Umfragen hatten keine Auswirkung auf Minarett-Abstimmung
Aktualisiert am 17.08.2010 12 Kommentare
Seine Umfragen wurden nach der Abstimmung heftig kritisiert: Meinungsforscher Claude Longchamp. (Bild: Keystone )
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Markus Freitag von der Universität Konstanz sowie Thomas Milic und Adrian Vatter (beide Universität Bern) untersuchten im Auftrag der Chefredaktorenkonferenz der SRG das Stimmverhalten bei der Abstimmung über die Anti-Minarett-Initiative vom November vergangenen Jahres.
Sie kommen zum Schluss, dass eine überwältigende Mehrheit der Stimmenden bei dieser Vorlage ihre Entscheidung aufgrund der im Abstimmungskampf vorherrschenden Argumente und der eigenen politischen Grundhaltung gefällt hat. Eine «demokratieschädigende Wirkung» der Umfragen schlossen sie aus.
Die Stimmenden seien gut über die Vorlage informiert gewesen. Dies mache «eine unreflektierte Orientierung an Umfrageergebnissen äusserst unwahrscheinlich».
Keine Wirkung auf Mobilisierung
Stimmberechtigte, die Umfragen nutzen, nähmen politische Informationen eher kritisch auf und informierten sich auch vielseitig. Umfragenutzer hätten bei der Abstimmung nicht anders entschieden als jene, die demoskopische Resultate ignorierten.
Die Studie kommt laut SRG ausserdem zum Schluss, dass die Umfragen wahrscheinlich keine Wirkung auf die Mobilisierung oder Demobilisierung von Stimmenden des einen oder anderen Lagers hatten. Letztendlich habe die überdurchschnittlich starke Beteiligung von Gruppen, die eher zu einem Ja tendierten, den Ausschlag für das Ergebnis der Abstimmung gegeben.
Untersuchung der Fehlprognose
Bei der Anti-Minarett-Initiative hatte das von der SRG mit der Umfrage beauftragte Berner GfS-Forschungsinstitut eine Nein-Mehrheit von 53 Prozent vorausgesagt. Das Stimmvolk nahm die Initiative jedoch Ende November 2009 mit 57 Prozent Ja an. Daraufhin liess die SRG SSR die Fehlprognose eingehend untersuchen und verzichtete vorübergehend auf Trendumfragen.
Zwei Untersuchungen ergaben, dass die Umfrage zur Anti-Minarett-Initiative zwar nach bestem Wissensstand und Knowhow durchgeführt worden war. Im damals vorherrschenden Meinungsklima hätten Befürworter der Initiative aber ihre Meinung weniger offen geäussert, hätten keine oder falsche Antworten gegeben (Stichwort: «sozial erwünschtes» Antwortverhalten).
Wiederaufnahme der Umfragen
So hatte die SRG SSR schon im April grundsätzlich die Wiederaufnahme von Trendumfragen beschlossen. Bei sensiblen Vorlagen sollten «publizistische und methodische Begleitmassnahmen» getroffen werden.
Für die kommende eidgenössische Abstimmung vom 26. September über die Revision der Arbeitslosenversicherung wird die SRG SSR nun zwei Trendumfragen durch das Institut GfS Bern durchführen lassen und publizieren. Sie wird auch im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen vom 23. Oktober 2011 die Stimmung und die Wahlabsichten mit Wahlbarometern testen – wie schon bei den drei vorangegangenen Wahlen. Ein Barometer kommt im Oktober 2010, sechs weitere im Wahljahr 2011. (sam/sda)
Erstellt: 17.08.2010, 10:27 Uhr
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12 Kommentare
Vatter und Longchamps sind übrigens bestens befreundet. Das Ergebnis war zu erwarten. Es geht schliesslich um den Kuchen genannt Service public. Dieser Kuchen darf ja nicht wegfallen für all die Profitlinge und Auguren des Medienzeitalters. Antworten






