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Die Frauen in der Schweizer Geschichte gibt es – man müsste nur genauer hinschauen.

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Es dauert meist nicht lange, bis der Satz fällt, der noch immer die traditionelle Beziehung der Geschlechter beschreibt: «Meine Frau hält mir den Rücken frei.» Nimmt man ihn ernst, so wird klar, warum man die Frauen bei dieser wichtigen Aufgabe nicht sehen kann. Sie stehen ja hinter den Männern, denen wir – auch im historischen Blick – lieber ins Gesicht als auf den bald kahlen Scheitel schauen.

Was im Leben so ist, kann im Fernsehen nicht anders sein, zumal in der detailgenauen Wiedergabe von Schweizer Geschichte, wie sie sich SRF in der vierteiligen Dokufiction «Die Schweizer» nun vornimmt.

Was im Leben nie so war, sollte allerdings auch im Fernsehen anders sein. Geschichte ist nämlich kein Mumifizierungsplatz für Stereotypen, kein Kästchen, das einmal mit Fakten gefüllt und dann durch die Zeit getragen wird. Geschichte ist das, was Menschen dazu machen. Oder in den Worten Voltaires: «Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.»

Mythos der wenigen grossen Männer

Wahr ist, dass die Schweizer Geschichte keine Jeanne d’Arc oder Katharina die Grosse hat, die sich vortrefflich in ein historisches Heldenepos fügen. Wahr ist auch, dass Geschichte(n)-Erzählen schwieriger wird, wenn man sie nicht einfach auf grosse Namen, Kabale und Konflikte reduzieren kann.

Die Frauen in der Schweizer Geschichte sind weniger sichtbar als die Männer. Aber es gibt sie. Man muss nur genauer hinschauen, gerade auch beim Fernsehen. Die US-amerikanische Soziologin Gaye Tuchman hat 1978 ihre berühmte These von der «symbolischen Verleugnung» der Frauen durch die Medien formuliert: Wer in den Medien nicht präsent ist, der existiert nicht. SRF sucht die Frauen in Philosophie und Kunst («cherchez la femme») und schiebt sie an den Bildrand, ins Rahmenprogramm. Die Primetime gehört den Helden und Haudegen.

Dem Mythos der wenigen grossen Männer, die Geschichte geschrieben haben, hält man so ziemlich gut den Rücken frei. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.10.2013, 07:45 Uhr)

* Im Rahmen der Aktion #sesseltausch ist Miriam Meckel in dieser Woche Chefredaktorin. Res Strehle übernimmt bis Freitag ihre Professur an der Uni St. Gallen.

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