. Eckel! Die gleichen Kreise die stets ein hartes Durchgreifen gegen Ausländer verlangen, unterwerfen sich willig den Bedürnissen von prominenenten Ausländern und sind bereit, für Geld alles zu tun, Gesetze hin oder her! Prostitution eben! Antworten


Markus Altdorfer

08.09.2010, 10:59 Uhr
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Ich kann die Kemmentaler verstehen (Steuerzahler). Aber ich denke nicht dass ein Pool und Tennisplatz jetzt unbedingt gebaut werden müssen um die Lebensqualität zu erhalten. Vergessen wir nicht dass die CH ein kleines Land ist. Gerade der Kt. TG unterscheidet sich hier vom Agglo-verbauten Kt. ZH. Hier gibts noch schöne unverbaute Landstriche. Das soll auch so bleiben. Antworten


Werner Holliger

08.09.2010, 10:58 Uhr
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Kemmenthal hat mit 2250 Einwohnern ein Steueraufkommen von 2 Millionen - ja, wird denn Herr Vettel von der Gemeinde subventioniert? Ich habe bisher angenommen, dass Leute mit einem F-1-Einkommen in der Lage sein sollten, einen ansehnlichen Steuerbatzen zu berappen, so wie es sich gehört (und eigentlich unserer Verfassung entspricht)... Antworten


Hans Kreiling

08.09.2010, 10:55 Uhr
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@ Barbara Zumthor @Beat Forster: Das gilt ja wohl für jeden Promi (Schweiz, Deutsch, Franz., Russisch, etc) oder? Antworten


Thomas Meier

08.09.2010, 10:48 Uhr
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Tja, die übliche Verhinderungspolitik vom WWF und Co. Antworten


Daniel Baumann

08.09.2010, 10:40 Uhr
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WWF TG ist dafür bekannt, bei allem möglichen Einsprache zu erheben. Eine Spende an den WWF bringt oft auch die Einsprache vom Tisch. Reines Erpressertum - dem Verbandsbeschwerderecht sei Dank! Antworten


Barbara Zumthor

08.09.2010, 10:14 Uhr
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Die Schweiz ist nicht gross und hat deshalb nicht unbeschränkte Landreserven. Es ist deshalb nicht einzusehen, weshalb für einen Deutschen Promi die Gesetze umgebogen werden sollen. Zudem es sich hier ja nur um Statussymbole handelt die keine Einschränkung der Wohnqualität tangieren. Antworten


Beat Forster

08.09.2010, 09:45 Uhr
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Wieso sollen Deutsche Promis Sonderbehandlung bekommen, wenn auf der andern Seite Schweizer Bürger mit allen möglichen Bauvorschriften, z.B. Farbe der Ziegel, schikaniert werden? Sollen all diese Typen doch in Deutschland bleiben und dort brav ihre Steuern bezahlen, wir brauchen sie nicht hier in der Schweiz. Sonst schickt uns wieder irgendein Finanzminister die Kavallerie auf den Hals. Antworten


Herbert Frei

08.09.2010, 09:25 Uhr
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Land ist nicht gleich Land. Auf die Qualität des überbauten, resp. ausgezonten Landes kommt es sehr wohl an. Das ist genau die Aufgabe solcher Verbände, dass sie die Anliegen des Landschaftsschutzes vertreten. In der Schweiz gehen wir mit unserer - topographisch ja überaus reizvollen - Landschaft um, als ob wir eine zweite in Reserve hätten. Das Mittelland verwandelt sich in eine Megalopolis. Antworten


Chris Buehler

08.09.2010, 08:52 Uhr
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Alles Neider !!! Scheint ja eine gute Lösung zu sein! Antworten


peter ess

08.09.2010, 08:50 Uhr
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Ich wohne in der Gegend und folge Vorschreiber Schmids' Meinung. Die Prioritäten dieser Guttempler sind ziemlich abstrus. Ich mag diese F1 Fahrer ja eigentlich auch nicht besonders - und in diesem Zusammenhang finde ich es eigentlich ganz glatt dass alle Fahrer bis auf den CH Fahrer in die CH kommen und der CH, um die RS zu umgehen, geht in den Wüstenstaat. Antworten


Hans Schmid

08.09.2010, 08:11 Uhr
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Haben WWF und Landschaftsschutz nichts besseres zu tun? Doppelte Fläche ausgezohnt, Gemeinde, Kanton und Volk einverstanden - Was soll das? Antworten



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