«Ungewöhnlich ist, dass sehr viele junge Frauen betroffen sind»
Von Barbara Reye. Aktualisiert am 07.06.2011 67 Kommentare
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Herr Stephan, inzwischen gibt es einen Schnelltest für den Nachweis des gefährlichen Ehec-Erregers. Warum dauert es dennoch so lange, die Quelle des Ausbruchs zu finden?
Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Denn man muss die Patienten nach ihren gegessenen Mahlzeiten befragen, Stuhlproben von ihnen untersuchen und alle infrage kommenden Lebensmittel analysieren. Weil mittlerweile so viele Menschen in verschiedenen Gegenden betroffen sind, wird es immer schwieriger, es herauszufinden.
In Deutschland kommt Kritik auf, dass die Behörden das Problem verschlafen haben. Stimmt das?
Nein, das würde ich nicht sagen. Es wurden alle Ergebnisse immer sofort kommuniziert und in der Fachwelt diskutiert. Innerhalb von ein paar Tagen wurde der Erreger sogar identifiziert. Das ist ein grosser Erfolg. Wir wissen, dass es sich um den Serotyp O104:H4 handelt. Zudem ist sein Genom bereits entschlüsselt.
Hat die Schweiz bei der Suche mitgeholfen?
Ja, wir haben in der Schweiz als Erste eines der relevanten Antibiotika-Resistenzgene charakterisiert. Mit der Antibiotikaresistenz lässt sich dieser spezifische Bakterienstamm viel einfacher aus einem Gemisch von Bakterien isolieren. Dadurch spart man viel Zeit. Anstatt rund zwei Wochen benötigt man nur noch 24 Stunden.
Spielt die Resistenz für die Therapie auch eine Rolle?
Die Patienten werden nicht mit Antibiotika behandelt, denn dann würden die Bakterien noch mehr von dem gefährlichen Shigatoxin 2 ausschütten. Dieses Gift geht über die Darmschleimhaut ins Blut, wo es unter anderem rote Blutkörperchen zerstört.
Ist der momentane Ausbruch eines Ehec-Erregers in Norddeutschland besonders schlimm im Vergleich zu vorherigen Ausbrüchen?
Der Verlauf der Krankheit entspricht in etwa dem, was man erwarten würde. In den meisten Fällen ist der Erreger harmlos. In rund zwanzig Prozent ist er jedoch schwerwiegend und kann tödlich sein. Ungewöhnlich ist aber, dass dieses Mal sehr viele junge Frauen betroffen sind. Den bisher grössten Ehec-Ausbruch gab es Mitte der 90er-Jahre in Japan. Ein Cateringservice hatte Schulen mit kontaminierten Rettichsprossen beliefert. Mehrere Tausend Kinder erkrankten.
Die Ehec-Bakterien kommenursprünglich aus dem Gedärm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen oder Ziegen. Warum erkranken die Tiere nicht?
Sie haben Antikörper im Blut, die sie gegen die Bakterien immun machen können. Dennoch können sie den Erreger über Kot auf andere Tiere und letztlich auch den Mensch übertragen.
Ist es möglich, den Menschen mit einem solchen Antikörper gegen die Krankheit zu impfen?
Von solchen Szenarien ist man noch weit entfernt. Dennoch hat man jetzt bei der Behandlung erste Fortschritte gemacht. Mit dem neuen Medikament Eculizumab hat man ein Präparat gefunden, das rote Blutkörperchen vor dem Zerplatzen schützt. Damit kann man die Symptome insbesondere bei schwerwiegendem Krankheitsverlauf mildern.
Auslöser der Krankheit sind die Exkremente von Wiederkäuern, die als Gülle über Felder verteiltwerden. Sollte man diese Art des Düngens nicht besser verbieten?
In der Gülle sind Millionen von Erregern. Doch wenn Bauern sich an die Vorschriften halten, ist dies kein Problem. So darf zum Beispiel keine Gülle auf Gemüse, sondern nur auf Felder versprüht werden. Und es darf auch nicht bei starkem Regen oder bei gefrorenem Boden gegüllt werden. Auf diese Weise gelangen die Bakterien tatsächlich in den Boden und werden nicht oberflächlich weggespült.
In Norddeutschland sind mehr als 1600 Menschen erkrankt. Kann man von einer Epidemie sprechen?
Auf gar keinen Fall. Es handelt sich um einen Ausbruch einer durch wahrscheinlich kontaminierte Lebensmittel verursachten Krankheit. Eine Epidemie ist es nur, wenn es von Mensch zu Mensch übertragen wird. Aus diesem Grund habe ich auch noch von keiner Krankenschwester etwa in Hamburg gehört, die sich bei einem Patienten angesteckt hat und gleichzeitig die üblichen Hygienevorschriften einhielt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.06.2011, 09:57 Uhr
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67 Kommentare
Ha - besonders viele junge Frauen - deshalb scheint die Mungobohnen-Sprossen These wieder glaubwürdiger zu werden. Oder sonst irgendso ein Lifestyle-Wohlfühl-Gemüse das nur Frauen essen. Auf Wurst ist der Erreger jedenfalls nicht zu suchen... Antworten


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