Ueli Maurer nimmt Stellung zum Armee-Lancia
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 09.12.2009
Die Lancia-Posse
Die Story, so wie sie vom Kassensturz berichtetwurde: Martin Swatek und Adelheid Teucher haben ein Flair für Autos. Gemeinsam sind sie oft unterwegs um Occasionen zu besichtigen. Unvergessen ist eine Ausfahrt im Mai 2009. Kurz vor Bern fällt den beiden Kennern eine Auto-Neuheit auf: ein blitzblanker, neuer Lancia Delta mit Militärnummer. Die Beifahrerin fotografiert das Fahrzeug. Das bemerkt der Lancia Fahrer und bremst. Swatek schickt das Foto dem VBS, dem Department für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Adressat ist Departements-Chef Ueli Maurer. Vom Bundesrat will der diplomierte Automechaniker wissen: «Wie kommt das Militär dazu, solche Fahrzeuge anzuschaffen in dieser Preisklasse?» Martin Swatek schätzt den Neupreis des Lancia-Modells auf ungefähr 51'000 Franken. Für Militärtransporte sei das Auto nicht geeignet. Der Wagen habe zudem keinen Vierradantrieb. Und am Steuer sitze ein junger Fahrer ohne Militäruniform. «Das macht für mich den Anschein einer Spritzfahrt», sagt Swatek. Der Brief hat Folgen – für Martin Swatek. Vom Bundesrat oder seinen Mitarbeitern im VBS erhält er nie eine Antwort. Stattdessen meldet sich schon bald die Kantonspolizei Bern, per Telefon. Swatek: «Ein Kommandant der Kantonspolizei Bern rief mich aufs Handy an. Er war ziemlich forsch und erwähnte meinen Brief, den ich an Bundesrat Maurer geschickt hatte. Der Brief von Martin Swatek an den Bundesrat landet auch beim Lancia-Fahrer, einem Direktunterstellten von Bundesrat Maurer. Der ranghohe Offizier zeigt Martin Swatek an. Vorwurf: unvorsichtiges Wechseln der Fahrspur und Hantieren mit Fotoapparat. Die Berner Untersuchungsbehörden schalten die Kantonspolizei Zürich ein. Das Ganze nimmt immer grössere Ausmasse an. Wochen später erhält Martin Swatek eine Busse über 180 Franken. Grund: Vornehmen einer Verrichtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges erschwert. Konkret: Hantieren mit dem Fotoapparat. Noch ist die Sache für Martin Swatek nicht ausgestanden. Weitere Einvernahmen stehen an. Und das alles nach einer einfachen Frage an den Bundesrat.
Herr Bundesrat, der Kassensturz berichtete gestern, ein Autofahrer sei von der Polizei gebüsst worden, weil er einen Lancia mit Militärkennzeichen fotografiert hat und das Bild an Sie schickte mit der Frage, ob die Armee jetzt Lancias fahre.
Die Geschichte ist nicht bis zu mir durchgedrungen. Ich habe davon aber am Rande gehört.
Der Fall wurde im Kassensturz als Posse dargestellt. Ein übereifriger Bürger macht Sie auf etwas aufmerksam und wird dafür gebüsst.
Soweit mir bekannt wurde, hat ihm die Polizei Fragen gestellt, weil er zu nahe auf den Lancia auffuhr und während der Fahrt fotografierte. Der Lancia-Fahrer hat Angst bekommen. Es handelt sich übrigens um einen super Mitarbeiter.
Erstaunt waren viele, dass die Armee jetzt mit Lancias herumfährt. Sind das die neuen Dienstfahrzeuge der Schweizer Armee?
Der Mitarbeiter war dienstlich mit seinem Privatfahrzeug unterwegs. Soweit ich informiert bin, war es auch kein sehr teurer Lancia.
Mit Armeekennzeichen?
Ja. Das musste er. Er war im Dienst und hat sein Privatfahrzeug dienstlich eingesetzt. Armeeangehörige, die im Dienst sind und ihr Privatfahrzeug dienstlich einsetzen, müssen dieses speziell mit Militärkennzeichen versehen. Das kommt jeden Tag vor und ist nicht aussergewöhnlich. Wir zahlen den Armeeangehörigen in solchen Fällen eine Entschädigung. Die Militärkennzeichen sind nur schon aus versicherungstechnischen Gründen ein Muss.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.12.2009, 12:52 Uhr






