Schweiz

Trinkfreudige Autofahrer in der Romandie

Aktualisiert am 01.11.2010 8 Kommentare

Eine neue Statistik deckt markante regionale Unterschiede in der Verkehrssicherheit auf: In der Romandie gibt es besonders viele Temposünder. Die meisten Unfälle passieren aber anderswo.

Jeder fünfte Unfall geschieht in der Romandie unter Alkoholeinfluss: Verkehrskontrolle in Genf.

Jeder fünfte Unfall geschieht in der Romandie unter Alkoholeinfluss: Verkehrskontrolle in Genf.
Bild: Keystone

Schweizer Strassen werden immer sicherer - aber nicht überall. Im Tessin ist das Risiko, in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt zu werden, fast doppelt so hoch wie in der Deutschschweiz. Die Romands ihrerseits tun sich schwer mit Tempo und Promillen.

Eine Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hat markante regionale Unterschiede beim Unfallgeschehen ergeben. So ist etwa in der Deutschschweiz die Zahl der schweren Motorradunfälle in den letzten zehn Jahren stabil geblieben, während sie sich im Tessin fast verdoppelt hat.

Fast die Hälfte der Schwerverletzten sind dort Motorradfahrer. Dagegen leben Velofahrer nirgends gefährlicher als in der Deutschschweiz. Und in der Romandie gibt es doppelt so viele schwere Unfälle bei Tempo-Exzessen wie im Tessin.

Mühe mit Alkohol und Gurten

Mühe bekundet die lateinische Schweiz mit Alkohol am Steuer: Während 2007 in der Deutschschweiz 11 Prozent aller Unfälle mit Toten oder Schwerverletzten auf Alkohol zurückzuführen waren, lag der Anteil im Tessin bei 19 und in der Romandie bei 21 Prozent.

Ein Drittel der Unfallbeteiligten trugen in diesen Sprachregionen keinen Sicherheitsgurt. In der Deutschschweiz war es nur gut ein Fünftel.

Das vom Bundesrat vorgeschlagene Massnahmenpaket Via Sicura trägt diesen regionalen Unterschieden nicht unmittelbar Rechnung. Beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) sieht man auch zusätzlichen Handlungsbedarf für den Bund, wie ASTRA-Sprecher Antonello Laveglia am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Die bfu dagegen hat aufgrund der Ergebnisse der Studie ihre Aktivitäten inzwischen gezielt auf die verschiedenen Landesteile zugeschnitten. Gurtentrag-Kampagnen würden vor allem in der Romandie und im Tessin durchgeführt, sagte bfu-Sprecher Rolf Moning auf Anfrage.

Als Werbeflächen würden dort auch Schlagbäume in Parkhäusern und Brotsäcke in den Bäckereien benutzt. In Lausanne konnten Interessierte in einem Crash-Test die Wirkung eines Unfalls unmittelbar erleben. Partner bei der Unfallverhütung sind auch Interessengruppen wie Motorradverbände.

Kantone in der Verantwortung

Wichtigste Ansprechpartner sind laut bfu-Sprecher Moning aber die Kantone selber. «Wir schauen mit den kantonalen Behörden, welche Massnahmen sich aufdrängen.» Im Tessin etwa ging es speziell um das Problem der Unfälle auf Fussgängerstreifen.

Spielraum haben die Kantone auch bei der Durchführung von Verkehrskontrollen. Diese seien wichtig, denn je eher die Verkehrsteilnehmer mit einer Kontrolle rechneten, umso besser hielten sie die Verkehrsregeln ein, sagte Moning.

Die bfu schaltet sich auch ein, wenn es um die Entschärfung besonders gefährlicher Strassenabschnitte geht. Die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur ist in Via Sicura vorgesehen.

Wenn ein Kanton feststelle, dass viele Unfälle auf die Strasse selber zurückzuführen sind, könne er im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms bei dieser Massnahme einen Schwerpunkt setzen, sagte der bfu-Sprecher. (mrs/sda)

Erstellt: 01.11.2010, 19:38 Uhr

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8 Kommentare

Markus Kostezer

01.11.2010, 19:56 Uhr
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Eine gemütlich-besonnene Fahrweise gibt es nur, wenn die Fahrzeuge dazu animieren. Das Rennzeug aber ist ein gutes Business, denn die Kracher kosten das Doppelte und werden viel schneller verschossen und das wissen die Hersteller. - Also wozu ein Audi SR4 oder ein BMW M3? Verschossene starke 3er BMW habe ich schon viele an den Strassenrändern gesehen, meist im Frühsommer. Antworten


Philip Santschi

01.11.2010, 22:39 Uhr
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Polizisten für Alkoholkontrollen im Verkehr sind wie Steuerfahnder: Solange sie sich durch die aufgedeckten Vergehen und erhobenen Bussen von selbst bezahlt machen, sollten weitere angestellt und eingesetzt werden. Antworten



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