Strittige Studie: Im Unispital überlebt man eher
Von David Vonplon. Aktualisiert am 24.01.2009 29 Kommentare
«Beträchtliche Unterschiede»: BAG-Erhebung zur Sterberate von Patienten in Spitälern irritiert Ärtzeschaft.
Mortalität in Deutschlands Spitälern höher
Im Vergleich mit Deutschland schneiden Schweizer Spitäler laut der BAG-Erhebung gut ab: Beim Herzinfarkt liegt die Mortalitätsrate in deutschen Spitälern mit 11.6 Prozent weit höher als in der Schweiz (6.9 Prozent). Noch deutlicher ist der Vorsprung bei Lungenentzündungen: Während in der Schweiz 5.9 Prozent sterben, sind es in Deutschland 11.2 Prozent.
BAG-Direktor Jürg Zeltner will in den Spitälern die Schraube anziehen. Die Qualitätskontrolle der Ärzte in den Krankenhäusern sei nicht gut genug. Als Massnahme zur Verbesserung der Qualität in den Spitälern veröffentlicht das BAG unter anderem künftig Fehlerquoten und Vergleiche. Dass es zwischen den Spitälern beträchtliche Unterschiede gibt, zeigt eine provisorische Erhebung des BAG zu den Sterberaten bei einzelnen Diagnosen in verschiedenen Spitälern, die sich auf Daten aus dem Jahr 2006 stützt und am Freitag in der «NZZ» publiziert wurde.
Bei Lungenentzündungen zum Beispiel, ist die Mortalitätsrate in Zentrumsspitälern fast doppelt so hoch, wie bei Universitätsspitälern. Bei ersteren sterben 6.6 Prozent der eingelieferten Patienten, bei letzteren sind es bloss 3.5 Prozent. Dies liegt nicht daran, dass die Menschen, die in den Zentrumsspitälern behandelt wurden, im Durchschnitt älter waren. Bei beiden Spitälern beträgt das Durchschnittsalter der Patienten 77 Jahre.
Altersdurchschnitt im Unispital tiefer
Auch bei Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, zeigt sich ein ähnliches Bild: Hier beträgt die Mortalitätsrate bei den Unispitälern 10.6 Prozent, bei den Zentrumsspitälern dagegen sind es 14 Prozent. Dabei war allerdings auch der Altersdurchschnitt der behandelten Patienten in den Unispitälern mit 69 Jahren deutlich tiefer als in den Zentrumsspitälern (78 Jahre). Nicht ganz so deutlich sind die Unterschiede bei Herzinfarktpatienten: 5.2 Prozent der Patienten sterben in Unispitälern , während es bei den Zentrumsspitälern 7.6 Prozent sind. Bei Regionalspitälern sind es gar 8.8 Prozent. Auch hier allerdings ist der Altersdurchschnitt der behandelten Patienten am Unispital deutlich tiefer.
Entrüstung bei den Ärtzeorganisationen
Doch wie erklären sich die Urheber der Erhebung die frappanten Unterschiede? Beim BAG drückt man sich um eine Interpretation: «Weil es provisorische Zahlen sind, können wir sie nicht kommentieren», erklärt eine Sprecherin. Das hindert die Gesundheitsbehörden aber nicht daran, die Erhebung zu veröffentlichen.
Dass diese brisanten Zahlen nun im Internet auftauchen, ärgert dagegen die Ärzteschaft: «Die vom BAG publizierte Erhebung fusst auf Daten, die in der vorliegenden Form und Qualität nicht aussagekräftig sind», erklärt Daniel Herren, Mitglied des Zentralvorstands der FMH, der Dachorganisation der Ärzte auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Diese Daten sind fehlerhaft, weil sie nicht risikobereinigt sind und statistisch nicht sauber erhoben und verarbeitet sind.»
Verschiedene Ärzteorganisationen, so auch die FMH, hätten das BAG bereits darauf hingewiesen. Herren hält es für nicht zulässig, auf Grund dieser Zahlen Rückschlüsse auf die Qualität der Spitäler zu ziehen.
Bei H+, der Vereinigung der Schweizer Krankenhäuser, will man auf die Zahlen des BAG gar nicht erst eingehen. «Diese Erhebung ist nicht risikobereinigt. Sie wäre nur dann aussagekräftig, wenn die Spitäler kommentieren könnten, wie die Zahlen einzuschätzen sind», erklärt Verbandsdirektor Bernhard Wegmüller auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Ihn erstaunt das Vorgehen des BAG: «Es wäre aus unserer Sicht üblich, dass die Spitäler informiert werden, bevor diese Zahlen publiziert werden.» Dies jedoch sei nicht geschehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.01.2009, 12:46 Uhr
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29 Kommentare
Es ist eine alte Tatsache, dass medizinische Statistiken gefälscht werden. Entsprechend ist es unmöglich, dass eine Mortaliät von 0.0% existiert, wie z.B im Kt Thurgau! Nur unabhängige Untersucher könnten in dieser Frage Klärung bringen. Ausserdem muss ein Risikoscore einbezogen werden. Patienten in Zentrumsspitäleren leiden in der Regel an schwereren Erkrankungen. Die Mortaliät ist deshalb höher. Antworten
Solche Studien bringen gar nichts. Sie führen nur dazu dass Spitäler Todkranke Patienten wenn möglich nach Hause oder in ein anderes Spital schicken. So geschieht es schon dank der Fallpauschalen: Die Patienten werden möglichst rasch nach Hause geschickt werden, obwohl noch mit Komplikationen zu rechnen ist. Kommen sie wieder ist es ein neuer Fall. So wird in unserem Gesundheitswesen gespart! Antworten
auch bei mir tauchte spaetabends am Spitalbett eine Krankenschwester auf und wollte mir noch Medikamente verabreichen! als ich danach fragte warum erst heute, stellte sich heraus, dass die Medikamente fuer einen ANDEREN Patienten bestimmt waren kurzum - das Personal ist total UEBERLASTET Antworten
"Für eine statistisch derart unsinnige Studie mit einem solchen Bias Steuergelder zu verschwenden, ist schlicht ein Skandal, Herr Zeltner!" Es ist auch eine Studie mit Daten, die sowieso routinemässig ans Bundesamt für Gesundheit gemeldet werden. Kein einziger Steuerfranken wurde ausgegeben – bloss keine Polemik hier! Antworten
Müsste man nicht die Altersheime mit untersuchen? Dort geht die Sterblichkeit gegen 100%! Nein, im Ernst Frau Ziltener! Was soll eine solch unsinnige Untersuchung? Das hat doch wenig mit der Qualität der Spitäler zu tun, sondern mit der Verteilung der todkranken Patienten auf Regional- oder Zentrumsspitäler, die kantonal variiert. Verschonen Sie lieber das Spitalpersonal vor unsinnigem Papierkram. Antworten
Eine Mortalitätsstatistik ohne dass man wenigstens dazu sagt, was das Spital für Leistungen erbringt (hochkomplexe Behandlungen bei schwerkranken Patienten oder nur Grippepatienten pflegen) und ohne Angaben des Altersschnittes ist dümmlicher Quatsch. Ausserdem muss man wissen, dass zahlreiche Privatkliniken Patienten, die sterben könnten, "rechtzeitig" in ein öffentliches Spital verlegen. Antworten
Was genau wollt ihr eigentlich mit diesen Qualitätsmessungen beweisen? Glaubt ihr im Ernst, wenn zertifizierte Abläufe installiert sind, sterbt ihr nicht mehr in den Spitälern? Wie naiv muss man denn sein, dass man glaubt, alles und jedes messen und versichern zu können? Wacht endlich aus diesem Machbarkeitswahn auf!!!! Antworten
Geh ja nicht ins Bett; 80 % der Menschen sterben im Bett. Ungefähr so seriös wie dieser alte Witz ist die Statistik über die Sterberate in den verschiedenen Spitälern. In Genf geht man wegen jedem Mückenschiss ins Spital - und daran stirbt man eben nicht. In anderen Kantonen werden nur wirklich Kranke eingeliefert, die einfache Erklärung für die höhere Sterberate. Antworten
Einschlägiges Zitat dazu von Mark Twain: "There are 3 kinds of lies:just lies, damned lies and statistics". Nach der faulen Statistik über unsere Mittelschulen durch die ETHZ eine noch faulere über Spitäler!Garbage in-> garbage out!Offenbar haben unsere Verwaltungen zuviel Geld, um solche "Studien" durchzuführen. Schade, damit könnte man besseres unternehmen, z. B Spitalkosten senken. Antworten
Irgend ein heller Kopf hat einmal gesagt: Glaube keiner Statistik, ausser Du hast sie selber gefälscht. Die Zahlen sind zwar unterschiedlich, aber was heisst das schon. Ob 1.8 so viel besser als 2.1 sind oder vielleicht nur Zufall. Tröstlich ist: Sterben werden wir ja alle ob bei einer Rate von 1.8 oder 2.1. Antworten
Jedem Laien ist klar, dass Patienten mit aussichtloser Prognose und solche die keine Therapie mehr wünschen nicht vom Zentrums- ins Unispital verlegt werden. Genausowenig sterben "hoffnungslose Fälle" im Unispital, diese werden zur Palliativpflege zurückverlegt. Für eine statistisch derart unsinnige Studie mit einem solchen Bias Steuergelder zu verschwenden, ist schlicht ein Skandal, Herr Zeltner! Antworten
Ich vermute zudem, dass die Statistik nicht berücksichtigt, dass häufig Pat. mit Herzinfarkten von den (kleineren) Spitälern an die Unispitäler geschickt werden, dort erfolgreich mittels koronaren Eingriffen behandelt werden und dann umgehend wieder ins Heimatspital zurück geschickt werden, wo sie dann u.U. an einer Komplikation sterben. Diese Mortalität wir dann nicht dem Unispital angerechnet. Antworten
in den regionalspitälern, die noch übrig geblieben sind, herrscht vermehrt schlechte stimmung. qualitäts-zertifizierte abläufe sind immer noch nicht standard...! der patient und prämienzahler wird oft um seine rechte geprellt und ist der willkür von ärzten und pflegepersonal hilflos ausgeliefert. die intransparenten krankenkassen saugen den patienten das geld aus den taschen, das system ist faul. Antworten
Mich erschrecken die schlechten Überlebensraten aus Deutschland. Heisst das nicht, dass man in den Spitälern mit den Fallpreispauschalen (DRG's) schneller sterben gelassen wird - weil es D billiger kommt ? Und Herr Zeltner ist für DRG's !! Ausserdem wundere ich mich, wir haben ja so viele besserqualifizierte Professoren aus dem Ausland, weshalb hier doch so schlechte Zahlen ?? Antworten
Ranking, Ranking, Ranking! Ist eigentlich irgendwer in diesem verwöhnten Land noch bei Verstand??? In den Medien werden Mittelschulen, Spitäler oder Steuern etc. mittlerweile wie Gewichtsteine verglichen und zu göttlichem Donnergrollen verarbeitet. Ist heute "Durchschnitt" nicht immer noch besser als "Schlecht"? Rankings sind Statistiken, denen ich erst glaube, wenn ich sie selber gefälscht habe!! Antworten
@ Yvonne.: Wenn du wegen Schlaganfall bei Mediservice eingeliefert wirst, holst du dir den Tod, garantiert! Sie haben noch viel weniger Personal, keine Ahnung und schon gar keine Ausrüstung. Für Lungenentzündung? Das Antibiotikum dass sie dir verschicken, könnten sie noch nicht mal bei dir anwenden... rein technisch... Warum also dein Kommentar? Mediservice ist hier kein Thema! Antworten
Das Problem ist, dass diese Zahlen zu völlig falschen Schlüssen verleiten. Im Ausland zeigten Studien aufgrund ähnlicher Zahlen, dass nicht die Uni-Spitäler besser waren, sondern dass einfach alte, schwer kranke Patienten nicht ins Uni-Spital verlegt werden wollten. Sie zogen es vor, im Spital ihrer Region, im Beisein ihrer Verwandten zu sterben. Man beachte tieferes Alter im Uni-Spital!! Antworten
Um solche Fehlerquoten zu vermeiden, sollte endlich in den Spitälern mehr Aerzte und Pflegepersonal eingestellt werden. Die Aerzte arbeiten ja unglaubliche Ueberstunden, da muss es ja vermehrt zu Fehlern kommen. Auch das Pflegepersonal " segglet" von einem Patienten zum andern.! Ist das ncoh Qualitäts? Stimmt, das Apothekenpersonal plus Führungskräfte ist eine Katastrophe! Bestellt bei Mediservice Antworten
Wenn solche Vergleiche zwischen Spitälern wegen hoher Fehlerquote und unterschiedlicher Kriterien (z.B. Altersunterschiede der Patienten etc) bereits in der Schweiz als höchst fragwürdig und wertlos gelten, sind Vergleiche mit ausländischen Spitälern noch unseriöser!!! Antworten
Möchte wissen, wie die Uni-Spitäler reagieren und auch behaupten, die Zahlenbasis wäre ungenügend. Vermutlich nicht. Und selbst wenn die Zahlen nicht 100% korrekt sind zeigt sich doch ein Trend. Und der müsste für die Spitäler doch Anreiz für Verbesserungsmassnahmen sein, anstatt einfach mal auf Stur zu stellen. Die Einstellung ist doch das Hauptproblem!! Antworten
Auch wir wurden Opfer einer Fehlbehandlung in einem Kinderspital. Die Folge, vollständiger Vertrauensverlust in die medizinische Kompetenz der dort Verantwortlichen. Meiden sämtlicher vom Spital angebotener "Dienstleistungen". Eigentlich traurig ein solcher Schutzmechanismus. Aber als Patient hat man keinerlei Rechte gegenüber den Fehlentscheiden von Spitalpersonal. Stärke Kontolle daher ein MUSS! Antworten
Höchste Zeit, als nächstes bitte die Apotheker, die haben eine Arroganz wiederlich. Da sagte mir doch einer ja für uns ist das mühsam wir müssen das anrühren. Ja da müssen sie noch etwas bezahlen, ich bin dann in die Bahnhofapotheke, die erklärte man mir sicher nicht bezahlt die Minima, ich wusste das ist so, habe zwei Zusatzversicherungen also was soll das. Am besten ist Medikamente beim Arzt. Antworten
Lieber Herr Keller wenn nur halbsoviel Qualitätserhebungen in anderen Betrieben erfolgen würden wie in Spitälern, wären jene ganz schön am toben. Zwischenzeitlich fragt man sich gar, ob nicht sogar die dadurch abgezapften Ressourcen die Kerntätigkeit negativ beeinflussen. Antworten
Dass die Ärzte sich entrüsten, ist ein gutes Zeichen. Es zeigt nämlich, dass man mit solchen Auswertungen auf dem richtigen Weg ist. Chirurgen und Spitälern allgemein wird viel zuwenig auf die Finger geschaut, wenn es um Qualitätserhebung geht. Da wittern Patienten Morgenluft! Antworten
Ja wenn die Daten fehlerhaft sind, dann schlag ich als typischer Endverbraucher vor, dass wir die paar Wochen noch warten und die Diskussion dann führen, wenn wir aussagekräftige Zahlen haben. Hoffe, dass die Medien dann nochmals Lust haben, das aufs Tapet zu bringen, weil es würde mich sehr interessieren. Aber mit schlechten Zahlen - wieso wird's dann überhaupt reportiert? Antworten
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Esther Schweizer
Falls das Ziel 0% Sterberate ist in den Spitälern, frage ich mich, ob man bald kurz vor dem Ableben noch schnell nach Hause oder in ein Heim abgeschoben wird.Liebe Leute: das Sterben gehört zum Leben, und es wäre an der Zeit, dass wir damit etwas ehrlicher und natürlicher umgehen. Ist denn Sterben im Spital ein Verbrechen? Eher die Art u. Weise, wie manche Kranke zum Weiterleben gezwungen werden! Antworten