Schweiz
TV-Kritik: «Links und vernünftig ist dasselbe»
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 20.09.2011 242 Kommentare
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Die Schweiz ist arm an Intellektuellen. Einer der wenigen ist Jean – geborener Hans – Ziegler aus Thun im Berner Oberland, der sich als «weisser Neger» bezeichnet und Schuld fühlt wegen dem, was die Weissen dem schwarzen Kontinent durch Kolonialisierung und Ausbeutung angetan haben.
Am Montagabend war Ziegler in der Sendung «Schawinski» auf SF1 zu Gast. Es war ein Gespräch der angenehmeren Sorte: Weniger Hickhack, mehr Zwischentöne. Das muss daran gelegen haben, dass Roger Schawinski den 77-jährigen, weitgereisten Uno-Menschenrechtsrat bewundert und dessen Charme erliegt, wie das die meisten Gesprächspartner tun. Anderseits erschweren Zieglers langatmige, theoretisch-philosophischen Ausführungen, ihm ins Wort zu fallen.
Emotionen und Obsessionen
Der ehemalige Sorbonne-Professor für Soziologie findet auch auf einfache Fragen metaphysische Antworten. «Ein banaler Mensch», antwortet er zuerst auf die Frage, wer er sei, um dann Jean-Paul Sartre zu zitieren. Dieser hatte von sich gesagt, er sei aus allen Menschen gemacht. Das treffe auch auf ihn, Jean Ziegler, zu. «Alle haben mich gemacht, am meisten die Frauen.» Leider wird dies nicht näher erörtert, nur mit einem Hinweis auf Zieglers früheres Dasein als Frauenheld ergänzt.
Die Menschen seien nicht von Vernunft beherrscht, sondern von Emotionen und Obsessionen, so Zieglers Erkenntnis. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind, sagte er. Als weisser Schweizer mit hohem IQ und guter Ausbildung muss er dagegen ankämpfen. Das ist Emotion, nicht Vernunft.
«Nicht einfach die ‹NZZ› runterleiern»
Schawinski knüpfte an: «Du bist wirklich nicht von Vernunft geleitet. Du hast ein Faible für sozialistische Diktatoren aus der dritten Welt.» Darauf wurden Bilder mit Zieglers (Ex-)Freunden auf den wackligen Flachbildschirm projiziert: Haile Mengistu, Laurant Gbagbo, Hugo Chavez, Muammar al-Ghadhafi. Manchmal ist Ziegler verletzbar, bei al-Ghadhafi zum Beispiel. Er verteidigt sich vehement: Jeder vernünftige Linke - «links und vernünftig ist dasselbe» - habe al-Ghadhafi 1974 bei der Verstaatlichung der Erdölindustrie bewundert.
Unbeeindruckt gibt sich Ziegler in Sachen Chavez und Gbagbo. Hugo Chavez mag die Medienunternehmen in Venezuela dichtgemacht haben; die Eliminierung der Kinderblindheit zählt für Ziegler mehr. Und die Abwahl von Laurant Gbagbo in der Elfenbeinküste zweifelt er an: «Das sagen Frankreich, die UNO und Schawinski. Du musst nicht einfach die ‹NZZ› runterleiern.» Geregelte Wahlen in einem derart entzwei geteilten Land sind laut Ziegler nicht möglich.
Die Bösesten sind die Banken
Ziegler habe im Fall al-Ghadhafi im März 2011 einfach die Seiten gewechselt, als er den Nato-Eingriff in Libyen guthiess, tadelte Schawinski. Ziegler entgegnete: «Ich war immer für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität». Gelassen parierte Ziegler auch die Frontalattacke, er habe mit seinem Engagement wenig erreicht, ganz im Gegensatz zum französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy, der von Benghazi aus Nicolas Sarkozy informiert und damit das Weltgeschehen beeinflusst habe. Ziegler antwortete: «Als Soziologe kannst Du entweder Vorlesungen halten, bis die Studenten davonlaufen, oder rausgehen. Meine Bücher wurden ins Arabische übersetzt.»
Wer denn die bösesten Diktatoren gewesen seien, wollte Schawinski zum Schluss wissen. Das waren Oscar Berger in Guatemala und, noch mehr, Mamadou Tandja in Niger. Doch die wirklich bösen, betonte Ziegler, seien die Banken, die ihre Hilfe fürs Welternährungsprogramm wegen der Finanzdebakel reduziert hätten. Und jetzt ist er wieder in seiner Mission: «Diese Verbrecher gehören vor ein Nürnberger Gericht gestellt!» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.09.2011, 06:28 Uhr
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"Links und vernünftig sind . . ." Was für eine anmassende Ueberschrift! Was die Folgen der linken Schuldenideologie sind, können wir aktuell täglich auf den Wirtschaftsseiten lesen. Die Panik um den Euro lässt sich kaum mehr steigern. Antworten
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