«Unterste Schublade» – Mörgelis Facebook-Post eckt an

Der Zürcher SVP-Nationalrat veröffentlichte ein Bild von Flüchtlingen mit dem Kommentar «Die Fachkräfte kommen». Doch was das Foto genau zeigt, war dem Historiker nicht klar.

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Christoph Mörgeli, Zürcher SVP-Nationalrat, hat einen Facebook-Post veröffentlicht, der für manche die Grenze des guten Geschmacks überschreitet. Das Bild zeigt ein komplett überfülltes Schiff. Der dazugehörige Kommentar: «Die Fachkräfte kommen.»

Mörgeli veröffentlichte das Bild diesen Mittwoch, er ist sowohl für seine 5000 Facebook-Freunde als auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Inzwischen wurde es 38-mal geteilt und 190-mal geliked. Auch Andreas Glarner, Aargauer SVP-Fraktionschef, postete das Foto auf Facebook. BDP-Präsident Martin Landolt kommentierte dies auf Twitter mit den Worten: «Auch wer wenig Niveau hat, kann noch sinken.»

Bernhard Guhl, Präsident der Aargauer BDP, reagierte ebenfalls auf Twitter.

Christoph Mörgeli sagte auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, er wolle mit dem Bild zeigen, dass die Schweiz auf eine Katastrophe zusteuere, wenn sie ihre Asylpolitik nicht ändere. «Was wir uns bieten lassen, ist ein Skandal.» Wer als Wirtschaftsmigrant hierher komme und die Hand aufmache, koste mehr als ein AHV-Bezüger, sagt Mörgeli und führt das Beispiel der Eritreer an. Die Menschen auf dem Foto sind aber keine eritreischen, sondern albanische Flüchtlinge Anfang der 90-er Jahre. Historiker Mörgeli sagt, den genauen Kontext des Bildes habe er heute durch den Artikel im «Blick» erfahren. Er halte das Foto trotzdem für zutreffend, da es Menschen zeige, die vor dem Kommunismus fliehen.

Das Bild wurde am 8. August 1991 aufgenommen, als tausende Albaner und Albanerinnen im Hafen von Bari, Italien ankamen. Der italienische Regisseur Daniele Vicari hat über das Ereignis einen Dokumentarfilm namens «La nave dolce» gedreht.

Laut dem «Blick» kursiert das Foto schon seit einiger Zeit auf Websites rechtsorientierter Gruppierungen. Die rechtsextreme deutsche NPD verwendete das Bild ebenfalls. Davon habe er nichts gewusst, sagt Mörgeli. Er habe mit der NPD nichts zu tun.

Der Kommentar bei der NPD-Variante ähnelt der Version, die Mörgeli verwendet hat: «Frische Fachkräfte werden verladen – und es kommen ALLE» Und weiter: «Die Dummheit der deutschen Flüchtlingspolitik wird per Trommel in ganz Afrika übertragen.» Worin der Zusammenhang zu Afrika besteht, ist nicht klar.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Bild von Politikern aus dem Zusammenhang gerissen wird. 2014 stellte es Maurizio Gasparri auf seine Facebook-Seite. Der italienische Politiker war von 2001–2005 unter Berlusconi Kommunikationsminister. Wie das italienische Onlineportal Bufale.net berichtete, schrieb Gasparri in seinem Kommentar über die unkontrollierbare Situation in Libyen und den Ansturm lybischer Flüchtlinge. Er forderte eine Intervention der UNO und den Stopp des Seenotrettungsprogramms Mare Nostrum.

Klicken Sie auf das Bild für eine grössere Ansicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.08.2015, 12:38 Uhr)

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