Tierversuche: Die Erfolgskontrolle fehlt
Von Felix Maise. Aktualisiert am 27.12.2010 19 Kommentare
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Wer in der Forschung Tiere einsetzt, muss genau begründen, weshalb deren Einsatz nötig ist. Laut Tierschutzgesetz sind Tierversuche auf das unerlässliche Mass zu beschränken. Seit Jahren kritisieren Tierschützer, dass die Bewilligungsbehörden den Forschern gegenüber nicht streng genug seien. Mehrere politisch unverdächtige Studien haben in den letzten Jahren den grundsätzlichen Stellenwert von Tierversuchen relativiert. So kommt etwa die «US-Food and Drug Administration» zum Schluss, dass die Effizienz von Tierversuchen, aus denen letztlich neue Medikamente entwickelt werden sollen, derzeit unter 10 Prozent liege. Welche Ergebnisse Tierversuche tatsächlich erbringen, ist bis heute noch wenig erforscht.
Deshalb wollte Toni Lindl, Professor am Münchener Institut für angewandte Zellkultur, anhand der in der Schweiz zwischen 2001 und 2004 bewilligten und seither abgeschlossenen Versuche des für die Tiere besonders belastenden Schweregrads 3 eine Erfolgskontrolle vornehmen. Lindl hat vor ein paar Jahren ein vergleichbares Projekt an drei bayrischen Universitäten durchgeführt. Dabei ging es ausschliesslich darum, festzustellen, ob die Wissenschafter das in den Bewilligungsanträgen selber postulierte Versuchsziel erreichen konnten.
Nutzen bescheiden
Analysiert wurden dazu die von den Forschern verfassten Publikationen und die Zitierung und übrigen Spuren ihrer Resultate in weiteren Forschungen, Publikationen, Patenten, Verträgen oder klinischen Studien. Lindls Befund war ernüchternd: Nur rund 30 Prozent der Versuche hielten den von den Forschern formulierten Erwartungen stand – gar nur bei 4 Prozent konnte ein direkter Zusammenhang zwischen Befunden aus dem Tierversuch und dem Mensch gefunden werden.
Nach demselben Muster wollte Lindl die bewilligten Schweizer Tierversuche des Schweregrads 3 rückblickend evaluieren. Angefragt hatte ihn der Schweizer Tierschutz (STS), der sein Forschungsgesuch ans Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) veranlasst und begleitet hatte. «Eine Studie zur Qualität und Aussagekraft von in der Schweiz durchgeführten Tierversuchen ist grundsätzlich zu befürworten», hatte der Bundesrat im Mai 2009 auf eine Interpellation der grünen Baselbieter Nationalrätin Maya Graf geantwortet und eine Prüfung des Anliegens im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten in Aussicht gestellt. Das Projekt schien auf guten Wegen.
Die Hoffnung der Tierschützer zerschlug sich ein Jahr später. Am 13. Juli beschied das BVET in einem dem TA vorliegenden Brief dem Münchener Professor, dass sein Projekt abgelehnt werde. «Die Entscheidung gründet auf dem Fehlen klarer Kriterien und Evaluationsmethoden im Studiendesign und dem unrealistisch hohen Kostenrahmen. Wir empfehlen Ihnen, das Projekt zusammen mit Partnern aus der Tierversuchsbranche zu überarbeiten, weil deren Kooperation zum Erlangen des Versuchsziels Voraussetzung ist», heisst es in dem 11-Zeilen-Schreiben.
Auch Stiftung 3R winkte ab
Lindl wies die Pauschalkritik an seiner Projekteingabe zurück und versuchte gleichzeitig, in der Stiftung Forschung 3R, die sich der Reduktion, der Verfeinerung und dem Ersatz von Tierversuchen verschrieben hat, den vom Bundesamt empfohlenen «Partner aus der Tierversuchsbranche» zu finden. Doch Professor Peter Maier, wissenschaftlicher Berater der Stiftung, erteilte Lindl ebenfalls eine Absage. Tenor: Nur über das BVET und in enger Zusammenarbeit mit den Tierschutzbeauftragten der betroffenen Institutionen sei eine Evaluation der Tierversuche möglich.
Bundesamt lenkt ein
Ohne direkten Kontakt mit den Tierexperimentatoren hätte er seine Studie gar nicht durchführen können, kontert Lindl die Kritik. «Ich bin enttäuscht über die Passivität des Bundesamts als auch von 3R», sagt Julika Fitzi, Tierärztin und Tierversuchs-Fachfrau des STS dazu. «Aus Angst vor dem möglichen Ergebnis will man eine Erfolgskontrolle, wie sie sonst überall üblich ist, bei Tierversuchen offenbar einfach nicht.» Seit der Absage an Lindl habe der STS vom BVET in der Angelegenheit nichts mehr gehört. Auf Anfrage des TA reagiert das Bundesamt jetzt: BVET-Sprecher Marcel Falk verteidigt die Ablehnung von Lindls Gesuch, betont aber, dass auch das Bundesamt die Fragestellung «als sehr relevant» beurteile. Man werde sich im ersten Quartal 2011 an den STS wenden mit dem Ziel, «ein entsprechendes Projekt in Auftrag zu geben». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.12.2010, 07:37 Uhr
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Insbesondere die Kosmetikindustrie führt zu unnützen Tierversuchen. Es gibt 1000e Duschgel-, Parfüm-, Lippenstiftsorten. Der tierversuchbasierten Invention neuer Produkte sollte ein Riegel vorgeschoben werden: Importverbot für neue Produkte, welche auf Tierversuchen basieren. Die Konsumierenden können einen Beitrag Leisten, indem sie Naturkosmetik kaufen. Antworten
Ist das Verbot der Grundlagenforschung das Ziel? Der Befund ist nicht ernüchtern, der Befund widerspiegelt die Grundlagenforschung. Der STS ist eine reine Extremistenvereinigung, die jegliche Grundlagenforschung in der Schweiz abschaffen will. Aber von den Ergebnissen profitieren wollen auch die Extremisten. Antworten






