Schweiz

WEF: Ghadhafi nicht erwünscht – Hoffnung für Schweizer?

Von David Schaffner. Aktualisiert am 23.12.2009

Libyen hat den Prozess gegen die Schweizer Geiseln verschoben. Dank Visa-Sperre und WEF-Ausschluss könnte sich eine vorzeitige Lösung anbahnen.

Die beiden Schweizer Geiseln in Libyen haben gestern nicht gewagt, die Schweizer Botschaft zu verlassen. Entgegen einer Ankündigung ihres libyschen Anwalts haben sie nicht am Berufungsprozess gegen sie teilgenommen. Erschienen sei lediglich ihr Anwalt oder einer seiner Vertreter, wie ein Sprecher von Amnesty International Schweiz (AI) auf Anfrage sagt. Die libyschen Behörden haben den Prozess laut Informationen der Organisation Human Rights Watch auf Januar 2010 verschoben.

Möglicherweise hoffen der 54-jährige Max Göldi und der 69-jährige Rachid Hamdani, dass sich nach eineinhalb Jahren eine Lösung im Geiselstreit abzeichnet. Grund zur Hoffnung gibt das WEF vom 27. bis 31. Januar 2010 in Davos. Ghadhafi-Sohn Saif al-Islam möchte wie bereits im Vorjahr teilnehmen. Solange der Konflikt zwischen den beiden Staaten andauert, schliesst dies das WEF aber aus. Überdies sind Reisen von libyschen Staatsbürgern nach Europa generell erschwert, seit die Schweiz für Libyer die Einreisebestimmungen in den Schengenraum stark erschwert hat. Möglicherweise lässt sich Muammar al-Ghadhafi darauf ein, die beiden Geiseln gegen erleichterte Visabestimmungen und eine Teilnahme seines Sohnes am WEF einzutauschen.

Sohn klagt gegen Genfer Zeitung

Unabhängig von solchen Spekulationen nahm AI die Verschiebung des Prozesses gestern positiv auf. Vielleicht würden die beiden Schweizer nun die Möglichkeit erhalten, eine schriftliche Anklage und Einsicht in die Akten zu erhalten. Dies sei bisher nicht der Fall gewesen. Göldi und Hamdani waren wegen Verletzungen von Aufenthaltsbestimmungen und Arbeitsgesetzen zu 16 Monaten Gefängnis und einer Busse von 1500 Dollar verurteilt worden und hatten dagegen rekurriert.

Während das Bangen um die beiden Geiseln weitergeht, hat Ghadhafis Sohn Hannibal in Genf eine Klage gegen den Kanton, die «Tribune de Geneve» und einen ihrer Journalisten deponiert. Die Zeitung hatte zwei Fotos publiziert, die Hannibal nach seiner Verhaftung in einem Genfer Hotel im Juli 2008 zeigten. Der Herrschersohn sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt und verlangt eine Entschädigung. Die Genfer Polizei hatte Ghadhafi zusammen mit seiner Ehefrau Aline verhaftet, nachdem zwei Bedienstete das Paar wegen Misshandlungen angezeigt hatten.–– ––––– (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.12.2009, 09:43 Uhr

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