Ueli Maurer stellt Journalisten im Internet an den Pranger

Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer lässt auf der VBS-Homepage Presse-Artikel zerpflücken und kritisiert journalistische Einschätzungen sowie die Autoren.

«Naiver Glaube»: Die VBS-Kritik an einem «BaZ»-Artikel.

«Naiver Glaube»: Die VBS-Kritik an einem «BaZ»-Artikel.
Bild: Reuters

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Die Geschichte erschien am 7. Oktober 2009 im «Blick». Der Artikel handelte davon, dass die Armee genug Geld habe, dass die Generäle das Geld aber falsch ausgeben würden. Auf einer speziellen Seite der VBS-Homepage wird diese Darstellung «als falsch» bezeichnet. Das VBS bestätigt zwar einen Teil der im Artikel beschriebenen Fakten, begründet jedoch den Sachverhalt anders.

Brisant ist die Form, wie diese «angebliche Richtigstellung» erfolgt. Sie figuriert nicht etwa unter den leicht zugänglichen aktuellen Pressemitteilungen des VBS, sondern auf einer speziellen Seite. Man muss wissen, dass es diese Seite gibt, um sie zu finden. Harmlos heisst es dort einleitend, die Seite solle als «Orientierungshilfe dienen». Sie soll wichtige Sachverhalte des Bereichs Verteidigung richtigstellen. Tatsächlich werden Journalisten und Medien damit aber öffentlich an den Pranger gestellt. Und dies offenbar, ohne dass die Betroffenen etwas davon wissen.

Es werden auch Wertungen kritisiert

Die Liste der von Maurers VBS beanstandeten und auf der Seite zerpflückten Artikel ist lang. Dabei werden nicht nur Fakten korrigiert oder richtiggestellt, sondern auch Einschätzungen und Wertungen der Zeitung und des Journalisten kritisiert. Zum Artikel über die «Wellness-Generäle» («Blick» vom 7. Oktober 2009) wird zum Beispiel der Sachverhalt bestätigt, dass im Sommer 2009 die besten Jungschützen des Kantons Graubünden samt ihren Betreuern einen Rundflug mit einem Helikopter des Typs Super Puma absolvieren konnten. «Derartige Flüge dienen aber nicht PR-Zwecken, wie behauptet wird, sondern finden im Rahmen von ordentlichen Flugkrediten der verantwortlichen Kommandanten statt», schreibt das VBS. Was das konkret heisst, wird aber nicht weiter ausgeführt.

Kritisiert wird weiter ein Artikel des «SonntagsBlick» («Frauen zu weich für den Militärdienst?») und der «Mittellandzeitung» («Armee zog kaum Lehren aus dem Drama»). Angekreidet werden der «Berner Zeitung» und anderen Medien, dass sie am Montag und Dienstag, den 15. und 16. März 2009, eine Aussage des Chefs der Armee, Korpskommandant André Blattmann, missverständlich interpretiert hätten. Bei einzelnen Artikeln und Medien-Beiträgen werden die Journalisten mit vollem Namen erwähnt.

Mit vollem Namen aufgeführt

Ein Beispiel dafür ist ein Artikel der am 5. Januar 2009 in der «Basler Zeitung» («Drei Milliarden sind genug») erschienen ist. «In seinem Beitrag lässt der Autor kein gutes Haar an der Armee, die in der Volksabstimmung vom 18. Mai 2003 mit rund 76 Prozent der Stimmen gutgeheissen wurde», kritisiert das VBS. Danach folgt eine Abqualifizierung des Journalisten (Originalzitat: «Zu glauben, dass die Abwehr eines militärischen Angriffs durch die Schweizer Armee im Stile der Hisbollah-Miliz im Libanon stattfinden könnte, ist naiv.»). Danach kommt eine Erklärung, weshalb die Armee mehr Geld benötige als die vom Autor genannten 3 Milliarden.

Auch ein Journalist der «SonntagsZeitung» ist mit vollem Namen aufgeführt – wegen eines Artikels, den er am 1. März 2009 publiziert hat («Armeechef: Neue Kampfjets haben keine Priorität»). Das VBS bezeichnet die Darstellung des Sachverhaltes als falsch. Man könne aus den Aussagen, welche der Armeechef gegenüber der Zeitung machte, nicht den Schluss ziehen, «neue Flugzeuge haben keine Priorität». So hatte die Zeitung den Artikel betitelt. Nach der Kritik folgt auf der VBS-Seite ein Bekenntnis zum Kauf neuer Kampfjets. Dem Armeechef sei eines klar: 33 Kampfflugzeuge F/A-18 genügen nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2009, 23:21 Uhr

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