Undiplomatische Micheline Calmy-Rey

Aktualisiert am 04.02.2010 85 Kommentare

Die Aussenministerin zeigte an einer öffentlichen Veranstaltung Verständnis für den Kauf gestohlener Bankdaten. Und fiel damit dem Gesamtbundesrat in den Rücken.

«Jeder Finanzminister kämpft gegen Steuerflucht»: Micheline Calmy-Rey im Theater Basel.

«Jeder Finanzminister kämpft gegen Steuerflucht»: Micheline Calmy-Rey im Theater Basel.

Bundesrätin Micheline Calmy-Rey hat sich gestern Abend ungewohnt offen über die Datenaffäre mit Deutschland geäussert. An einer Veranstaltungsreihe des Theater Basels und der Wochenzeitung «die Zeit» mit dem brandaktuellen Titel «Wohin treibt die Schweiz» sagte sie laut «10vor10», dass sie dem Kauf gestohlener Bankdaten nicht abgeneigt sei. «Als Finanzministerin würde ich darüber nachdenken. Jeder Finanzminister kämpft gegen Steuerflucht, vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie jetzt.»

«Attacken, weil Schweiz so erfolgreich»

Mit ihrer Aussage widerspricht Calmy-Rey diametral der Gesamtregierung: Am Nachmittag hatte Finanzminister Hans-Rudolf Merz erklärt, der Bundesrat verurteile den Datendiebstahl auf Schärfste. «Die Täter müssen strafrechtlich verfolgt werden.»

Calmy-Rey betonte an der Veranstaltung weiter, die Schweiz sei von der Situation überrascht worden. «Wir sind es nicht gewohnt, dass unserer Nachbarländer derart aggressiv auftreten und gestohlene Daten benutzen.» Bisher habe man in der Schweiz ein bisschen geweint, dann seien die anderen Länder angeeilt gekommen und hätten geholfen. «Das ist nicht mehr so», sagte Calmy-Rey. Sie benannte auch den Grund für die derzeitigen Attacken: «Die Schweiz wird angegriffen, weil sie so erfolgreich ist.»

Der Bundesrat hatte gestern mitgeteilt, er wolle die Verhandlungen über das neue Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland trotz der Affäre um die gestohlenen Bankkunden-Daten weiterführen. Amtshilfe möchte er hingegen nicht leisten. Der Bundesrat habe an seiner Sitzung seinem Befremden darüber Ausdruck verliehen, dass die deutsche Regierung signalisiert habe, die gestohlenen Daten zu kaufen, teilte Bundesrat Hans-Rudolf Merz mit.

(cha)

Erstellt: 04.02.2010, 13:16 Uhr

85

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

85 Kommentare

Matti Hoch

04.02.2010, 15:35 Uhr
Melden

In der Sache bin ich mit Calmy einig, in der Art u. Weise, wie die Calmy sich wieder gegenüber dem Gesamtbundesrat benimmt, nicht. Klar, wenn ein Blocher sowas gemacht hätte, wäre er auf der Stelle abgeschossen worden, doch die Calmy kann tun u. lassen was sie will, sie scheint offenbar der Liebling der Schweizer zu sein... Antworten


Daniel Jost

04.02.2010, 16:22 Uhr
Melden

Schon der Titel lässt aufhorchen. Rony Eisenring hat ganz recht, es sind halt nicht alle gleich ........ Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Schweiz

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz