«Tremonti will sich mit seiner Kampagne profilieren»

Die Schweiz habe für Italien an Gewicht verloren, sagt der Tessiner Ständerat und Italienkenner Filippo Lombardi. Die Gefahr, die von Finanzminister Giulio Tremonti ausgehe, müsse die Schweiz sehr ernst nehmen.

«Es ist leider so, dass die Befindlichkeit der Schweiz in Italien bei niemanden hoch oben auf der Prioritätenliste steht»: Ständerat Filippo Lombardi.

«Es ist leider so, dass die Befindlichkeit der Schweiz in Italien bei niemanden hoch oben auf der Prioritätenliste steht»: Ständerat Filippo Lombardi.
Bild: Keystone

Für den Tessiner Ständerat Filippo Lombardi ist klar: Der Bundesrat sollte nach den Razzien gegen Schweizer Banken in Italien eine scharfe Protestnote nach Rom schicken. «Dann sollte die Schweiz die Verhandlungen über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen sistieren, bis die Lage geklärt ist», sagt er gegenüber der «Aargauer Zeitung». Auch Lombardi will aktiv werden: Als Präsident der Delegation für die Beziehungen zum italienischen Parlament wird er seinen Kontaktleuten weiterleiten, dass das diskriminierende Verhalten Italiens nicht angehe. «Wir sind auf gute Beziehungen angewiesen».

Auf die Frage, ob die Schweiz in Italien noch Verbündete hat, antwortet Lombardi zurückhaltend: «Es ist leider so, dass die Befindlichkeit der Schweiz in Italien bei niemanden hoch oben auf der Prioritätenliste steht.» Früher habe das Land der Schweiz mehr Gewicht beigemessen. Dabei gibt Lombardi zu Bedenken, dass auch die Schweiz ihr Scherflein dazu beigetragen hat. So sei der Posten des Schweizer Botschafters in Rom nach dessen Tod vor einigen Monaten immer noch verwaist. «Man hätte die Nachfolge wohl schneller regeln können», sagt er der «Aargauer Zeitung».

«Wir müssen diese Gefahr sehr ernst nehmen!»

Er nimmt an, dass der Bedeutungsverlust vor allem mit der Polarisierung der italienischen Politik in den letzten Jahren zusammenhänge. «Tremonti will sich mit seiner Steueramnestie und der Kampagne gegen die Schweiz profilieren, auch gegenüber Ministerpräsident Berlusconi». Seine Warnung ist daher deutlich: «Wir müssen diese Gefahr sehr ernst nehmen!». Tremonti habe in seinem vorherigen Beruf als Wirtschaftsanwalt selber bedeutende Beträge auf Schweizer Konti transferiert, er kenne sich also bestens aus. (cha)

Erstellt: 29.10.2009, 08:43 Uhr

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