Schweiz

Totenglocken für das Schweizer Bankgeheimnis

Aktualisiert am 14.03.2009 123 Kommentare

Die Lockerung des Schweizer Bankgeheimnisses sorgt auch im Ausland für Schlagzeilen. Führende Zeitungen berichteten auf den Frontseiten über die Konzessionen des Bundesrates.

Für die «Financial Times» war der Beschluss des Bundesrats am Samstag der Frontaufmacher. Neben dem Korrespondentenbericht unter dem Titel «Schweizer geben Boden beim Bankgeheimnis preis» griff das Blatt das Thema in drei weiteren Beiträgen auf. Die Steuerparadiese seien nach der Schweizer Kapitulation auf dem Rückzug, heisst es in einem Beitrag mit Reaktionen aus anderen Ländern und einer Liste samt Karte von zwölf weiteren Finanzplätzen.

Im Kommentar wird auch die Situation Grossbritanniens erwähnt, das in mit Nachsicht behandelten Überseeterritorien und assoziierten Gebieten mit der Schweiz in der Vermögensverwaltung in Konkurrenz stehe. In einer juristischen Kolumne werden moralische Gründe für Fluchtgelder aufgeführt, die bei der Jagd auf Offshore-Bankzentren nicht vergessen werden sollten.

Die OECD müsse für anhaltenden Druck sorgen

Die Kreditklemme habe etwas erreicht, was die Welt seit über 70 Jahren versucht habe: die Schweizer zu mehr Informationen darüber zu bewegen, wer wie viel auf den geheimen Bankkonten versteckt habe, kommentierte der «Independent». Allerdings bleibe die Frage, wie ehrenhaft die Absichten der Schweiz tatsächlich seien. Sollte es sich nur um heisse Luft halten, müsse die OECD für anhaltenden Druck sorgen.

«Schweiz gibt ihr heiliges Bankgeheimnis auf», heisst es über dem Frontaufmacher der deutschen Zeitung «Die Welt», für die die Lockerung des Bankgeheimnisses einer Sensation gleichkommt. In einem Kommentar weist das Blatt darauf hin, dass die Steueroasen nur ein Symptom seien. So werde gerade der deutsche Fiskus diesen «Sieg» nicht in höhere Erträge ummünzen können, wenn sich nicht grundsätzlich etwas ändere. Denn das Hauptproblem sei das falsche Verständnis für die Kapitalflucht aus Deutschland.

«So löste sich der moralische Lack»

Das «Ende der Geheimnisse» sagt hingegen die «Süddeutsche Zeitung» voraus. Wie in vielen anderen Berichten wird das Nachgeben der Schweiz und anderer Länder auf den Druck der G-20-Länder zurückgeführt. Nun gelobten diese Staaten mit einem Eifer Besserung, der noch vor einem Jahr undenkbar gewesen wäre. «So löste sich der moralische Lack, mit dem sich die Steueroptimierungs-Industrie jahrelang gegen Kritik imprägniert hatte», heisst es im Kommentar.

Die «International Herald Tribune» kommt zum Schluss, dass nach den Beschlüssen der Schweiz, Österreichs und Luxemburgs nur noch eine Handvoll von Plätzen wie Gibraltar oder Panama übrig bleibe, die als wirkliche Steueroasen gelten könnten. Die «New York Times» fordert in einem Kommentar weitergehende Massnahmen der US-Regierung und auf internationaler Ebene gegen die Steuerflucht.

Die Totenglocken läuten

Für die Römer «Repubblica» haben am Freitag dem 13. die Totenglocken für das Schweizer Bankgeheimnis geläutet. Innerhalb eines Monats habe die Schweiz nachgegeben, nachdem sie von Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA in die Zange genommen worden sei.

Vom Fall einer Mauer auf dem grössten Offshore-Finanzplatz der Welt schrieb der «Corriere della Sera». Im Pariser «Figaro» wurde auf die Genugtuung von Präsident Nicolas Sarkozy hingewiesen, der das Nachgeben der Schweiz, Österreichs und Luxemburgs auf die Entschlossenheit Frankreichs und Deutschlands im Kampf gegen die Steuerflucht zurückführe.

Für den Wiener «Standard», der die Entscheidungen in Wien, Bern und Luxemburg zusammenfasste, wird das Bankgeheimnis nur ein bisschen gelüftet. (bru/ap)

Erstellt: 14.03.2009, 11:22 Uhr

123

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

123 Kommentare

Hans Meier

13.03.2009, 14:53 Uhr
Melden

Wenn wir uns hier schon erpressen lassen, dann hoffe ich, dass wir endlich den EU Verkehr auf die Schiene bringen denn da müssen wir auch mal "hart" sein! Antworten


Matthias Aregger

13.03.2009, 14:46 Uhr
Melden

Zu sagen,.. "in allen Bereichen ist die Schweiz immer ein Trittbrettfahrer,viel nehmen und nichts geben".., offenbart einen populistischen Extremismus und ist dummer Boulevard. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.