Schweiz

Umweltschützer schädigen die Umwelt

Die Alpen-Initiative verzichtet künftig auf ihre Mahnfeuer, nachdem das Urner Umweltamt diese verboten hat. Andere Alpenschützer feuern aber weiter.

Seit über 20 Jahren mahnen sommerliche Höhenfeuer zum Alpenschutz. In Uri aber nicht mehr lange.

Seit über 20 Jahren mahnen sommerliche Höhenfeuer zum Alpenschutz. In Uri aber nicht mehr lange.
Bild: Keystone

Die Protestaktion hat Tradition: Seit 1988 zündet die Alpen-Initiative immer am zweiten Wochenende im August ein Höhenfeuer an – als Mahnung, den Schutz der Alpen vor Verkehr, Luftverschmutzung und Übernutzung nicht zu vergessen. Dieses Jahr wird das «feurige Zeichen» am 14. August am Ritomsee ob der Leventina zu sehen sein – allerdings wohl zum letzten Mal, wie es bei der Vereinszentrale in Altdorf heisst.

Der Vorstand der Alpen-Initiative hat Geschäftsführer Alf Arnold den Auftrag erteilt, für 2011 nach Alternativen zu suchen. Nicht etwa, weil dem Verein das Feuern verleidet wäre. Vielmehr fallen die alpenschützenden Mahnfeuer dem Umweltschutz zum Opfer. Mit einem Brief vom 4. Mai dieses Jahres hat das Urner Umweltschutzamt interveniert. Es gab zu verstehen, dass es solche Feuer aus Sicht des Klimaschutzes für unangebracht hält und künftig nicht mehr bewilligen wird.

Zu junge Tradition

Die Urner berufen sich auf den Zentralschweizer Massnahmenplan zur Luftreinhaltung, aufgrund dessen sie letztes Jahr das Verbrennen von Holz-, Feld- und Gartenabfällen verboten haben. Solche offenen Feuer seien vor allem wegen des hohen Feinstaub-Aussstosses ein Problem, begründet Alexander Imhof vom Urner Umweltschutzamt die Massnahme. Dadurch gelangten schweizweit immerhin halb so viele Feinstaubpartikel in die Luft wie durch Dieselmotoren. Der Kanton Uri geht deshalb auch mit den Ausnahmen restriktiv um: Gestattet sind nur Feuer zur Vernichtung von Schädlingen, Grillfeuer oder Brauchtumsfeuer wie jene zum 1. August.

Um in letztere Kategorie zu fallen, ist die Tradition der Mahnfeuer aber offenbar noch zu jung, wie aus dem Schreiben an die Alpen-Initiative hervorgeht. Dieses ging auch an die Cipra Schweiz, den Dachverband der schweizerischen Alpenschutz-Verbände, der im ganzen Alpenraum am selben Datum jeweils 20 bis 30 Höhenfeuer koordiniert – dieses Jahr 8 davon in der Schweiz.

Kein Verbot ausserhalb Uris

Bei der Cipra hat man kein Verständnis für die Intervention. «Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht», ärgert sich Stefan Grass, der für die Koordination der «Feuer in den Alpen» zuständig ist. Es handle sich lediglich um grössere Familienfeuer, deren Schadstoff-Ausstoss gemessen am Total aller Grillfeuer vernachlässigbar sei. Dies umso mehr, als die Cipra grossen Wert auf ökologisches Feuern lege: Sie verwendet nur trockenes, unbehandeltes Holz, was die Luftbelastung stark reduziert. Aufgeschichtet wird dieses Holz erst kurz vor dem Anzünden, damit nicht eingenistete Tiere den Flammen zum Opfer fallen. Und bestehen wegen Hitze und Waldbrandgefahr lokale Feuerverbote, halten sich die Alpenschützer daran.

Dem Druck der Urner wollen sie sich aber nicht beugen, zumal aus anderen Kantonen bisher keine solchen Briefe eingetroffen sind: «Wir werden weiterhin symbolische Feuer anzünden – einfach nicht im Kanton Uri», so Grass.

Angst ums Image

Dies täte auch die Alpen-Initiative gerne, welche die Argumentation der Umweltbehörden ebenfalls nicht nachvollziehen kann. Sie will sich aber nicht auf einen juristischen Streit einlassen. Denn zumindest in einem Punkt muss Geschäftsführer Alf Arnold dem Urner Umweltamt recht geben. «Es wäre vom Image wohl schwierig zu vermitteln, wenn wir weiterhin mit rauchenden Feuern gegen die Emissionen des Verkehrs ankämpfen», räumt er ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2010, 23:48 Uhr

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19 Kommentare

Oliver Müller

04.08.2010, 16:31 Uhr
Melden 1 Empfehlung

"Gestattet sind nur Feuer zur Vernichtung von Schädlingen, Grillfeuer oder Brauchtumsfeuer wie jene zum 1. August." In diesem Falle muss man lediglich ein paar Würste im Mahnfeuer grillen und schon ist die ganze Sache auch in Uri wieder legal, da ja Grillfeuer erlaubt sind ;-) Antworten


Stefan Grass

31.07.2010, 12:23 Uhr
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Die symbolischen Höhenfeuer brennen «Für den Schutz der Bergblumen» und verstehen sich als Beitrag an das Jahr der Biodiversität 2010. Die bunten Blumenwiesen sind in der Schweiz in den letzten 60 Jahren praktisch komplett verloren gegangen. Die Trockenwiesen gehören zu den wichtigsten Naturinventaren des Alpenraumes, denn sie sind Lebensraum für rund die Hälfte der Pflanzen- und Tierarten. Antworten


Fortunat Anhorn

21.07.2010, 19:14 Uhr
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Man könnte ja entlang der Urner Kantonsgrenze einige Feuer entfachen, auf Boden der angrenzenden Kantone. Vorallem an den diversen Passübergängen. Antworten


Andreas Diethelm

19.07.2010, 22:34 Uhr
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Wer hat nun den Vogel abgeschossen: das Umweltamt für sein beherztes Eingreifen, der Vorstand der Alpen-Initiative, der sich vom Amtsfurz die Mahnfeuer ausblasen lässt, der kreative Titelmacher vom Tagi, oder Sandro Gasser, der glaubt, die Täter ermittelt zu haben? Kratzt mich eigentlich Feinstaub im Hals und in den Augen, oder ist es Ozon? Kann mir das Umweltamt helfen? Gewitter einstellen etwa? Antworten


Katharina von Steiger

19.07.2010, 21:07 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Es ist verhältnisblödsinnig, auf die Feuer in den Alpen zu verzichten, schlicht lächerlich. Dass sich die Alpeninitiative von dieser entgleisten Einschätzung des Urner Umweltamts beeindrucken lässt, ist mehr als bedauerlich. Nur ein kleiner Hinweis: ein einziger Kampfjetflug frisst gleich viel Brennstoff wie zwei kleinere Einfamilienhäuser während eines Jahres verbrauchen... Spart da, wo es hilft! Antworten


Peter Meier

19.07.2010, 15:54 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Dieser Artikel zeigt vor allem zwei Dinge: Das Urner Umweltamt hat mit dem Verbot des Höhenfeuers unverhältnismässig interveniert und die Zeitungen "Der Bund", "Berner Zeitung" und "Tages-Anzeiger" - alle haben den Artikel publiziert - positionieren sich mit dem verzerrenden Titel "Umweltschützer schädigen die Umwelt" in der Boulevard-Ecke. Antworten


Eliane Schreiber

19.07.2010, 13:26 Uhr
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@ sandro gasser: Hey, Herr Gasser, bauen wir doch die 2. Gotthardröhre und hey, Sie werden feststellen, der Stau ist dann in Luzern oder in Chiasso. Antworten


Markus Leutwyler

19.07.2010, 12:40 Uhr
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Hier geht es nicht um Umweltschutz oder Luftreinhaltung. Es ist einfach nur Politik. Politik bedeutet, den anderen zu verbieten, was man selber gerne tun würde (oder tut). Antworten


sandro gasser

19.07.2010, 12:09 Uhr
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eine gute schlagzeile: umweltschützer schädigen die umwelt. die sogenannten umweltschützer sind gegen eine 2 gotthardröhre und nehmen kilometerlangen stopp and go verkehr in kauf. diese politisch und ideologisch gewollte umweltschädigung symbolisieren sie mit einer weiteren: mit sogenannten mahnfeuern. eigentlich zeigen diese nur: hey leute, wir sind die, die nichts begriffen haben Antworten


Marcel Keller

19.07.2010, 11:33 Uhr
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Verhältniss-Blödsinn der doofsten Art! Wie wärs vielleicht mit einem Verbot der Feuerwerke? Antworten


Alfred Christen

19.07.2010, 11:08 Uhr
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Ich empfehle den Urner Mahnfeuerbetreiber noch ein paar Würste darin zu grillieren, denn es ist Grillsaison - e Guete. Antworten


Aschy Furrer

19.07.2010, 10:31 Uhr
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... und, ach ja, will Uri denn lieber Autodemos gegen die Umweltverschmutzung? Antworten


Ernst Leuthold

19.07.2010, 09:59 Uhr
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so? Durch offene Feuer "gelangten schweizweit immerhin halb so viele Feinstaubpartikel in die Luft wie durch Dieselmotoren"? Aber dann soll man doch konsequent sein: Alle wirschaftlich direkt unwichtigen Fahrten mit Dieselmotoren müssen verboten werden... Antworten


Walter Kunz

19.07.2010, 09:33 Uhr
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Dagegen ist die Luftverschmutzung rund um die Uhr, durch den Autoverkehr für, Natur und Bewohner nur ein bescheidenes mildes Lüftchen. Antworten


Schorsch Baschi

19.07.2010, 09:17 Uhr
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Völlig hirnrissig solches Getue. Es geht nicht mehr lange, dann wird selbst das Bräteln am Waldrand verboten. Antworten


Tim Meier

19.07.2010, 08:34 Uhr
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Politisch noch korrekter wäre es, wenn man die Cheminees verbieten würde. Die werden häuffig als private Kehrichtverbrennungsanlage missbraucht! Antworten


Meret C. Bertschinger

19.07.2010, 07:58 Uhr
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Jetzt wissen wirs endlich, Seldwyla liegt im Kanton Uri! Das ist ja wohl hirnrissig, als nächstes verbieten sie dann vermutlich Wald- und Dachstockbrände, aus Luftreinhaltegründen? Antworten


Werner Meier

19.07.2010, 07:47 Uhr
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Die paar Mahnfeuer sind doch gegenüber den immerfort furzenden Methan-Kühen und -Schweinen ein Klacks. Antworten


Walter Koch

19.07.2010, 05:45 Uhr
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Ich habe noch nie solch ein sogenanntes Mahnfeuer gesehen.Und wenn ich doch einmal so ein Mahnfeuer sehen würde wüsste ich sowiso nicht für was das sein sollte. Dabei bin ich sicher nur einer von 99 andern Leuten die das auch nicht wissen. Antworten



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