Tessiner Regierung drängt 17 Gemeinden zur Fusion

Aktualisiert am 16.10.2009

Der Region um Locarno droht der wirtschaftliche Niedergang. Deshalb schlägt die Kantonsregierung einen Zusammenschluss im Locarnese vor.

Locarnese

Die Tessiner Regierung will den Zusammenschluss von 17 Gemeinden rund um Locarno forcieren. In einem ersten Schritt werden 5500 Personen befragt. Man wolle eine Diskussion über die Zukunft des Locarnese provozieren, sagte Justizdirektor Luigi Pedrazzini (CVP) am Freitag in Bellinzona vor den Medien. Die negative Entwicklung der Region müsse gestoppt werden. Pedrazzini verwies darauf, dass im Kanton Tessin zwischen 2001 und 2005 die Zahl der Arbeitsplätze um 3 Prozent zugenommen habe. Im gleichen Zeitraum habe das Locarnese jedoch einen Stellenrückgang von 4 Prozent verzeichnet.

Bedenklich ist auch die Entwicklung der Tourismusbranche. Zwar ist die Gegend am Lago Maggiore nach wie vor das touristische Zugpferd des Tessins. Doch die Tendenz zeigt nach unten. So verlor die Region zwischen 1992 und 2007 zehn Prozent ihrer Hotelbetten. Bei den Übernachtungen wurde ein Minus von 12 Prozent verzeichnet, und die Verweildauer der Gäste sank von 4 auf 2,8 Tage.

Politische Zerstrittenheit als Manko

Nicht unschuldig an dieser Entwicklung seien die für ihre Streitlust bekannten Locarnesi. Pedrazzini wies darauf hin, dass die Realisierung des regionalen Bäderzentrums über 15 Jahre dauerte. Auch über andere fundamentale Projekte werde gestritten. In der «politischen Zerstückelung» hat der Justizdirektor denn auch eines der grössten Manko des Locarnese ausgemacht. Derzeit gibt es rund 1700 öffentliche Ämter.

Um die Region mit ihren 52'600 Einwohnern zu verwalten, sind jedoch laut Pedrazzini 200 Personen mehr als ausreichend. Deshalb strebt der Kanton eine Bündelung der Kräfte mittels Gemeindefusionen an. In einer repräsentativen Umfrage will die Kantonsregierung nun den Puls der Bevölkerung tasten. «Die Bürger sind für Fusionsszenarien vielfach offener als die Politiker», sagte Finanzdirektorin Laura Sadis (FDP). Die Resultate der Volksbefragung sollen bis Anfang 2010 vorliegen. (vin/sda)

Erstellt: 16.10.2009, 15:31 Uhr

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