«Vielleicht verleiht mir die Politik Flügel»
Von René Staubli. Aktualisiert am 17.01.2011 9 Kommentare
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Herr Carrel, hat die Berner FDP Sie zu dieser Kandidatur gedrängt?
Absolut nicht. In den Ärztegremien, in denen ich dabei bin, gibt es viele Diskussionen mit Kantonspolitikern aus verschiedenen Parteien. Es waren diese lebhaften Auseinandersetzungen, die mein Interesse an der Politik geweckt haben. Mit den Vertretern der FDP waren die Gespräche am intensivsten.
Könnte es auch sein, dass Sie in die Politik ausweichen, weil Sie insgeheim befürchten, dass Sie im Jahr 2013 Ihre ureigene Domäne, die Herzverpflanzungen, an Zürich verlieren?
Wir führen am Inselspital pro Jahr rund 1500 Herzoperationen durch, davon 10 bis 15 Transplantationen. Selbst wenn wir diese verlieren sollten, was ich nicht hoffe, bleibt die Herzchirurgie in Bern wichtig. Nein, mir geht es wirklich um politisches Interesse und um Verantwortung: Mit meiner 25-jährigen Berufserfahrung möchte ich mich im Nationalrat für Themen engagieren, von denen ich etwas verstehe. Immer unter der Voraussetzung, dass ich von den FDP-Delegierten tatsächlich nominiert werde.
Nun sagten Sie einmal, Ihr Job als Chefarzt beanspruche Sie 80 Stunden pro Woche. Welche Aufgaben würden Sie delegieren?
Ich habe dies ausführlich mit der Spitalleitung, dem VR-Präsidenten und dem künftigen Rektor der Universität besprochen. Alle unterstützen mein Engagement. Es ist so: Zwischen 2006 und 2009 war ich nebst meinem Vollzeitpensum in Bern zu 30 bis 40 Prozent in Basel tätig. Ich habe dazu beigetragen, dass die Herzchirurgie der Universitätsklinik Basel und des Inselspitals zusammenarbeiten. Seit in Basel ein neuer Chefarzt eingesetzt ist, verfüge ich wieder über freie Kapazitäten.
Sie wollen also nach wie vor 140 Prozent arbeiten. Kann das im Interesse Ihrer Patienten sein?
Meine Patienten werde ich sicher nicht vernachlässigen; sie stehen für mich absolut im Vordergrund. Ich werde aber meinen Mitarbeitern mehr Verantwortung übergeben, wobei ich ihnen im Berner Bundeshaus näher bin, als ich es in Basel war. Mein Team ist so stark, dass wir die Aufgaben in Lehre und Forschung sowie die Teilnahme an internationalen Kongressen untereinander aufteilen können. Damit werde ich Zeit für mein politisches Mandat gewinnen.
Sie haben kürzlich geheiratet. Was sagt Ihre Frau Sabine Dahinden zur absehbaren Zusatzbelastung?
Sie ist einverstanden mit der Kandidatur, hat aber betont, dass sie als Journalistin der TV-Sendung «Schweiz aktuell» neutral bleiben wird.
Die Mehrheit der politisch engagierten Ärzte gehört der FDP an. Warum ist das so?
Der Arztberuf galt immer als liberaler Beruf. Für mich zählt aber etwas anderes: Obwohl ich als Chirurg schnell und klar entscheiden muss, bin ich ein Mensch, der den Konsens schätzt. Die FDP liegt so gesehen ganz auf meiner Linie. Wenn man die 26 Nationalräte des Kantons Bern anschaut, sieht man, dass ein grosser Teil ziemlich rechts und ein grosser Teil ziemlich links politisiert. Nur 7 Volksvertreter halten sich einigermassen in der Mitte auf. Diese Gruppe möchte ich verstärken. Dazu bin ich der Meinung, dass das Programm der FDP zum Schweizer Gesundheitswesen noch einige gute Ideen verträgt.
Die FDP ist gross geworden mit dem Slogan «Mehr Freiheit, weniger Staat». Was bedeutet die Umsetzung dieser Maxime für das Schweizer Gesundheitswesen?
Es besteht Nachholbedarf bei der Transparenz. Niemand weiss genau, was wo und mit welcher Qualität gemacht wird. Und warum sich die Kosten für vergleichbare Leistungen so sehr unterscheiden. Mehr Freiheit bedeutet, dass Kliniken nur dann bestimmte Behandlungen durchführen dürfen, wenn sie über ausreichende Erfahrung und eine optimale Kostenstruktur verfügen. Ich würde mich als Nationalrat dafür einsetzen, dass die Konkurrenz über die Kantonsgrenzen hinweg spielt.
Vielleicht würden Sie dem Schweizer Gesundheitswesen im Operationssaal mehr nützen als im zähen Lavastrom der Politik.
Es könnte aber auch sein, dass mir die neue Herausforderung in der Politik auch im Beruf Flügel verleiht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.01.2011, 22:56 Uhr
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9 Kommentare
Schön das Herr Carrel sich Politisch engagieren will, es wäre aber schön wenn er mehr Zeit für seine Patienten hätte. Denn da ist doch einiges nicht so wie es sein sollte. Das er einen vollen Tagesplan hat, keine Frage, aber Patienten die eine Woche auf seiner Station liegen, würden sich vielleicht über eine Viste von ihm freuen. Antworten
die berner sind sehr froh und dankbar, dass der herr doktor carrel am inselspital wirkt, deshalb wünschen ihm die berner stets viel erfolg und beste gesundheit! (die berner haben hoffentlich nicht vergesssen, dass sich thierry carrel für bern und nicht für zürich entschieden hat, also schulden sie ihm den gebührenden dank und die nötige anerkennung). Antworten






