Schweiz

Wäre Ivica Petrusic als Andreas Glarner der bessere Schweizer?

Von Christine D’Anna-Huber. Aktualisiert am 23.05.2009 4 Kommentare

Junge Eingebürgerte haben die Idee lanciert, die SP-Ständerätin Anita Fetz trägt sie nun ins Parlament: Ausländische Namen sollen helvetisiert werden.

«Was, wenn Petrusic Glarner heissen würde?» Diesen Slogan lancierte die Aargauer Sektion von Secondos Plus, ein überparteilicher Verein von Migrantinnen und Migranten, im Hinblick auf die Aargauer Grossratswahlen vom letzten März - und hat damit einen Sturm ausgelöst. «Die Frage, die wir stellten, lautet im Grund: Hätten Eingebürgerte in der Politik bessere Chancen, wenn sie ihren Namen dem kulturellen Kontext des Landes anpassen könnten, das nun, genau wie ihr Herkunftsland, ebenfalls Teil ihrer Identität ist?», erklärt Ivica Petrusic, Präsident von Secondos Plus Aargau und SP-Einwohnerrat in Aarau. «Wären sie – bei all ihrem Engagement – bessere Schweizer, wenn sie Glarner heissen würden wie der SVP-Kandidat?»

Die Frage lässt nicht kalt: Petrusic hat sowohl von Schweizern wie auch von Migranten heftige zustimmende und ablehnende Rückmeldungen erhalten. Er freut sich darüber und begrüsst, dass die Namensanpassung nun auf nationaler Ebene zum Thema wird: «Ich würde die Integrationsfrage nie auf den Namen allein herunterbrechen, aber es ist klar: In einer globalisierten Welt ist das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen eine der grössten politischen Herausforderungen. Deshalb tut eine differenzierte Debatte hier not.»

Mit negativen Bildern behaftet

Petrusic wurde 1977 als Kroate bei Travnik in Zentralbosnien geboren, kam mit 14 Jahren via Familiennachzug in die Schweiz, wo sein Vater auf dem Bau arbeitete. Das war vor dem Kosovokrieg und der grossen Flüchtlingswelle. Weder in der Schule noch in der Lehre als Hochbauzeichner hatte er den Eindruck, seines Namens wegen diskriminiert zu werden. «Die Balkandiskussion und damit die Zeit, in der Namen auf -i automatisch mit gewissen negativen Bildern verknüpft wurden, lief damals erst an», sagt Petrusic. Und später, beim Studium an der Fachhochschule für Soziale Arbeit und als Jugendarbeiter habe er von seinem Migrationshintergrund eher profitiert.

Aus -i wurde längst -ic

Doch im Alltag muss er sich oft ärgern, weil sich die Leute seinen Namen nicht merken können und die meisten Ämter ihn verstümmeln – selbst auf seiner Identitätskarte ist aus dem -i ein -ic geworden. «Viele Secondos haben deshalb einen sehr pragmatischen Zugang zum Namensproblem», sagt Petrusic. «Wenn schon niemand unseren Namen richtig aussprechen oder schreiben kann, dann möchten wir ihn lieber gleich selber abändern.»

Zumal sich Petrusic niemals über seinen Namen allein definieren würde – und gerade das wiederum habe eben auch mit der Geschichte seiner Familie zu tun: «Wir waren Osmanen, gehörten später zu Österreich-Ungarn, dann zum Königreich der Kroaten, Serben und Slowenen, und schliesslich haben die Kommunisten unseren Familiennamen ein erstes Mal abgeändert.» Aus dem typisch zentralbosnischen Doppelnamen Petrusic-Sirovic wurde damals der balkanische Allerweltsname Petrusic.

«Der Name gehört zu mir»

Mit dem ist Petrusic aufgewachsen, den will er behalten, sosehr er die Möglichkeit der Namensänderung prinzipiell unterstützt: Denn der Name gehört zu ihm und dem, was er heute ist: ein Schweizer mit ausländischen Wurzeln, «der sich integriert hat, dafür aber auch mitreden will». Anders als der Vater, der damals nur als Gastarbeiter in einer Baracke am Waldrand geduldet war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2009, 11:15 Uhr

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4 Kommentare

Werner Leuenberger

23.05.2009, 09:26 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Wenn die ursprüngliche Herkunft verleugnet wird, man sie versucht zu kaschieren, macht das niemanden zu einem besseren Bürger noch ändert das seine innere Einstellung. Antworten


Sacha Sommer

24.05.2009, 05:52 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich habe mich schon immer gefragt, wieso der Staat und/oder die Gesellschaft einem mündigen Bürger vorschreiben will, wie er zu heissen hat. Es sollte einen einfachen unbürokratischen Prozess geben, der die Namensänderungen jedem Schweizer Bürger ermöglicht. Antworten



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