Schweiz

Um Mitternacht läuft der Countdown für Merz ab

Aktualisiert am 31.08.2009 226 Kommentare

Sollten die beiden Geiseln heute Abend nicht zurück in der Schweiz sein, verliere er sein Gesicht. Dies sagte Hans-Rudolf Merz über sich selbst. Seine Kritiker warten nur darauf.

Da war er noch zuversichtlich: Hans-Rudolf Merz berichtet den Medien von seinem Kniefall in Tripolis.

Da war er noch zuversichtlich: Hans-Rudolf Merz berichtet den Medien von seinem Kniefall in Tripolis.
Bild: Reuters

Heute ist Stichtag: «Spätestens bis zum 1. September sind die Geiseln zurück in der Schweiz», versprach Hans-Rudolf Merz nach seinem Kniefall in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Morgen sollten die beiden Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani also nach einem Jahr Zwangsaufenthalt in Libyen wieder auf Schweizer Boden stehen. Woher nimmt Merz diese Zuversicht? Laut dem Eidgenössischen Finanzdepartement steht der Bundespräsident in engem Kontakt mit dem libyschen Premierminister; er habe von diesem die schriftliche Zusage erhalten, dass die Geiseln das nordafrikanische Land vor Ende August verlassen könnten.

Der Countdown läuft: Sollten die Geiseln heute um Mitternacht Libyen nicht verlassen haben, wird der Druck auf Hans-Rudolf Merz massiv zunehmen. Er selbst sagte vorletzte Woche, dass er bei einem Scheitern seines Sololaufs das Gesicht verlieren werde. Merz betonte auch, er werde alle Konsequenzen für den Vertrag mit Libyen tragen.

Egerszegi fordert Rücktritt

Damit hat er sich in eine schwierige Lage manövriert und sich auf Gedeih und Verderb dem launischen Diktator Moammar Qadhafi ausgeliefert. Seine Parteikollegin, FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, bringt es auf den Punkt: «Er hat das Schicksal der Geiseln mit seinem persönlichen Schicksal verknüpft», sagte sie am Samstag. Kehren die Geiseln nicht zurück, würde der Druck vonseiten der Öffentlichkeit sicher zunehmen. Deutlicher sind die Forderungen von FDP-Ständerätin Christine Egerszegi: «Wenn die Geiseln nicht zurückkehren, muss Merz zurücktreten.»

Bereits heute scheint klar, dass sich Merz zu sehr auf libysche Versprechen verlassen hat. Laut «NZZ am Sonntag» schickte er den grossen Bundesratsjet letzten Dienstag nach Libyen, nachdem er Tags zuvor eine Zusicherung des libyschen Ministerpräsidenten erhalten hatte. Unklar ist, warum die Heimholung der Geiseln letztlich scheiterte.

«Vorbereitungen laufen weiter»

Ob Max Göldi und Rachid Hamdani heute zurückkehren werden, konnte Roland Meier, Sprecher der EFD, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht sagen. Die letzten offiziellen Neuigkeiten aus Merz’ Finanzdepartement zur Affäre gabs am Freitag: Die Vorbereitungen für die Rückreise der beiden Geschäftsleute laufen weiter, hiess es in einem Communiqué. (cha)

Erstellt: 31.08.2009, 13:47 Uhr

226

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

226 Kommentare

Ulrich Scheidegger

31.08.2009, 11:55 Uhr
Melden

Die Geiseln werden sicher termingerecht durch Libyen in die Schweiz zurückgeführt. Die Leistung von BR Merz indessen als stark betrachtet. Aber diese Sache ist noch nicht zu Ende verkostet. Und die eigentlichen Sieger sind danach die Libyer. Antworten


Jules Wohlmann

31.08.2009, 11:55 Uhr
Melden

Nach Vertrag läuft die Gnadenfrist für Herr Merz bis DI, also wäre auch Ankunft am DI um 23:55 Uhr noch im gesetzten Rahmen. Aber disqualifiziert hat sich der Bundespräsident ohnehin schon. Wenn Libyer in der Schweiz nach Vertrag einen Sonderstatus erthalten, der sie unangreifbar macht, sollte man einen Visumszwang einführen,um diese Leute auch in Bezug auf Sicherheit besser überprüfen zu können. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.