Triumph der Vernunft

Zum Glück für die ganze Schweiz hat sich Graubünden gegen eine Olympia-Kandidatur entschieden.

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Die Versuchung war da, doch die Bündner Stimmbevölkerung hat ihr widerstanden. Mit einer komfortablen Mehrheit von 53 Prozent hat sie sich gegen eine Olympia-Kandidatur von St. Moritz und Davos ausgesprochen. Vergeblich haben die Promotoren versucht, die Idee kleiner, feiner Spiele schmackhaft zu machen. In einem TV-Spot für sogenannt umweltfreundliche Autos lassen sich solche grün gepinselten Illusionen vielleicht verkaufen – nicht aber in einem Bergkanton, dessen Bevölkerung über einen ausgeprägten Realitätssinn verfügt.

Das Nein ist nicht nur eine schwere Niederlage für das Organisationskomitee um Gian Gilli, sondern auch für die Bündner Regierung, welche die Spiele zur Schicksalsfrage für den Kanton hochstilisiert hat. Grosser Verlierer ist auch Ueli Maurer, der sich als Bundespräsident und Sportminister in einen kantonalen Abstimmungskampf eingemischt und Olympia als nachhaltiges Entwicklungsprojekt für die Schweiz verkauft hat. Von dieser Propagandawalze hat sich die Mehrheit der Bündner nicht überfahren lassen. Die Vernunft hat über die Verführung obsiegt. Zum Glück – für die ganze Schweiz. Explodierende Kosten, Schuldenberge, Bauruinen, Umweltschäden: Diese Risiken blühen dem Land nun nicht.

Jetzt zur Tagesordnung zurückzukehren, wäre allerdings eine vertane Chance. Es brauchte vielmehr eine Debatte darüber, was Nachhaltigkeit für den Kanton Graubünden bedeutet, ja für den ganzen Alpenraum. Der Begriff, mittlerweile völlig entkernt, benötigt Substanz. Nachhaltigkeit könnte zum Beispiel bedeuten, den sanften Tourismus zu stärken, die Rückkehr von abgewanderten Berglern zu fördern oder Kindern vermehrt Wintersport zu ermöglichen. Nichts hindert die Politiker daran, solche Projekte anzupacken, sei es im Kanton Graubünden, sei es beim Bund. Olympia braucht es dazu nicht.

(Erstellt: 03.03.2013, 17:50 Uhr)

«Jetzt zur Tagesordnung zurückzukehren, wäre eine vertane Chance»: TA-Inland-Redaktor Stefan Häne.

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