Veganer im Militär – geht das?

SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor will gar keine Veganer im Militär, die SP verfolgt das gegenteilige Ziel. Und alles wegen eines Walliser Rekruten.

Auf dem Feld gibt es nur ein Menü: Für Veganer kann dies ein Problem sein.

Auf dem Feld gibt es nur ein Menü: Für Veganer kann dies ein Problem sein. Bild: Keystone

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Seinen Sieg hat er als «grossen Schritt für die Sache der Tiere» und als «kleinen Schritt für die veganen Soldaten» bezeichnet. Der Walliser Antoni Da Campo darf nun doch Militärdienst leisten, nachdem er letztes Jahr seines veganen Lebensstils wegen zuerst für dienstuntauglich erklärt worden ist. Das Schweizer Militär argumentierte gemäss Medienberichten, es sei ihm nicht möglich, einen Veganer ausreichend und gut zu ernähren. Ausserdem habe sich Da Campo geweigert, die klassischen Kampfstiefel aus Leder zu tragen. Der damals 19-Jährige legte Rekurs ein. Im letzten Herbst kam ein Militärarzt auf den Untauglichkeitsentscheid zurück. Warum, ist wegen der Schweigepflicht öffentlich nicht bekannt.

Der Fall, der über die Landesgrenzen zu reden gegeben hat, entwickelt sich nun zum Treiber eines innenpolitischen Streits. Nationalrat Jean-Luc Addor wirft Da Campo vor, mit seinem «ideologischen Kampf» das Militär vorzuführen. In der Schweizer Armee gilt veganer Lebensstil als mögliches Ausschlusskriterium. Der Walliser SVP-Politiker will daraus ein zwingendes machen. Seiner Ansicht nach darf die Armee ihre Logistik dem Veganismus keinesfalls anpassen, also für Veganer keine speziellen Menüs und Kleider bereitstellen. Der Ausschluss vom Militärdienst solle unabhängig davon erfolgen, «ob solche Personen militant sind oder nicht».

Veganismus als Ausschlusskriterium soll fallen

Addors Forderung ist unter Sicherheitspolitikern umstritten. Priska Seiler (SP) taxiert sie als diskriminierend und fordert das exakte Gegenteil: Ein veganer Lebensstil soll kein Untauglichkeitsgrund mehr sein. Die Armee beklage sich bei jeder Gelegenheit, dass ihre Bestände zu klein seien, sagt die Zürcher Nationalrätin. «Deshalb kann sie es sich heute weniger denn je leisten, Veganer auszuschliessen.» Es werde immer mehr junge Menschen geben, die Veganer seien; diesem Trend müsse die Armee Rechnung tragen.

«Die Armee kann es sich heute weniger denn je leisten, Veganer auszuschliessen.» Priska Seiler, SP-Nationalrätin

Verlässliche Zahlen dazu existieren allerdings nicht. Die Vegane Gesellschaft Schweiz schätzt, dass derzeit rund ein Prozent der Bevölkerung im Land vegan lebt, also gut 80'000. Für die Vegane Gesellschaft Schweiz geht es ohnehin um eine Grundsatzfrage: «Vegan lebende Menschen sollten die gleichen Rechte und Freiheiten in Anspruch nehmen können wie alle Menschen.»

Armee will von Fall zu Fall entscheiden

Die Armee will – anders als Addor und Seiler – weiterhin von Fall zu Fall entscheiden. Die Truppe könne nur «sehr beschränkt» auf «Wünsche wie Veganismus» Rücksicht nehmen, sagt ein Armeesprecher. Solche Fragen würden bei der Rekrutierung individuell gelöst. «Wer Militärdienst leisten möchte und bereit ist, an einer flexiblen Lösung mitzuarbeiten, dem bieten wir gerne Hand.» Das kann zum Beispiel bedeuten, dass der Veganer selber Zusatznahrung mitbringt. Kein Gehör hat die Armee dagegen für den Vorschlag der Veganen Gesellschaft Schweiz, Vegi-Menüs zu veganisieren und so auch «viele religiöse Ernährungsvorschriften» abzudecken. Es bestünden nach wie vor Hürden, etwa die Verpflegung auf dem Feld, bei der nur ein Menü gekocht werde. Einzelne Teile der Mahlzeit wegzulassen, wie dies etwa Vegetarier heute schon täten, sei aber jederzeit möglich, so der Armeesprecher. Er streicht zudem hervor, dass es beim Essen in «stationären Verhältnissen», also in der Kantine, heute in der Regel ein Vegi-Menü gebe.

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Handlungsbedarf sieht die Armee aus einem weiteren Grund nicht: Die Fallzahlen sind vergleichsweise klein. 2015 wurden 25 Anwärter ausschliesslich oder unter anderem wegen ihres veganen Lebensstils für untauglich erklärt, dies bei total 38'179 Stellungspflichtigen und 9413 Untauglichen; die Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Vor diesem Hintergrund sieht auch der Bundesrat keinerlei Anlass, am bestehenden System zu rütteln; das geht aus seiner jüngst veröffentlichten Antwort auf eine Interpellation Addors hervor.

«Neue Ausrede für Dienstverweigerer»

Support erhält der Bundesrat von Exponenten der Mitteparteien. «Es braucht keine Gesetzesänderung, sondern Soldaten und Kader, die miteinander reden und Lösungen suchen», sagt Nationalrat Beat Flach (GLP). Jakob Büchler (CVP) plädiert ebenfalls dafür, den Status quo beizubehalten: «Ob jemand Militärdienst leisten kann oder nicht, soll bei der Rekrutierung entschieden werden.»

«Veganer, die nicht flexibel sind, sollen auch künftig von der Armee ausgeschlossen bleiben.»Corina Eichenberger, FDP-Nationalrätin

Auch Nationalrätin Corina Eichenberger (FDP) macht sich für ein «pragmatisches Vorgehen» stark. Die Armee könne ihre Logistik wegen einiger Veganer nicht umstellen, es sei deshalb vonseiten der Veganer Flexibilität gefragt. «Wer dazu nicht bereit ist, soll auch künftig von der Armee ausgeschlossen bleiben», sagt die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission. Den veganen Lebensstil als mögliches Ausschlusskriterium zu streichen, hält die FDP-Politikerin deshalb für falsch. Als ebenso falsch taxiert sie aber auch einen grundsätzlichen Ausschluss. «Das ergäbe nur eine schöne neue Ausrede für potenzielle Dienstverweigerer.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2017, 14:46 Uhr

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