Tierschützer geben chinesischer Medizin Schuld am Delfin-Sterben

Im Conny-Land wurden Schmerzmittel aus chinesischer Produktion gefunden und beschlagnahmt.

«Verschiedene Medikamente sichergestellt»: Die Delfinlagune im Conny-Land Lipperswil, wo im Sommer die Delfin-Shows stattfinden.

«Verschiedene Medikamente sichergestellt»: Die Delfinlagune im Conny-Land Lipperswil, wo im Sommer die Delfin-Shows stattfinden. Bild: Keystone

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Im Fall der zwei verstorbenen Delfine im Conny-Land bringen Tierschützer nach der Technoparty-These nun eine neue Version einer möglichen Todesursache ins Spiel. Dabei werden erneut happige Vorwürfe an die Betreiber des Vergnügungsparks laut. Diese sollen den Meeressäugern das Antibiotikum Amoxicilline und die chinesische Kräuterrezeptur Yunnan Baiyao verabreicht haben. Diese Substanzen seien den Delfinen unter die Futterfische gemischt worden, obwohl die Hersteller der Rezeptur nach Anwendung der Arznei vom Fischessen abraten. Dies gilt allerdings nur für Menschen und nicht explizit für Meeressäuger.

Gemäss Jürgen Ortmüller, Geschäfts- und Wortführer des Wal- und Delfinschutzforums (WSDF) hat der Kreuzlinger Staatsanwalt Patrick Müller ihm gegenüber bestätigt, dass er den Forensisch-Naturwissenschaftlichen Dienst der Kantonspolizei St. Gallen damit beauftragt hat, «verschiedene im Delfinarium vorhandenen Medikamente sicherzustellen, mitunter auch das chinesische Präparat». Die Substanzen sollen mit den Ergebnissen aus den Delfin-Obduktionen die in Zürich vorgenommen werden, abgeglichen werden.

«Alle das Gleiche gefressen»

Der von Ortmüller zitierte Staatsanwalt Patrick Müller war gestern Abend für eine Stellungnahme ebenso wenig zu erreichen, wie Conny-Land-Geschäftsführer Erich Brandenberger. Conny-Land-Delfinpfleger Denis K. erklärte gegenüber dem TA, dass die Delfine alle dasselbe Futter verabreicht bekommen hätten und dass auch alle Delfine mit dem gleichen Wasser in Kontakt gekommen seien. Damit falle eine weitere These der Tierschützer ausser Betracht. Diese sagten gestern, dass die Delfine mit verunreinigtem Wasser einer Aussenanlage in Berührung gekommen seien, was ihre Gesundheit geschwächt habe. «Wenn dem so wäre, dann wäre das sechs Monate alte Jungtier mit dem noch am schwächsten ausgebildeten Immunsystem als Erstes gestorben», sagt Denis K., der mit seinen vier Trainerkollegen mit den Delfinen arbeitet. «Diesem ging und geht es jedoch den Umständen entsprechend immer gut.»

Bis zur definitiven Klärung der Todesursache von Shadow (8) und Chelmers (30) dürften noch mehrere Wochen vergehen. In der Zwischenzeit werden die Delfine nach Auskünften von Brandenberger, der nach wie vor davon überzeugt ist, dass die Tiere vergiftet worden sind, rund um die Uhr überwacht. Nach dem Ansturm vom Montag, als der zweite Todesfall innert einer Woche bekannt geworden war, scheinen die Sicherheitsvorkehrungen jedoch wieder zurückgefahren worden zu sein. Externes Wachpersonal ist keines zu sehen, und auch der Zutritt zum Gelände des Conny-Land ist nicht so rigoros abgeriegelt, wie diverse Medienberichte vermuten lassen.

Gasser vermittelt Gespräch

Dass bei der Betreiberfamilie Gasser keine Paranoia herrscht, was Eindringlinge anbelangt, zeigt auch der Umstand, dass das Direktionsbüro und das Seelöwenbecken über eine Baustelle ohne Hindernisse zu erreichen sind und Chef-Delfintrainerin Nadja Gasser auch ein Gespräch mit Delfinbetreuer Denis K. vermittelte. Der 26-jährige ausgebildete Tierpfleger, der seit seinem 15. Lebensjahr mit Delfinen arbeitet und sein Handwerk im Norddeutschen Heidepark gelernt hat, zeigte sich ob der Todesfälle bestürzt. «In elf Jahren meiner Berufstätigkeit habe ich noch nie ein Tier so schnell sterben sehen. Geschweige denn zwei in einer einzigen Woche», sagt K. Zwar wolle er niemanden, erst recht nicht Tierschützer, beschuldigen, die Tiere vergiftet zu haben, doch das Unbehagen, dass «irgendein Wahnsinniger, der da draussen rumläuft», nun auch ein bisschen Aufmerksamkeit abhaben möchte und «etwas Unüberlegtes tut oder getan hat», das bleibe.

Der Tagesablauf für die Tiere wird derweil nicht geändert. Spiel- und Trainingseinheiten werden auch derzeit wie in der ganzen Wintersaison sieben Tage die Woche angeboten, Delfine und Seelöwen abwechslungsweise betreut. Die Delfinbetreuer stellen dabei fest, dass die Todesfälle auch die hinterbliebenen Delfine beschäftigen. Sie seien ruhiger und weniger verspielt. Dies insbesondere seit Oberhaupt Chelmers nicht mehr in der Gruppe sei. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.11.2011, 22:46 Uhr

Delfinarzt kommt häufig

Die empfindlichen Meeressäuger werden auch im Conny-Land kontinuierlich medizinisch überwacht. Dies deshalb, weil es nicht möglich ist, Delfine in einem Notfall zu operieren, da sie in Narkose nicht wie Menschen weiteratmen können. Die Tierschützer des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) behaupten, die Delfine im Conny-Land würden viel zu viele und auch zu hohe Dosen an Medikamenten, insbesondere Antibiotika, verabreicht bekommen. Dem widerspricht Delfintrainer Denis K., der darauf hinweist, dass auch Delfine gegen Antibiotika Resistenzen entwickeln, wenn diese zu oft oder unsachgemäss eingesetzt werden.

Auf die Gesundheitschecks, zu denen auch Blutabnahmen und Urinproben gehören werden die Delfine in speziellen Trainings­einheiten, sogenannten Medical Sessions, vorbereitet. Die Delfine müssen daran gewöhnt werden, in solchen Situationen nicht zu flüchten, wie sie es in freier Wildbahn tun würden. (thi)

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