Aufregung im Bundeshaus: Toni Brunner machte für SF heimlich Tonaufnahmen

Aktualisiert am 19.12.2008 126 Kommentare

Das Schweizer Fernsehen (SF) hat Tonaufnahmen von Ursula Wyss (SP) aus dem Nationalratsaal ohne ihr Wissen verwendet. Aufgenommen wurde sie von SVP-Chef Toni Brunner.

Toni Brunner hat an seinem Veston ein Mikrofon angesteckt.

Toni Brunner hat an seinem Veston ein Mikrofon angesteckt.
Bild: Keystone

Wurde heimlich aufgenommen: SP-Fraktionschefin Ursula Wyss.

Wurde heimlich aufgenommen: SP-Fraktionschefin Ursula Wyss.

Ursula Wyss wurde über ein Knopfmikrofon aufgenommen, das SVP-Parteichef Toni Brunner an seinem Veston angesteckt hatte. Wyss hält die Praxis für unzulässig.

Die Aufnahmen wurden für ein Porträt von Brunner in der Reihe «Reporter» verwendet, bei dem dieser während mehreren Tagen von einem Kamerateam begleitet worden war, wie Redaktionsleiter Christoph Müller zu einem Bericht von «20 Minuten Online» bestätigte. Brunner habe das Mikrofon bei der Wahl im Nationalratssaal bewusst getragen und verschiedene Diskussionspartner auf die Aufnahmesituation aufmerksam gemacht. Laut Müller hätte Brunner das Mikrofon stumm schalten können. Brunner habe aber Aufnahmen gerade auch im Gespräch mit dem Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter explizit zugelassen.

Journalisten haben keinen Zutritt zum Nationalratssaal

Wyss sei dagegen offenbar nicht über die Aufnahmen informiert gewesen. Das Fernsehen habe in der Folge den Fehler gemacht, die SP-Fraktionschefin nicht um die Verwendung der Aufnahmen anzufragen. Allerdings habe es sich um ein harmloses Gespräch über die bekannte SP-Haltung zum SVP-Zweiterticket gehandelt, das in keiner Weise als Eindringen in die Privatsphäre zu werten sei. «Es war nie unsere Absicht, versteckte Ton- oder Bildaufnahmen zu machen», erklärte Müller.

Sie gehe davon aus, dass das Vorgehen unzulässig sei, sagte Wyss auf Anfrage und will allfällige rechtliche Schritte abklären. Nicht umsonst hätten nur Fotografen, nicht aber Journalisten Zutritt zum Nationalratssaal. Es sei im weiteren ein Unterschied, ob jemand am Saalmikrofon rede oder Parlamentarier unter sich sprächen.

Im zweiten Fall gehe sie davon aus, dass sie nicht aufgenommen werde. Das Mikrofon an Brunners Veston sei ihr denn auch nicht aufgefallen. «Ich rechne nicht damit, dass ein Parlamentarier mit offenem Mikrofon durch den Saal läuft», sagte Wyss. Sie schloss nicht aus, dass der Fall in der Sitzung des Büros des Nationalrats vom Freitag noch zur Sprache kommen könnte. (bru/ap)

Erstellt: 19.12.2008, 07:34 Uhr

126

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

126 Kommentare

samuel wyss

20.12.2008, 00:07 Uhr
Melden

Das passt zu Toni Brunner. Fragt sich nur noch,wieviel Geld dafür geflossen ist. Vertrauensbrüchige gehören nicht in eine Parteispitze. Antworten


Bernd Kaiser

18.12.2008, 20:47 Uhr
Melden

Wohlbemerkt, ich bin kein »Linker«, aber ist Euch allen schon einmal aufgefallen, dass sobald ein Befürworter der SVP hier schreibt, zum einen die Sprache stümperhaft ist, zum anderen sie nicht mal die Orthografie beherrschen? Das ist meine grösste Sorge: diese Menschen wählen und diese Menschen wählen ihresgleichen. Arme Schweiz, oder? Grüsse Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Schweiz

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

CONTROLLING-SPEZIALIST Medici & Sprecher AG, OW UR SZ ...

Head Human Resources Maschinenfabrik Rieter AG, Winterthur

stellvertretende Leiterin Qualitätsmanagement 80-100% (w/m) Midor AG, Meilen