Sturmgewehr nicht mehr im Schrank
Von Iwan Städler. Aktualisiert am 18.11.2008 9 Kommentare
Sicher verstaut im Küchenschrank. Künftig soll jeder Wehrmann entscheiden, ob er sein Sturmgewehr mit nach Hause nimmt oder im Zeughaus abgibt. (Bild: Keystone)
Jahrzehntelang symbolisierte die Aufbewahrung des Sturmgewehrs im heimischen Schrank die Wehrhaftigkeit des Schweizer Soldaten. Nun gerät diese helvetische Eigenart ins Wanken. Geht es nämlich nach einer Expertengruppe des Bundes, sollen die Wehrmänner ihre Waffe auch im Zeughaus lagern dürfen.
So steht es im Bericht, den die Gruppe demnächst VBS-Chef Samuel Schmid übergeben will. Eingesetzt wurde das Gremium im letzten Dezember, nachdem in Zürich Höngg ein Soldat mit seinem Sturmgewehr eine junge Frau erschossen hatte. Nebst dem VBS und anderen Departementen waren auch die Offiziergesellschaft (SOG) und der Schiesssportverband (SSV) in der Expertengruppe vertreten.
Beide Organisationen stehen hinter der Empfehlung, wonach Armeewaffen nicht mehr zwingend zu Hause aufbewahrt werden müssen. «Das ist eine vernünftige Lösung», sagt SOG-Präsident Hans Schatzmann. Und SSV-Direktor Urs Weibel betont: «Für uns ist wichtig, dass ein lizenzierter Schütze sein Gewehr nicht kaufen muss.» Im Übrigen sei das «Obligatorische» nach wie vor gewährleistet. Wer seine Waffe im Zeughaus deponiert habe, müsse sie vor dem Schiessen des Obligatorischen dort holen und danach wieder bringen oder – entgegen den Vorschriften – mit dem Gewehr eines Kollegen schiessen.
Volksinitiative geht viel weiter
Weibel kann auch mit dem zweiten Vorschlag der Expertengruppe leben, den die «NZZ am Sonntag» publik gemacht hat. Danach sollen bestimmte Truppengattungen – etwa Betriebseinheiten – nicht mehr bewaffnet werden. Ob 115'000 oder 100'000 Wehrmänner das Obligatorische schiessen würden, so Weibel, spiele keine grosse Rolle. Auch wenn die Reduktion der Teilnehmerzahl dazu führte, dass die Schützenverbände weniger einnähmen.
Mit ihrer Kompromissbereitschaft reagieren die Schützen und Offiziere auf den Meinungswandel in der Bevölkerung. Laut einer Umfrage der ETH Zürich ist nur noch ein Drittel für die Aufbewahrung der Armeewaffe zu Hause – Tendenz stark sinkend. Vor allem Frauen und Junge können dem Gewehr im Schrank nichts abgewinnen. Aber auch immer mehr Männer und Ältere finden, die Armeewaffe sei im Zeughaus besser aufgehoben. Für SSV-Direktor Weibel ist deshalb klar: «Der Status quo hat politisch keine Chance.»
Ein erstes Zugeständnis erfolgte mit dem Einzug der Taschenmunition. Die freiwillige Waffenaufbewahrung im Zeughaus wäre ein zweiter Schritt. Doch das genügt den Promotoren der Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» bei weitem nicht. «Gerade jene, in deren Händen Waffen eine Gefahr sind, bringen das Sturmgewehr kaum ins Zeughaus», sagt der Zuger Nationalrat Josef Lang. Für diesen Typ Mann sei die Waffe oft mit Würde verbunden. Lang ist überzeugt, dass Gerold Stadler, der die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet erschoss, seine Offizierspistole nicht im Zeughaus deponiert hätte.
Sagt das Volk Ja zur Initiative, haben die Wehrmänner keine andere Wahl mehr – wobei für lizenzierte Sportschützen eine Ausnahme vorgesehen ist. Laut Lang haben die Initianten bereits 96'000 beglaubigte Unterschriften gesammelt. Und er ist zuversichtlich, dass die noch fehlenden Signaturen bis im Dezember zusammenkommen.
Sache des neuen VBS-Chefs
Auch in den Kantonen steigt der politische Druck. Genf erlaubt seinen Soldaten schon heute, die Waffe im Zeughaus zu deponieren. Dasselbe verlangen die Parlamente der Kantone Wallis, Bern und Baselland. Andere Stände wie Zug, Luzern und St. Gallen wollen abwarten, was der Bund macht. Ihrer Ansicht nach verfügen die Kantone heute noch über keine gesetzliche Grundlage, um die Ordonnanzwaffen im Zeughaus zu lagern.
Das könnte sich nun ändern. Samuel Schmid dürfte die Vorschläge der Expertengruppe aber nicht mehr umsetzen. Und sollte ein SVP-Hardliner Schmids Nachfolger werden, wird er sich wohl hüten, als eine seiner ersten Amtshandlungen die Tradition des Sturmgewehrs im Schrank anzutasten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.11.2008, 22:28 Uhr
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9 KOMMENTARE
Es ist eigentlich ganz einfach. Als Hausbesitzer erlaube ich es nicht, dass in meinem Haus auf privatem Grund Waffen deponiert werden. Meinem Sohn der in ein paar Jahren in die RS gehen wird, erlaube ich es ebenfalls nicht seine Waffe in meinem Hause aufzubewahren. Was dann liebe ewig gestrige Offiziere?????
@Abdul R. Furrer und was möchten sie zu dem Phänomen sagen, dass ein 50jähriger SCHWEIZER(!!) mit dem Gewehr letzte Woche in Buchs rumgeballert hat? hmm, auch einer mit Migrationshintergrund? (der vater seines vaters, seines urvaters von seinem vater war vielleicht Deutscher?) :D..
Ich stimme mit Abdul R. Furrer überein, man muss verhindern, dass vorbestrafte überhaupt Militärdienst leisten können. Entweder man steht zur Milizarmee und seinen Soldaten, oder man soll sie ganz abschaffen, die Abgabe des Sturmgewehrs wäre wieder ein nächster Schritt dazu - das Josef Lang zur Gsoa gehört spricht Bände...
Es ist schon so, einmal Ausländer immer Ausländer. Aber den Krieger und Vaterlandsverteidiger den darf, besser gesagt, den muss man spielen.Warum befreit man diese"Ausländer" nicht davon, wenn ja schon nur die wahren Schweizer die guten sind. Aber welcher Eidgenosse hat einen "reinen" Stammbaum und keinen Migrationshintergrund?Da wird man wohl kaum fündig werden!
... das sturmgewehr gehört ins zeughaus - basta! und mit den jährlichen WKs kann auch das obligatorische schiessen endlich abgeschafft werden - aber da leider die schützenvereine dermassen viel staatliche subvention brauchen und dazu noch eine der politisch einflussreichsten gruppierung der schweiz ist, wird das wohl leider nie passieren...
@Abdul R. Furrer: Das sind ja wiedereinmal Pauschalurteile. Entweder man ist Schweizer und dann mact man Militärdienst ober man ist nicht Schweizer Staatsangehöriger, dann muss man auch keinen Militärdienst leisten. Alles andere ist doch nur, um es im Sektenjargon zu sagen, 'Wischi-Waschi'.
Solange das Deponieren der Dienstwaffe freiwillig bleibt, ist dagegen nichts einzuwenden. Wichtiger und bezüglich Prävention effizienter wären verschärfte Rekrutierungs-Bestimmungen, um potentielle Gewalttäter von der Armee fern zu halten. Dazu gehört, dass die Armee auf "Schweizer mit Migrationshintergrund" - wie die Amoks von Höngg oder Baden - von vorne herein verzichtet.
Das Sturmgewehr gehoert ins Zeughaus und die Sportschuetzen sollen ihre Waffe beim jeweiligen Schuetzenverein abgeben! Was fuer ein Schwachsinn wenn Leute von Tadition und Symbolkarakter reden! Wir haben bald 2009, Willi Tell ist Vergangenheit, heute werden unschuldige Menschen von psychisch kranken der NEUZEIT erschossen! Tolle Tradition! Wenn ich sowas hoere, wie politisch nicht machbar ...kotz!
Dass Kriegsmaterial im Küchenschrank nichts zu suchen hat, ist nun wirklich jedem klar. Es wäre auch ein Thema für die SBB, ob man in den Wagons Schusswaffen transportieren darf. Sobald für die Wehrmänner die Aufbewahrungspflicht der Waffe zu Hause entfällt, braucht es auch diese absurde Ausnahme nicht mehr.
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