Schweiz

«Vielleicht ist der ‹Nacktscanner› eine Lösung»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 28.12.2009

Die neuesten Sicherheitsvorkehrungen machen Reisenden in die USA das Fliegen schwer. Experten sind von den Massnahmen nicht restlos überzeugt – einem Einsatz von «Nacktscannern» dagegen nicht abgeneigt.

Temporäre Massnahme: Für US-Reisende sind die Kontrollen (wie hier in Genf) noch rigoroser.

Temporäre Massnahme: Für US-Reisende sind die Kontrollen (wie hier in Genf) noch rigoroser.
Bild: Keystone

Bald schon im Einsatz? Der «Nacktscanner» könnte für mehr Sicherheit sorgen.

Bald schon im Einsatz? Der «Nacktscanner» könnte für mehr Sicherheit sorgen.

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Keine Verspätungen

Auf dem Flughafen Kloten ist es bis jetzt aufgrund der verschärften Kontrollen zu keinen Verspätungen gekommen. Das bestätigt Jasmin Bodmer von der Flughafenbetreiberin Unique. Die Flugreisenden seien dazu angehalten, möglichst früh am Flughafen zu sein. Der Einsatz von Bodyscannern sei derzeit aber kein Thema.

Sie müssen drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein, eine zusätzliche manuelle Kontrolle über sich ergehen lassen und dürfen eine Stunde vor der Landung nicht mehr aufstehen: Reisende in die USA sind die Leidtragenden des vereitelten Terroranschlags in Detroit. Als Sofortmassnahme müssen sie sich schärferen Kontrollen unterziehen.

«Die Reaktion ist typisch für die USA. Es geht vor allem darum, zu demonstrieren, dass man alles Menschenmögliche unternimmt, um einen weiteren solchen Fall zu verhindern», sagt der deutsche Aviatik-Experte Cord Schellenberg auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er glaubt aber, dass die Sofortmassnahmen eine abschreckende Wirkung haben und das Sicherheits-Bewusstsein der Passagiere fördern.

Kontrolle und Tempo gewährleisten

Wenn die Passagiere nun vier statt zwei Stunden vorher am Flughafen sein müssen, bringt das laut Schellenberg keine Verbesserung der Sicherheit mit sich. «Es gilt einerseits, genau zu kontrollieren, aber andererseits einen guten Durchfluss zu garantieren. Die verschärften Kontrollen müssen im gleichen Tempo stattfinden wie die vorherigen, es dürfen sich keine Schlangen bilden.» Dafür sei mehr Personal und Platz nötig. «Ob er nun 15 oder 30 Sekunden kontrolliert wird, ist dem Passagier egal. Nicht egal ist ihm, wenn er eine Stunde anstehen muss.»

Den möglichen Einsatz von Bodyscannern findet Schellenberg unproblematisch. Der Scanner sei vielleicht sogar angenehmer als ein Abtasten. «Doch wir müssen uns unbedingt von dem Begriff ‹Nacktscanner› lösen.»

Gleichgewicht zwischen Komfort und Sicherheit finden

Auch bei Schweizer Flugreisenden können nach den jüngsten Ereignissen vorderhand manuelle Kontrollen häufiger vorkommen. «Das sind temporäre Massnahmen und betreffen derzeit nur Flüge in die USA», ergänzt aber Mireille Fleury vom Bundesamt für Zivilluftfahrt. Negative Reaktionen von Seiten der Passagiere seien bisher ausgeblieben.

Dennoch sind auch für Schweizer Passagiere nachhaltige Folgen möglich. Man müsse nun erst die Untersuchung abwarten, und dann anhand der Ergebnisse schauen, welche Massnahmen nötig seien, so Fleury. Klar ist bereits: «Es braucht eine EU-Lösung. Die Schweiz wird keine Bestimmungen für sich alleine beschliessen.» Man nehme jedoch aktiv an den Diskussionen teil. «Wir müssen ein Gleichgewicht zwischen Komfort und Sicherheit finden.»

Bodyscanner sorgt für Unmut

Und weiter: «Vielleicht ist der Bodyscanner eine mögliche Lösung für noch mehr Sicherheit», so Fleury. Eine Kontrolle durch den Scanner sei schnell und effizient.

Bereits im letzten Jahr sorgte der Einsatz von Bodyscannern - oder auch «Nacktscannern» - für Unmut unter den Flugreisenden. Viele Passagiere sähen ihre Privatsphäre durch den Scanner, der einen bis auf die Haut durchleuchtet, verletzt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2009, 15:01 Uhr

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