«Unverbaute Flächen zwischen Bern und Zürich sind fast verschwunden»
Aktualisiert am 21.01.2011 78 Kommentare
(bru)
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Zusammenfassung
Agglomerationen verdichten, Zersiedelung bremsen
Die Schweiz leidet unter Zersiedelung. Für einen nachhaltigeren Umgang mit dem knappen Boden haben Bund, Kantone und Gemeinden das Raumkonzept Schweiz ausgearbeitet, das sie den Medien vorgestellt haben.
Das Problem ist nach Ansicht von Bundesrätin Doris Leuthard gravierend: Unverbaute Landschaften seien etwa zwischen Bern und Zürich beinahe verschwunden, sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).
Die Zersiedelung mit all ihren Nachteilen sei ein Grund zur Sorge. Jede Sekunde werde in der Schweiz ein Quadratmeter Land überbaut. Dies entspreche einem Fussballfeld alle zwei Stunden. Zwischen 1983 und 2007 seien 600 Quadratkilometer Land überbaut worden - etwa die Fläche des Genfersees.
Siedlungserneuerung statt Einzonung
In der Schweiz, wo weniger als die Hälfte des Territoriums besiedelt werden könne, müssten auf 18'000 Quadratkilometern Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Landwirtschaft und Umweltanliegen unter einen Hut gebracht werden. Dies sei eine grosse Herausforderung.
Das gemeinsam von Vertretern von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden ausgearbeitete Raumkonzept definiert nun als Oberziel, bestehende Siedlungen zu verdichten.
Dazu soll die Siedlungserneuerung gegenüber der Ausscheidung neuer Baugebiete den Vorrang erhalten. Noch unverbaute Landschaften sollen in der Planung als Räume für die Naherholung, die Artenvielfalt und eine multifunktionale Landwirtschaft ausgeschieden werden.
Bei der Planung der Verkehrsinfrastruktur soll die optimale Auslastung bestehender Infrastrukturen künftig vor dem Bau neuer Verkehrswege Priorität haben. Die Raumplaner sollen zudem Rahmenbedingungen für mehr Energieeffizienz (etwa durch kurze Wege) schaffen.
Es gehe dabei nicht darum, Mobilität zu verhindern, sagte Leuthard in Anspielung auf die am Vortag bekanntgegebenen Pläne, Pendler steuerlich stärker zu belasten. «Mobilität ist ein Faktum», sagte sie. Doch müsse sie besser gestaltet werden.
Koordination statt Gartenhagdenken
Die Raumplanung versuche seit Jahrzehnten die Zersiedelung zu bremsen. Mit beschränktem Erfolg. Deshalb gelte es nun, neue Wege zu gehen, um den Verbrauch von Boden einzudämmen.
Das Zauberwort des Raumkonzepts Schweiz heisst Koordination. Gemeinden und Kantone sollen bei der Raumplanung über den «Tellerrand» ihres Territorium hinaus denken und die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung besser aufeinander abstimmen.
Weil viele Menschen täglich zwischen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Einkaufen Gemeinde-, Kantons- oder gar Landesgrenzen überqueren, schlägt das Raumkonzept vor, in zwölf überregionalen Räumen zu planen und handeln - in vier grossstädtischen, fünf klein- und mittelstädtischen und drei alpinen.
Zwischen diesen Räumen, insbesondere zwischen städtischen und ländlichen, brauche es Partnerschaften, forderte der Direktor des Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung (VLP-ASPAN), Lukas Bühlmann, den Leuthard als Vater des Raumkonzepts bezeichnete.
Optimismus
Die Instrumente dazu sind etwa regionale Richtpläne oder Agglomerationsprogramme. Bühlmann und Leuthard sowie die an der Medienkonferenz ebenfalls anwesenden Vertreter von Kantonen, Städten und Gemeinden zeigten sich optimistisch, dass die bessere Koordination nicht eine Leerformel bleibt.
Das Konzept werde bereits vielenorts gelebt, sagte Leuthard. Und der Solothurner Planungsdirektor Walter Straumann erklärte, dass sich das allgemeine Bewusstsein wegen des Leidensdrucks verbessert habe.
Als Zeichen dafür werteten alle auch den Umstand, dass es trotz Föderalismus den Beteiligten überhaupt gelungen ist, sich auf das nun vorliegende Raumkonzept zu einigen, das bis Ende Juni 2011 in Vernehmlassung geht. -
10.40 Uhr
Die drei Eckpfeiler des Raumkonzeptes:
- Die Siedlungsentwicklung soll besser koordiniert werden. Gemeinden, Kantone und Bund arbeiten zusammen. Das Raumkonzept schlägt vor, in zwölf überregionalen Räumen zu planen und handeln.
- Städte sollen verdichtet werden. Es soll nur noch dort gebaut werden, wo heute schon Siedlungen bestehen.
- Die bestehenden Verkehrswege sollen optimiert werden, es sollen nicht prioritär neue gebaut werden. -
10.30 Uhr
Walter Straumann, Regierungsrat Kanton Solothurn spricht nun. Er wiederholt im Grossen und Ganzen die Worte seiner Vorgänger. Zum Schluss sagt er: «Das Konzept verdient es, gewürdigt zu werden.»
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10.25 Uhr
Bühlmann gibt zu, dass Kritiker bemängeln könnten, dass das Raumkonzept nur sehr vage formuliert sei. Es sei halt eben nur ein Konzept und kein Richtplan. Ein Konzept sei immer relativ abstrakt. Das Konzept sei von Bund, Kantonen und Gemeinden gemeinsam erarbeitet worden. Daher habe man einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Das habe den Gestaltungsspielraum des Konzeptes erheblich eingeschränkt.
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10.17 Uhr
Lukas Bühlmann, der eigentliche Kopf des Raumkonzeptes, ergreift das Wort. Auch er betont: Räumliche Probleme liessen sich nicht in den engen Grenzen von Gemeinden und Kantonen lösen. Daher werden im Konzept zwölf überregionale Handlungsräume aufgezeigt. Vier davon sind grosstädtisch geprägt. Es handelt sich um Zürich, Basel, den Genferseebogen und die Hauptstadtregion.
Bühlmann will die zukünftige Siedlungsentwicklung auf das bereits heute überbaute Gebiet beschränken. Das sei nachhaltig. So könnten die Landschaften erhalten bleiben. -
10.15 Uhr
Wie soll der Lebens- und Wirtschaftsraum Schweiz gestaltet werden? In Zukunft werden – unter Berücksichtigung des Föderalismus – alle zusammen (Bund, Kantone, Gemeinden) diese Frage angehen.
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10.10 Uhr
Doris Leuthard möchte neue Wege gehen. Das Raumkonzept zeige Strategien auf, wie die Ressource Boden am besten genutzt werden könne. Die Planung soll nicht mehr kantonal erfolgen. Es sollen zwölf überregionale Räume entstehen, in welchen Bund, Kantone und Gemeinden zusammen mit den Nachbarländern den Raum verplanen. Die Städte müssten noch stärker verdichtet werden.
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10.06 Uhr
Doris Leuthard ergreift das Wort. Das Raumkonzept Schweiz sei über mehrere Jahre entstanden. Leuthard bereitet die Zersiedlung Sorgen. «Jede Sekunde wird in der Schweiz ein Quadratmeter Boden überbaut. Alle zwei Stunden wird die Fläche eines Fussballfeldes überbaut»: so Leuthard. Das Problem sei, dass mehr als die Hälfte der Fläche der Schweiz nicht besiedelbar sei.
Die Bevölkerung werde weiterwachsen und immer mehr Raum beanspruchen. Das Raumkonzept wolle für dieses Problem eine Lösung bieten.
«Auf der Zugfahrt von Bern nach Zürich sehen wir die verheerenden Auswirkungen. Offene Flächen sind die Ausnahme», so Leuthard. -
10.05 Uhr
Es geht los. Uvek-Chefin Doris Leuthard betritt den Saal. Auf dem Podium sind Vertreter von Bund, Kantonen und Gemeinden. Darunter auch der Stadtpräsident von Lausann, Daniel Brélaz.
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9.45 Uhr: Vor der Medienkonferenz
Die Schweiz leidet unter Zersiedelung. Für einen nachhaltigeren Umgang mit dem knappen Boden, haben Bund, Kantone und Gemeinden das Raumkonzept Schweiz ausgearbeitet, das sie den Medien vorstellen und in die Vernehmlassung schicken.
Ziel sei die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung besser zu koordinieren, um den Verbrauch von Boden und die Kosten zu senken, teilen das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK), der Schweizerische Städteverband sowie der Schweizerische Gemeindeverband mit.
Städte verdichten
Dazu soll die Entwicklung künftig konsequent auf bereits bebaute Gebiete gelenkt werden. Bei der Verdichtung der Städte und der Ortskerne sollen aber Pärke und Plätze als Freiräume erhalten bleiben, um die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen.
Noch unverbaute Landschaften sollen in der Planung als Räume für die Naherholung, die Artenvielfalt und eine multifunktionale Landwirtschaft ausgeschieden werden.
Bei der Planung der Verkehsinfrastruktur soll die optimale Auslastung bestehender Infrastrukturen künftig vor dem Bau neuer Verkehrswege Priorität haben. Die Raumplaner sollen zudem Rahmenbedingungen für mehr Energieeffizienz (etwa durch kurze Wege) und die Nutzung erneuerbarer Energien schaffen.
Zwölf überregionale Räume
Weil heute viele Menschen täglich zwischen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Einkaufen Gemeinde-, Kantons- oder gar Landesgrenzen überqueren, schlägt das Raumkonzept vor, in zwölf überregionalen Räumen zu planen und handeln.
Vier davon sind grosstädtisch geprägt. Es handelt sich um Zürich, Basel, den Genferseebogen und die Hauptstadtregion. Damit hatten die Bemühungen von Bern und den umliegenden Städten Erfolg, sich auf dem gleichen raumplanerischen Niveau zu positionieren wie die anderen drei Regionen. In Entwürfen waren ursprünglich nur drei sogenannte Metropolitanregionen um Zürich, Basel und im Bassin lémanique vorgesehen.
Erstellt: 21.01.2011, 09:48 Uhr
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78 Kommentare
Dieser Karren ist nicht mehr aus dem Dreck zu ziehen, dafür ist es endgültig zu spät, weil der Profit wichtiger als ein würdiges Dasein in einem ehemals wunderschönen Land ist. Dazu will Frau Leuthard Pendler, die am Arbeitsort keinen bezahlbaren Wohnraum finden, stärker zur Kasse bitten - so sieht schlechte Politik aus. Das kann nicht gutgehen. Antworten






